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Gretchenfrage (peinliche)

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15 Jahre 11 Monate her #2487 von *CD
Ich habe hier die kosmologische Frage gestellt, weil die Antwort auf die Frage nach der Stellung des Menschen in der Geschichte ohne die Erörterung der Frage nach seiner Stellung im und zum Raum nicht zu haben ist. Die Innenwelttheorie ist ja letztlich nur der Versuch, das alte antike Weltbild der himmlischen Sphären um die zentrale Erde in das kopernikanische System hinüber zu retten: Die Sonne darf dann zwar zentral sein (ja sie wird sogar zur einzigen Zentralsonne!), aber die Erde des Menschen ist und bleibt das unverrückbare Referenzsystem. Konsequenterweise muss die Innenweltphysik dann so beschaffen sein, dass sie das scheinbar Äussere ins Innere stülpt; dazu noch einige Anpassungen an der Axiomatik - und schon stimmt die Physik!

Natürlich war etwa das Josua-Ereignis im ptolemäischen Weltmodell einfach zu erklären: Ein Anhalten des ersten Bewegers musste zwangsläufig auch die Bewegungen der an ihn gekoppelten Sphären stoppen: zu sehen an der Sonne über Gibeon (auf dem Berg) und am Mond über Ailon (in der Schlucht) - und richtigerweise nicht an den Planeten und den Fixsternen, denn diese waren ja tagsüber nicht zu sehen. Den Mond konnte man nur aus der schattigen Schlucht heraus erkennen (und logischerweise dann nicht die Sonne) und nicht im gleissenden Licht der Mittagssonne auf dem Berg. Die Erzählung ist in sich schlüssig, und wenn sie im Kern auch wahr ist, dann stimmt vielleicht auch das kopernikanische Weltmodell nicht. Die Meinung vieler Katastrophisten unter uns, die Erde sei damals für einen Tag lang aus irgendwelchen Gründen (Impakt etc.) in ihrer Rotation stillgestanden, lässt sich m.E. nicht halten; man müsste dann auch die passende Geo- und Astrophysik dazu liefern. Chris Marx ging bekanntlich diesen Weg, aber so weit ich sehe, ist ihm niemand gefolgt...

Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass unser Urteil über den Ablauf der Geschichte grösstenteils Epochen betrifft, als die Menschen ein völlig anderes "Raumgefühl" hatten als wir. Die seltsamen Geschichten, die sie uns überlieferten, sind auch unter diesem Aspekt zu würdigen.

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15 Jahre 11 Monate her - 15 Jahre 11 Monate her #2493 von Tuisto
Nach meinem Kenntnisstand sprechen die Katastrophisten nicht von einem Anhalten der Erde, sondern von einer 180-Grad-Kippung der Erdachse mit daraus relultierendem Richtungswechsel des Sonnenaufgangs, wie von Platon überliefert.

Velikovsky zitierte darüber hinaus amerikanische Berichte von einer überlangen Nacht!

Unabhängig davon hat Urich Voigt in seinem neuesten Monographie "Zyklen und Perioden"

www.likanas.de/doc/Zyklen%202010%20Feb%2018.pdf

dankenswerterweise den irischen Augustinus ausgegraben und schreibt bzw. zitiert ab S. 91 folgendes:

Die Wunder heben den gleichmäßigen Gang der Natur nur scheinbar
auf, nicht wirklich; sie entspringen dem Willen Gottes, dem die Natur
gehorcht und nicht etwa einer inneren Unregelmäßigkeit oder gar
Kreativität der Natur, die vielmehr konstant ist und bleibt.

Im Buch II Cap. IV De mirabilibus geht es um Josua X, 12 – 14, wo
berichtet wird, dass Gott Sonne und Mond befahl, einen Tage lang
still
zu stehen.

Der irische Augustinus überlegt, wie dies möglich war, ohne die Natur
in Unordnung zu bringen. Hätte Gott z.B. nur die Sonne angehalten oder nur den Mond, so hätte sich die Grundlage der Zeitrechnung verschoben, was nicht sein kann.

Hätte der Mond in seiner Ruhe gleichwohl um einen Tag zugenommen oder abgenommen, so wäre
dasselbe geschehen. Nein, die Ruhe der beiden Gestirne musste so absolut und synchron sein, dass das Vorher und das Nachher nahtlos zusammenpassen. Hier endet die Überlegung, deren Fortsetzung bzw.Vertiefung den Autor unweigerlich zwischen dem Zweifel an der
Natur und dem Zweifel an Gott zerrieben hätte.

