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Robert Baldauf ist ein Alias von Friedrich Nietzsche
Wenn tatsächlich Nietzsche als Autor dahinter stehen würde, so hätten dessen Nachlassverwalterin (E. Förster-Nietzsche) eine perfekte editorische Verschleierung vollbracht.
Doch auch sonst: Baldauf scheint ein Pseudonym zu sein. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Unbekannter zwei so geniale Broschüren herausgibt und danach wieder verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen.
Merkwürdig ist auch, dass "Der Mönch von St. Gallen" nach "Historie und Kritik" erschienen ist, obwohl das letztere Werk inhaltlich dem ersteren überlegen ist.
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Merkwürdig auch die fehlenden Bände II. und III.Merkwürdig ist auch, dass "Der Mönch von St. Gallen" nach "Historie und Kritik" erschienen ist, obwohl das letztere Werk inhaltlich dem ersteren überlegen ist.
Und die allgemein verbreitete Annahme,
dass es sie nie gegeben habe.
Es stellt sich die Frage nach Manuskripten.
Hat einer danach gesucht?
Das kurze Vorwort aus Band I., hier integral zitiert,
gibt einen Hinweis auf den intendierten Umfang:
In Basel erschien Band 4 ein Jahr vor dem 1. Band,VORWORT.
die hier mitgeteilten bemerkungen über den "mönch von
St. Gallen" eröffnen eine reihe von aufsätzen, deren gesamt-
resultat gezogen ist in "historie und kritik". IV. das altertum.
F. Reinhardt, Basel 1902.
der verfasser.
welcher kurioserweise in Leipzig publiziert wurde.
Gleichwohl wurde die damalige Schweizer Landesbibliothek
(heute: Schweizerische Nationalbibliothek NB)
und weitere Schweizer Bibliotheken mit Exemplaren der
Leipziger Ausgabe (Bd. I.) versorgt - oder haben die "aktiv" gekauft?
Band I. würde ich übrigens nicht als Broschüre bezeichnen;
vom Umfang (168 Seiten) und Gehalt her kommt das an eine
Doktorarbeit jener Zeit heran.
Ausserdem war es (und eingeschränkt noch heute) relativ leicht,
ein Buch unter falschem oder gar keinem Namen zu publizieren.
Man musste einfach für Druck und Vertrieb selber besorgt sein.
Gut möglich, dass die Verlage von "ihren Produkten" gar nichts wussten?
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S. 50:es scheint nach allem, dass Notker und Ekkehart sich
ziemlich gründlich mit urkunden und urkundenschreiben abgegeben
haben, obwohl Ekkehart einmal thut, als sei er im archiv nicht
recht zu hause und beschäftige er sich aus bequemlichkeit
nicht viel mit urkunden, sodass ihn Meyer von Knonau
nach urkunden wenig lüstern nennt.
S. 63-64:die magister Notker und Ekkehart.
eine auffallende eigentümlichkeit beider autoren ist die manie,
möglichst viele kenntnisse in den verschiedensten wissenschaften
zu offenbaren, wobei dann ein belehrensollender ton angescblagen
wird, der etwas naiv klingen will. in der that aber affektiert
herauskommt.
ich gedachte die vergleichung der gesta und der casus zu
dem zwecke vorzunehmen, um "von den eigentümlichkeiten und
besonderheiten [des Notkerschen stils], die vielleicht nur dem einfluss
des klösterlichen milieus zuzuschreiben" wären, abstrahieren
und den sich ergebenden rest als spezifisch - Notkerischen stil
reklamieren zu können - der sich ergebende rest ist aber fast = 0.
Notker geht beinahe restlos in Ekkehart auf, und umgekehrt -
Ekkehart geht beinahe restlos in Notker auf. welcher schluss
hieraus zu ziehen? dass Ekkehart den Notkerschen stil sehr
genau studiert, ihn sich völlig zu eigen gemacht und so seine
schriftstellerische individualität verloren habe? es fällt
etwas schwer, daran zu glauben. aber, in der that verlangen
die philologen aus dem griechischen und römischen altertum
eben diesen glauben, wenn sich ein der historischen,
tradition widersprechendes gleiches aufgehn eines autors
in einem frühern oder spätem autor irgendwo gezeig hat.
was dem einen recht ist, ist dem andern billig: die tradition
verbietet uns, die identität Notkers und Ekkcharts IV. von
St. Gallen auszusprechen. der eine autor will ja aus dem 9. u.
