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Uralte Gangsysteme in Österreich

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16 Jahre 2 Monate her #1810 von wimfox
Guten Abend,

Ich möchte hier ein Buch vorstellen, welches neueste Forschungsergebnisse (bis Mitte 2009) aus dem Bereich vorgeschichtlicher unterirdischer Gänge in der Steiermark (Österreich) behandelt.
Dr. Heinrich Kusch (Prähistoriker und Lehrbeauftragter an der Uni Graz) forscht seit 1970 gemeinsam mit seiner Frau Ingrid auf der ganzen Welt (140 Publikationen – z.B. Kulthöhlen in Europa) und im Besonderen (als gebürtiger Grazer) in der Steiermark.
Die Steiermark ist ein besonderer Boden. Man findet nicht nur vorgeschichtliche Vermessungsbeziehungen (erwähnt in Meier/Zschweigert – Die Hochkultur der Megalithzeit), sondern auch Großsteinzeugnisse in großer Zahl.

Das Buch titelt – „Tore zur Unterwelt“ „ISBN: 978-3-85365-237-4“ und ist als großformatiger Bildband herausgekommen.

Ich finde, dass die Berücksichtigung einer großen vorgeschichtlichen Kultur (teilweise mit Wissen und Fähigkeiten über den heutigen) auch für die Chronologiefindung sehr wichtig ist.

Nun schlagwortartig die interessantesten Ergebnisse:

Neben den hunderten Menhiren sind auch Lochsteine aufgestellt. Alle noch ursprünglich stehenden Lochsteine zeigen den Verlauf unterirdischer Gänge an.
Solche Gänge sind weitverzweigt, zwischen wenigen Metern (teilweise mit Steinplatten abgedeckt und verfüllt) und 10 bis 70 Metern tief (unter dem Stift Vorau viele Etagen). Alleine im Bereich der Riegersburg werden Gangnetze von weit über 100 Km (Kilometer) vermutet. 73 Gänge und Kammern an der Burgfelsenbasis wurden eingemessen. Die Gänge kommen bis in Höhen von 1200 Metern vor.
Die alten Gänge sind 50 – 80 cm breit und 1 – 1,6 m hoch. Die Bearbeitung ist viel glatter und exakter. Es fehlen Schlagmarken. Die Arbeitsspuren sind 3-4 parallele (15 – 40 cm lange) v – förmige Rillen.
Es gibt Leuchterscheinungen (direkt aus dem Wald- oder Felsboden) im Bereich bestimmter Menhire.
Vermutete Zeitstellung vor 3500 bis 7600 Jahren (also Megalithkultur) oder noch älter.
Das Viele was heute noch zu finden ist, ist nur mehr ein Rest. Hinweise auf Zerstörungsanweisungen (Konzil von Nantes 658 - Steinmonumente zerstören) und mittelalterliche Schriften (Zerstörung, Verfüllung, Flutung der alten Anlagen), sowie vor allem Bautätigkeiten, Flurbereinigungen.
200 Plätze mit Resten von alten Steinsetzungen sind bekannt (bearbeitete Steine bis 12m).
Es gibt keine Rußspuren in den alten Gängen – wie wurden sie beleuchtet (siehe oben ?)
Wo ist der Abraum ?
Welchen Grund hatten die Gangsysteme ? Weniger als Zuflucht vor Feinden. Eher zum Überleben bei Naturkatastrophen (Hitze-, Kältezeiten).

Der Autor ist sehr um Wissenschaftlichkeit bemüht und wird auch von der Uni-Graz und dem Land Steiermark unterstützt.

Schöne Grüße vom
Wimfox

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16 Jahre 2 Monate her #1811 von Ingwer
@wimfox,

Das ist auf jeden Fall interessant und absolut bemerkenswert!

Sicher ein Fall für Walter Haug und V. Dübbers. Es sei denn, sie kennen dies schon.

Werde mir die Dinge mal näher zu Gemüte führen!

