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Wie verlässlich recherchiert Fomenko?

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10 Jahre 3 Monate her - 10 Jahre 3 Monate her #10309 von kronos
@Allrych

Der Titel Ihres Threads geht der Frage nach, wie verlässlich Fomenko bei der Beurteilung von alten Landkarten ist.


Eigentlich nicht. Ich fragte, wie verlässlich Fomenko recherchierte. Diese Karten haben mich einfach stutzig gemacht, sodass ich selbst ein wenig nachgebohrt habe. Ich habe mir die Britannica 1771 besorgt. Und ich habe im Internet gesucht, ob es noch andere Karten aus der Zeit vor 1771 gegeben hat, die Fomenkos Behauptung, der nahe Osten sei in Westeuropa im Wesentlichen unbekannt gewesen, stützen oder widerlegen könnten. Und siehe da: Ich habe mindestens zwei Karten gefunden, auf denen Details eingezeichnet sind, die der Behauptung Fomenkos folgend, nicht hätten bekannt sein dürfen. Diese Recherche hätte Fomenko auch durchführen können und als sorgfältiger Autor auch durchführen müssen.

Jedenfalls hat Fomenko damit für mich in diesem einen Punkt nicht sorgfältig und verlässlich genug recherchiert. Was seine anderen Aussagen angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, weil ich es nicht nachgeprüft habe. Es könnte ja sein, dass andere Teilnehmer dieses Forums ähnliche Erfahrungen berichten können.

Dazu sollte man zuerst das fragliche Buch von Fomenko kennen.


Was veranlasst Sie zu der Annahme, dass ich dies nicht tue?

Ich habe Fomenko aus seinem Buch in gebotener Kürze wörtlich zitiert und die entsprechenden Stellen angegeben. Fomenko baut seine Argumentation darauf auf, dass er gerade die Britannica 1771 herangezogen habe, weil diese den damaligen Stand der Wissenschaft repräsentierte. Er hat sich im genannten Kontext der 'Geography' auf die Britannica als alleinige Quelle verlassen und war damit, wie sich zeigt, nicht gut beraten. Andererseits brauchte er aber die 'Unwissenheit der Westeuropäer', um im Folgenden seine Argumente über die sogenannten Kreuzüge darzulegen. Er schreibt explizit (Loc 207 of 4206):

This map from the Britannica makes it even more obvious that no European had visited these parts before the XVIII century, and that the real crusades had had an altogehter different itinerary and destination. The first military compaign of the Westeners to these parts had been the expedition of Napoleon.


Und zu Ihrem letzten Satz:

Soweit ich das beurteilen kann, handelt es hier eher um ein Detail-Problem: Wie verlässlich sind alte Landkarten und in welche Zeit sind sie zu setzen?


Ganz und gar nicht. Es geht nicht um die Verlässlichkeit alter Landkarten, sondern darum, welche Quellen jemand auswählt, der die Geschichtsschreibung umkrempeln will. Denn bei einem solchen Anspruch sollte man sich in leicht zu entlarvenden Details nicht so leicht angreifbar machen. Wie gesagt: Was Fomenko sonst schreibt, kann ich nicht beurteilen. Aber was ich hier beurteilen kann, ist doch recht ernüchternd, zumal es sich nicht um einen Flüchtigkeitsfehler handelt, sondern um eine Aussage, mit der eine spätere Argumentation gestützt werden soll.
Letzte Änderung: 10 Jahre 3 Monate her von kronos.

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10 Jahre 3 Monate her #10310 von Allrych
"Kronos",

Es soll kein Missverständnis aufkommen: ICH kenne das Buch von Fomenko nicht.

Aber ich verstehe jetzt, worum es geht: Wie steht es um die Kenntnis des Nahen Orients
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also vor Napoleon?

Hier sage ich aus meiner Kenntnis: Das heilige Land Palästina wurde um diese Zeit nur
vage mit der Levante identifiziert. Jerusalem war wie Rom und Neapel überall.

Erst im frühen 19. Jahrhundert kamen detaillierte Beschreibungen und Kenntnisse der
Levante im Westen auf.

Von den Burgen der Kreuzfahrer wusste zum Beispiel vor 1800 noch niemand im Westen.

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10 Jahre 3 Monate her - 10 Jahre 3 Monate her #10311 von kronos
@Allrych

Aber ich verstehe jetzt, worum es geht: Wie steht es um die Kenntnis des Nahen Orients
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also vor Napoleon?

Hier sage ich aus meiner Kenntnis: Das heilige Land Palästina wurde um diese Zeit nur
vage mit der Levante identifiziert. Jerusalem war wie Rom und Neapel überall.

Erst im frühen 19. Jahrhundert kamen detaillierte Beschreibungen und Kenntnisse der
Levante im Westen auf.



Wie wäre es hiermit (1598):

sxetikos.kypros.org/Maps/Cyprus-Maps-93x.htm

Für meinen Geschmack ist das ziemlich detailliert.
Oder hier (1696, 1707, 1740):

en.wikipedia.org/wiki/Ottoman_Syria#Cont...-Tanzimat_reforms.29
Letzte Änderung: 10 Jahre 3 Monate her von kronos.

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10 Jahre 3 Monate her #10312 von Ingwer

Wie wäre es hiermit (1598):

sxetikos.kypros.org/Maps/Cyprus-Maps-93x.htm


Die oben benannte Karte stammt von W. v. Schadow (1788 - 1862)!
Seine Initialen sind sichtbar eingefügt!

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10 Jahre 3 Monate her - 10 Jahre 3 Monate her #10313 von kronos
@Ingwer

Die oben benannte Karte stammt von W. v. Schadow (1788 - 1862)!
Seine Initialen sind sichtbar eingefügt!


Vielleicht bitten Sie die Zyprioten, den entsprehenden Eintrag zu korrigieren.
Ich habe den Link von hier:

sxetikos.kypros.org/Maps/

(und zwar: die Zeile G. Rosaccio - J. Franco).

Wenn man nach 'Franco AND Rosaccio' googlet, findet man zahlreiche Links auf Webseiten, die alle alte Karten aus der Zeit um 1600 von Rosaccio und Franco anbieten, u.a. eine mit dem Titel 'The Holy Land':

alteagallery.com/stock_largeimage.php?ref=9135&image=9135.jpg

Alle von W. v. Schadow, wo der doch als Nazarener ganz andere Sujets im Sinn hatte?
Außerdem ist Schadow als Kartograf zumindest bei der Wikipedia unbekannt:
de.wikipedia.org/wiki/Kartograf
Letzte Änderung: 10 Jahre 3 Monate her von kronos.

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10 Jahre 3 Monate her #10314 von Allrych
Kronos,

Die Zuschreibungen von "Ingwer" darf man nicht ernst nehmen: Er versucht konsequent alles ins 19. Jh. zu verschieben.

Einmal hat er mir vorgeschlagen, einen Berner Maler, den ich um 1770 ansetze, mit einem Berliner (!) Künstler um 1840 gleichzusetzen.

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