10. jahrh., der andere aus dem 11. jahrhundert sein. was will
auch stilistische übereinstimmung viel besagen? die kloster-
und schultradition hat eben auf Ekkehart eingewirkt - und
Notker war doch ein bedeutender lehrer, dessen einfluss
auch die beiden folgenden jahrhunderte sich nicht entziehen
konnten. dass in einem kloster wie in St. Gallen der stil
der brüder durch gegenseitige beeinflussung sich derart ab-
und gleichgeschliffen habe, dass auch nicht einmal
zahlenmässige übereinstimmungen anstoss zu erregen brauchen,
nun, das ist eben als thatsache hinzunehmen. sollten nicht
mündliche tradition und rektifizierende, auf gleiche
klassische autoren zurückgehende lektüre zu solcher
sprach- und stilgleichheit führen können?
ist uns demnach versagt, aus stilistischen übereinstimmungen
schwerwiegende schlüsse ziehen zu dürfen, so bleibt doch noch die
möglichkeit frei, sachliche, inhaltliche übereinstimmungen in den
kreis der untersuchung hereinzuziehen.
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Der knapp 100-seitige 4. Band ist, so wie er im Druck vorliegt,
eigentlich gar nicht vollständig.
Denn neben der Bandnummerierung "IV. Das Altertum. [Römer und Griechen.]"
folgt eine alphabetische Unterordnung "C. Metrik und Prosa."
Wo sind die Teile "A." und "B." geblieben?
Waren weitere Teile "D." ff. geplant, ev. gar schon geschrieben?
Denkbar aber auch, im Rahmen einer gewöhnungsbedürftigen Systematik und
eines nicht minder fragwürdigen Kontexts mit dem Inhalt des Vorworts in Band I.,
dass vielleicht "A." und "B." die Bände II. und III. hätten bilden sollen.
Der Verfasser, "Robert Baldauf", erwähnt in seinem Vorwort des 4. Bands
den Wunsch nach einer "Gesamtveröffentlichung" seiner Aufsätze,
was ihm aber zu seinem Bedauern bislang nicht ermöglicht worden sei.
Es ist also mit hoher Sicherheit davon auszugehen, dass noch mehr Material vorhanden war.
Kurios der zeitliche Hinweis, ab wann "Baldauf" die Aufsätze zu verfassen
begann, nämlich "seit fasching 1902" - der genaue Anlass seines Unternehmens
bleibt aber in dem Vorwort verschwiegen (vgl. Vorwort, Bd. IV.).
Als Basler - so er denn einer gewesen wäre - von "fasching"
und nicht von "fasnacht" zu sprechen, mutet seltsam an.
Welcher Begriff war Nietzsche in dem Zusammenhang geläufig?Vom "Fasching" spricht man etwa in Würzburg, das den größten Faschingszug
Süddeutschlands hat, sowie in der Region Unterfranken, in Niederbayern und der
südlichen Oberpfalz, im Osten Oberbayerns und München, also im bairischen
Sprachraum und in Österreich östlich des Arlbergs.
de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching#Fasching
Fasching, eine Zeit, in der andere Regeln gelten - verkehrte Welt also.
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Eigentlich schon!Als Basler - so er denn einer gewesen wäre - von "fasching"
und nicht von "fasnacht" zu sprechen, mutet seltsam an.
Von Haus aus kenne ich beide Begriffe: Fasching und Karneval. Die Fassenacht ist
wohl eher südlich ( Hessen, Allemannen) zu fassen.
Kann es nicht auch sein, dass es Basel Zugezogene gibt und sich dieser Umstand daraus erklären lässt?
Gebildete Bürger sind doch in der Regel auch wohlbereiste Bürger oder?
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Im 19. Jh. wimmelte es in der Schweiz von zugezogenen Deutschen.Kann es nicht auch sein, dass es Basel Zugezogene gibt und sich dieser Umstand daraus erklären lässt?
Gebildete Bürger sind doch in der Regel auch wohlbereiste Bürger oder?
Genauso wie heute...
Ob es einen Robert Baldauf in Basel oder Umgebung zu jener Zeit gegeben hat,
ist jetzt näher zu prüfen.
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