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Robert Baldauf ist ein Alias von Friedrich Nietzsche
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(EINIGE KRITISCHE BEMERKUNGEN)
I
DER MÖNCH VON ST. GALLEN
R. BALDAUF
LEIPZIG
VERLAG DER DYKSCHEN BUCHHANDLUNG
1903
S. 1-2 integral:
bei gelegenheit einer untersuchung über den sagenreichen "monachus Sangallensis de Carolo magno" bot mir das 10. cap. des 1. buchs einen ausgangspunkt für interessante beobachtungen.
das cap. 10 des 1. buchs dieses die karolingische zeit berührenden quellenwerks handelt von der einführung des römischen kirchengesangs im fränkischen reich durch Karl den grossen.
ich gebe die übersetzung nach Wattenbach [der mönch von St. Gallen über - die thaten Karls des grossen , übers. von W. Wattenbach. 3. aufl. Leipzig 1890.]:
"Karl also, unermüdlich im eifer für den dienst gottes freute sich, da er sah, dass er in der wissenschaftlichen erkenntnis sein ziel, soweit es möglich war, erreicht hatte, aber dass noch alle provinzen, ja alle gaue und städte im lobe gottes, nämlich in den melodieen des kirchengesangs, von einander abwichen. das schmerzte ihn, und er bemühte sich, vom papste Stephan seligen gedächtnisses, der einst den ganz untüchtigen Frankenkönig Hilderich hatte absetzen und kahl scheren lassen, ihn selbst aber nach altem herkommen zur regierung des reiches gesalbt hatte, einige im kirchengesange wohl erfahrene geistliche zu erlangen.": [hier ist der, mönch von St. Gallen (Notker balbulus) ungefähr wörtlich Einharts vita Caroli magni gefolgt, und darum. verwechselt er auch wie Einhart den papst Zacharias, der Pippin zur annahme des königs titels bestimmt hatte, mit dessen nachfolger Stephan II., der den befehl des Zacharias nur bestätigte. dieser Stephan hat Karl zwar gesalbt, aber nicht als könig, sondern als knaben zugleich mit seinem vater Pippin. die salbung war auch nicht ein altes herkommen im Frankenland, sondern eine neuerung.]
"der papst billigte sein begehren und den von gott ihm eingegebenen eifer und schickte nach der zahl der 12 apostel 12 des singens sehr kundige geistliche vom apostolischen stuhl an ihn nach Francien. wenn ich aber bisweilen Francien sage, so meine ich damit alle länder diesseits der Alpen, denn so wie geschrieben steht: zu der zeit werden 10 männer aus allerlei sprachen der heiden einen jüdischen mann bei dem zipfel ergreifen, so dünkten sich in jener zeit wegen der herrlichkeit des glorreichen Karl Gallier und Aquitanier, Eduer und Hispanier , Alamannen und Bajoaren nicht wenig geehrt, wenn man sie auch nur als dienstpflichtige der Franken bezeichnete. als nun jene geistlichen Rom verliessen , so ratschlagten sie, wie denn immer Griechen und Römer von missgunst wegen des ruhmes der Franken geplagt wurden, wie sie den gesang so verschieden lehren könnten, dass einheit und harmonie darin in dem fremden reiche und lande niemals sich verbreiten möge. bei ihrer ankunft wurden sie nun von Karl sehr ehrenvoll empfangen und nach den bedeutendsten orten verteilt; sie aber bemühten sich, jeder an seinem orte so verschieden und so verdorben, wie sie es sich nur ausdenken konnten, zu singen und so auch ihre schüler zu unterweisen. der kluge könig Karl aber feierte einmal die geburt und erscheinung des herrn in Trier oder Metz und achtete da sehr aufmerksam und mit grossem verstande auf die art der lieder, sodass er sie ganz durchdrang. im nächsten jahre feierte er dieselben feste in Paris oder Tours; und da er nun nichts von den melodieen hörte, die er in den eben genannten orten im vorigen jahre kennen gelernt hatte, und auch erfuhr, dass an den übrigen orten die dahingeschickten je länger je mehr von einander abwichen, so trug er die sache dem papste Leo heiligen gedächtnisses, Stephans nachfolger, vor. [nach den andern, glaubwürdigern berichten hierüber kann es sich hier nicht um papst Leo handeln, sondern nur um papst Hadrian I., der auf den nachfolger Stephans II., Stephan III., gefolgt war.] dieser rief sie nun nach Rom zurück und bestrafte sie mit verbannung oder mit ewigem zuchthaus, zu dem erlauchten Karl aber sagte er [also wohl, als Karl in Rom war.]: wenn ich dir nun andere verschaffe, so werden sie doch ebenso wie die früheren, durch neid verblendet, es nicht lassen, dich zu täuschen. aber ich will auf andere weise für die erfüllung deines wunsches sorgen: gieb mir aus deiner umgebung 2 geistliche von grossen natürlichen anlagen, doch so, dass meine leute nicht wissen, dass sie dir angehören, und so gott will, sollen sie in der kunst, die du begehrst, alle vollendung erreichen. und so geschah es, und siehe, nach kurzer zeit schickte er sie vortrefflich unterrichtet an Karl zurück. dieser behielt einen bei sich. den andern schickte er auf die bitte seines sohnes Truogo [von der Regina], bischofs von Metz, nach dessen kirche. [das ist ein anachronismus: Truogo wurde erst 9 jahre nach Karls tod bischof von Metz. Wattenbach.] dieses mannes bemühung trug nicht nur dort frucht, sondern verbreitete sich auch durch ganz Francien in dem grade, dass noch jetzt bei denen, die hier zu lande lateinisch sprechen, der kirchengesang mettensisch heisst, bei uns aber, die wir teutonisch oder deutsch sprechen, nach heimischer art met oder mette, oder auch nach griechischer ableitung mit einem gebräuchlichen namen mettisca genannt wird."
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