Was trotz des zeitweiligen Stillstands der Gestirne nahtlos durchlaufen
soll, ist für den irischen Augustinus nichts anderes als der 532-
jährige Zyklus, den er zugleich als komputistische Tafel denkt und als
gemeinsame Bewegung von Sonne und Mond:

Quorum unusquisque uniformi statu, peractis quingentis triginta
duobus annis in semetipsum, id est, in sequentisinitiumreuoluitur,
completis uidelicet in unoquoquesolaribus octouicenis nonodecies,
et in lunaribus decemnouenalibus uicies octies circulis.

Vom Osterdatum ist nicht direkt die Rede, sondern nur von dem –
zugleich als natürlichen Vorgang gedeuteten – cyclus magnus decemnovennalis,
den der Autor ausdrücklich mit der Weltschöpfung beginnen
lässt. Dass dazu ein gleichlaufender Osterzyklus gehört, muss
nicht ausgesprochen werden, da es für den Leser selbstverständlich
ist.

Tatsächlich spricht der irische Augustinus plötzlich von 2 Tagen des Stillstandes und der Frage, wie man diese im Kalender ohne Probleme unterbringen konnte und ob das zu Komplikationen führte.

Es liegt auf der Hand, dass hier der Sonnenstillstand mit der Zweitagesdifferenz JK zu GK und dessen möglichen Implikationen verglichen wurde.

Wir stellen nämlich fest, dass das Joshua Ereignis erst in der Zeit der Kalenderreform (wieder?) auf den Tisch kommt und für das Für und Wider herhalten muss.
Letzte Änderung: 15 Jahre 11 Monate her von Tuisto.

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15 Jahre 11 Monate her - 15 Jahre 11 Monate her #2523 von Dieter-Bremer
Man darf zunächst nicht vergessen, dass das sogenannte Josua-Ereignis in 2Könige wieder auftaucht. Dort wird die Sonnenuhr um einige Stunden zurückgestellt.

Gibt es also das Ereignis zwei Mal? Ist die Rotation der Erde zwei Mal temporär unterbrochen worden? Und im Rolandslied ein drittes Mal?

Ich antworte auf alle Fragen mit "Nein!".

Es gab nur ein solches Ereignis und man muss dabei berücksichtigen, dass die überliefernden Generationen diese Überlieferungen ihrem Verständnis anpassten. In ihrer Unwissenheit glaubten die betreffenden Informationsträger, dass es einen temporären Stillstand der Himmelskörper gegeben hat. Die Erinnerung daran, dass die Tage früher grundsätzlich kürzer waren, ist HIER offenbar verlorengegangen.

Zum Glück nicht überall auf der Welt. Der pazifische Gott Maui - wenn man den Überlieferungen glauben soll halb Gilgamesch, halb Enkidu - hat jedenfalls die Sonne dazu gezwungen, länger zu scheinen. Früher ist sie so schnell über den Himmel gezogen, dass die Wäsche an einem Tag nicht mal trocken werden konnte. (Und das in der Südsee!)

Velikovsky zitiert Überlieferungen, die im Zusammenhang mit der großen Katastrophe eine Verkleinerung der Lebewesen kennzeichnet. Auch die Wissenschaftler haben erkannt, dass es nach einer großen Katastrophe (K/T-Impakt) die größten Tiere (Dinosaurier) ausgestorben sind.

Alles das gehört zusammen mit dem Blick auf die Proselenen: Erst nach der Mondentstehung rotierte die Erde deutlich langsamer und das Gewicht wurde so (als Resultierende von Schwerkraft und - der entgegengesetzt wirkenden - Zentrifugalkraft) größer und damit Menschen und Tiere kleiner. Ovid lässt grüßen (Metamorphosen, Fasten), er beschreibt die Degeneration des Menschen nach der Zeit des ewigen Frühlings, d.h. der gerade stehenden Erdachse.

Dass beim Josua-Ereignis der Mond erwähnt wird, spricht nicht unbedingt dagegen. Es gab einen "Vormond" und viele Beschreibungen weisen ihm Eigenschaften zu, die unser Mond heute nicht mehr hat. (spiegelnd, glänzend im Sinne von metallisch glänzend = Selene)

Auch wenn die Wissenschaft die Existenz der Riesen bisher nicht anerkennt: Viele alte Quellen berichten davon, das Buch der Riesen aus Qumran lässt Gilgamesch als Chefriesen erscheinen. Einer derer, die die Katastrophe auslösten (Sieg über Chumbaba mit apokalyptischen Katastrophenszenarion und anschließendem Hinweis auf die Sintflut), als Maui beschreibt er die dabei entstandene Tageszeitverlängerung.
Letzte Änderung: 15 Jahre 11 Monate her von Dieter-Bremer.