Danke für die Info!

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16 Jahre 2 Monate her #1835 von wimfox
@berlinersalon

Zu ihrem Link und Kommentar. Im Buch ist ein Kapitel (Ostteirische Sagen – Mythos oder Wirklichkeit) welches sich mit den Sagen beschäftigt, welche mit Höhlen und Gängen zu tun haben. Diese Sagen wurden als Informationsquellen auf der Suche zur Findung weiterer Gangsysteme verwendet. Das Kapitel ist nur einige Seiten lang.

Deshalb ist ihr Link zu einer Esoterikseite kontraproduktiv. Dort wird etwas hineininterpretiert das nicht im Buch steht.

Da fast alle Zugänge heute verschlossen sind, waren die Forscher auf alle Hinweise angewiesen. Man fand die Gänge bei:
Bauarbeiten, wenn Traktoren im Feld einbrachen, Senkungen, direkten Gesprächen mit der Bevölkerung/Bauern, alten Schriften und Plänen, Satelitenfotos von Feldern und eben auch durch Ortshinweise in lokalen Sagen.

Auch sollten diese uralten Gangsysteme nicht mit den bekannten Erdställen vermischt werden. Diese sind meist nur 100m lang und aus jüngerer Zeit. So beschreibt der Autor auch Gänge die gemauert oder erweitert beginnen und nach 10 – 50 m durch meterdickes Steinmaterial verschlossen sind. Dahinter führt dann der alte Gang weiter.

Das sind alles Fakten und haben mit Esoterik nichts zu tun.

www.amazon.de/gp/reader/3853652379/ref=sib_dp_pt

Obiger Link zeigt das Buch auf dem ein alter Gang fotografiert ist. Man erkennt die ungewöhnliche Bearbeitung. Im Buch sind Vergleichsfotos mit späteren Bearbeitungen (Erweiterungen) gezeigt.

Grüße vom Wimfox

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16 Jahre 2 Monate her #1838 von berlinersalon

Deshalb ist ihr Link zu einer Esoterikseite kontraproduktiv.
Dort wird etwas hineininterpretiert das nicht im Buch steht.

klären sie mich bitte auf

"Schön, dass sich die Autoren heute mit so etwas befassen dürfen.."

das trifft natürlich den nagel auf den kopf
oder meint jemand, daß das erst diesem wiss. - ehepaar aufgefallen ?

sind in dem buch
auch hinweise auf frühere forschungen ?


gruß

felsbau

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16 Jahre 2 Monate her #1844 von wimfox
Hallo,

Kusch bindet im Text laufend die Namen und Ergebnisse von früheren Untersuchungen ein. Weiters wird im Text auf Literatur verwiesen und diese auch zitiert (z.B. Lampert Karner 1903 „Künstliche Höhlen aus alter Zeit“ oder die Zeitschrift „Der Erdstall“ seit 1974 in Roding (Bayern, bisher 35 Hefte). Auch im Anhang sind über 100 Literaturhinweise. Auch werden Grabungen des Landesmuseums (1935) beschrieben u.s.w.

So wie ich das Buch interpretiere ist Kusch der erste, der die Informationen in dieser Dimension für die ganze Steiermark zusammengetragen hat.

Vor einigen Jahren wurde nahe der Therme Loipersdorf als Fremdenverkehrsatraktion ein Megalithlehrpfad (Megalithischer Kraftwanderweg) eingerichtet.
lehrpfade.lebensministerium.at/lehrpfade/pfad/detail/1871
Es ist also eine Sensibilisierung für solche Themen im Gange.

Und zu Ihrem "Schön, dass sich die Autoren heute mit so etwas befassen dürfen..":
Die Autoren haben als Hobbyhöhlenforscher begonnen. Die Unterstützung kam mit den Ergebnissen und in begrenztem Umfang. Es ist eher bemerkenswert, dass diese Forschungen nicht behindert wurden.

Grüße vom Wimfox

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