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5 Jahre 10 Monate her - 5 Jahre 10 Monate her #12294 von Basileus

Ingwer schrieb: @CD,

Meinen Sie die Hohlwelttheorie?

Wenn ja, dann kann Jemand, der schon dort war, ein paar Bilder mitbringen.
Die heutige Technik gibt dies her.

Ich habe vor fast drei Jahren Ingwers Anregung aufgegriffen und auf den Philippinen (also quasi am Ende der Welt) geheim eine Photographie aufnehmen lassen. Ohne die Behörden zu informieren, habe ich diese Photographie außer Landes gebracht und verschlüsselt an einem geheimen Ort abgespeichert. Nun, nach fast drei Jahren breche ich das Schweigen.
Hier ist meine Aufnahme ;-)

Letzte Änderung: 5 Jahre 10 Monate her von Basileus.

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5 Jahre 10 Monate her - 5 Jahre 10 Monate her #12296 von Basileus

*CD schrieb: Nun, es ist doch ganz einfach: Man kann die Zeit nicht ohne den Raum haben! Man kann nicht Geschichte und Chronologie hinterfragen, ohne sich Gedanken zur Kosmologie zu machen. Dies war den Alten noch völlig klar, uns aber vielleicht nicht mehr, was ein dramatischer Fehler wäre und vielleicht auch ein Grund, weshalb die CK nicht weiterkommt...

Alle alten Werke zur Chronologie handeln in erster Linie von Astronomie, und dies natürlich nicht ohne Grund! Welches Bild vom Universum haben wir im Kopf, wenn wir geschichtliche Fragen angehen? Irgendeines, gar keines, spielt das überhaupt eine Rolle? Setzen wir gar stillschweigend ein Weltbild voraus (so etwas wie "kopernikanisch-keplerisch"), das gar nie bewiesen wurde? Haben wir ein naives Verständnis unseres Planetensystems, in dem kleine Kugeln um eine grosse kreisen?
[...]
Machen wir uns nichts vor: Mit unserer Verleugnung der "offiziellen Geschichte" sind wir für Aussenstehende so etwas wie Anhänger der "Hohlwelt-Theorie". Wir müssen diese intellektuelle Sackgasse offensiv angehen: Wenn wir nämlich kosmologische und psychologische Grundsatzfragen nicht einbeziehen und offen diskutieren, dann werden wir mit unserer Kritik an der Geschichte und der Chronologie grandios scheitern! Und das ist es, was sich ja schon seit längerem abzeichnet...

CD hat hier das entscheidende Thema angesprochen: Das Weltbild zur Zeit der Entstehung der Antike und des Mittelalters.

Dieses unterscheidet sich grundlegend vom heutigen Weltbild.

Aber die offizielle Geschichte hat die Geschichtskonstruktionen dieser Zeit übernommen,
ohne sie einer radikalen Kritik zu unterziehen, wie es in anderen Wissenschaften zu Beginn der Neuzeit geschah.

Die "kopernikanische Wende" steht noch aus, was man den Geschichtsinteressierten vermittteln muss.

Was den Unterschied zwischen Geschichte und Vergangenheit angeht, folge ich Gabowitsch.
Jemand der Kant kennt und versteht, wird hier auch leichter folgen können.



Dazu vertiefend das erste Kapitel meines Buches "Die wohlstrukturierte Geschichte" auf meiner Website:
Das Weltbild der Zeit, in der Antike und Mittelalter entstanden

Letzte Änderung: 5 Jahre 10 Monate her von Basileus.

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5 Jahre 9 Monate her #12300 von Basileus
Der entscheidende Punkt, den CD und andere möglicherweise übersehen, ist der:
Nicht die Geschichtsanalytiker und Chronologiekritiker sind mit den Hohlwelt-Anhängern vergleichbar,
sondern die Anhänger der fundamentalistischen, staatlich verordneten Geschichtsdoktrin.

Die Vertreter der offiziellen Geschichte haben die "kopernikanische Wende" noch nicht geschafft,
vertreten also ein mittelalterliches Weltbild, was die Geschichte betrifft.

Und dieses decken wir mit Geschichtsanalytik auf.

Deren Ansichten sind mit den Ansichten von Physikern, Astronomen und Biologen vor Kopernikus, Newton und Darwin vergleichbar.

Nicht wir sind diejenigen, die den Anschluss verpasst haben, sondern die Vertreter der offiziellen Geschichte.

Wir sollten uns da nicht von denen in die falsche Ecke stellen lassen!

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