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kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 18:24 #1

  • Berlichinger
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hier bitte nur die kritischen Bonbons aus der Literatur des 16.-20. Jahrhunderts bis maximal 3 Zeilen posten, um einen Gesamtüberblick der besten Aussagen in Sachen Geschichtskritik zu schaffen, mit Bitte an den Moderator zu große Postings zu löschen:

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Letzte Änderung: von Berlichinger.

Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 18:29 #2

  • Berlichinger
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Ich beginne mal mit René Guénon:

"Es ist gleichfalls sehr unwahrscheinlich, dass das Märchen, das aus dem Mittelalter eine Zeit der 'Finsternis', der Unwissenheit und roher Gesittung macht, von selbst entstand und sich Glauben verschafft hat und dass die von den Neueren betriebene tatsächliche Geschichtsfälschung ohne einen vorgefassten Plan unternommen wurde." (S. 33, Krisis der Neuzeit, Köln 1950)

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 18:40 #3

  • Berlichinger
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Gustav Friedrichs:

"Zählt man zu den 365 Tagen eines Sonnenjahres die 60 Tage des Numa, so hat man für 14 Monate 425 Tage. Die ersten 14 Könige regieren 425 Jahre. Das zeigt so deutlich wie möglich, dass die römischen Könige des Dionysios ihre Entstehung den Monaten des Jahres verdanken." (S. 233, Die Geschichtszahlen der Alten sind Kalenderzahlen, Leipzig 1910)

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 18:45 #4

  • Berlichinger
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Und weils so schön ist noch mehr von ihm:

"Alles das zeigt, dass nicht einmal die Zahlen der griechischen Geschichte sich als echte Geschichtszahlen ausweisen, sondern auch als Kunstzahlen angesehen werden müssen." (S. 228)

und S. 229:

"Die jetzt allgemein angenommene römische Zeitrechnung ist von Varro, einem Zeitgenossen Cäsars, aufgestellt. ... Daraus erhellt, dass es mit der Geschichtlichkeit der Varroschen Zeitrechnung nicht zum besten bestellt sein kann. Eine genauere Prüfung bestätigt dies denn auch vollkommen." (Gustav Friedrichs, Die Geschichtszahlen der Alten sind Kalenderzahlen, Leipzig 1910)

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 18:56 #5

  • Berlichinger
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zur Abwechslung Gotthold E. Lessing, der das Heldenbuch 500 Jahre jünger datiert:

"Der Anhang des Heldenbuchs sagt gar: 'Demselben Kayser Ottnitt dienet Reussen und das Land zu Bern, darnach über 200 Jahr warde das Landt Bern Herrn Dietrich von Bern.' Dietrich von Bern kann also der Theodoricus Veronensis nicht sein, der Odoakern überwand, oder Odnit kann Odoaker nicht sein. Meine Erklärung: Der Dichter hat unter dem Otnit die beiden Gegenkaiser Otto's des Vierten, nämlich Philipp und Friedrich II., verstanden und verschiedene von ihren vornehmsten Thaten in diesen seinen Roman von Otnit in ein Ganzes verbunden." (S. 675, Aus Lessing's Nachlass, Berlin o.J.)

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 19:11 #6

  • Legoland
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Aus der Vorrede von Gottlieb Walther: Critische Prüfung der Geschichte von Ausrottung des Zäringischen Stamms durch Vergiftung zweier Söhnen Berchtolds V.; Bern 1765

Von unseren ältesten Zeiten haben wir keine gewissen Nachrichten.
(S. iii)

Oft hat ein Geschichtsschreiber die Urkunde entweder aus Uebereilung nicht genug eingesehen, oder aus Unwissenheit nicht verstanden, und traget uns daher seinen Irrtum als eine Wahrheit vor: Oft hat er untergeschobene und unächte Schriften angefürt; oft sind die angefürte Stellen mit Fleiß verdorben; und die Arbeit eines blossen Nachschreibers ist allezeit; wann nicht unnüz, dennoch von sehr geringem Nuzen.
(S. v)

Quelle: books.google.de/books?id=qo8AAAAAcAAJ&pg...#v=onepage&q&f=false

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 19:46 #7

  • Berlichinger
  • Berlichingers Avatar Autor
passend zur Stauferzeit Luther in seinem Namenbüchlein:

"Friderich, zu Latein Pacificus, Hebreisch Salomo, Griechisch Irenaeus. Julius Caesar nennet und schreibet diesen schönen Namen Viridorix, Epidorix, und haben Jhn die Jtalianer von den Longobarden behalten, wie denn noch heute die Itali einen Reichen, ric, nennen." (S. 8, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 19:58 #8

  • Berlichinger
  • Berlichingers Avatar Autor
gleich noch oben genannter Philipp auf S. 5:

"Solch verkehrter Nahme ist auch Segestus, welcher des Hermanni Schwieger-Vater gewesen, und auff Deutsch Hengst geheissen hat: Da denn der Buchstabe H. in ein S. verwandelt worden. Das Wort Hengst aber heist so viel als ein Kriegs-Zelter, oder Kriegs-Pferdt: daß also Hengst fast so viel sein soll, als ein Reuter, Ritter, oder Kriegsmann, im Griechischen heißt er Philippus."

und hierauf folgt das beste:

"Und währet noch der Nahme eines Hertzogs zu Engern bey uns Deutschen, Hertzog Hengst zu Engern, Dux Angrinorum Segestus. Und titulieret sich heute noch der Bischoff zu Cöln, einen Hertzog zu Engern. Latini malè scribunt Angrivariorum pro Angrinorum. Und wird Engeland gleichsam Angria Engerland genennet, von jenen Angris oder Engern, welche ihren Sitz daselbst genommen; Daher auch die Engeländer mehrentheils Sächsisch und die alte Nieder-Deutsche Sprache reden." [Anm.: Wer das bezweifelt braucht nur einmal die unregelmäßigen englischen Verben mit den entsprechenden deutschen vergleichen. Berl.] (S. 5, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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Letzte Änderung: von Berlichinger.

Aw: kurze kritische Zitate 14 Nov 2011 20:03 #9

  • Berlichinger
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weil es sich so schön liest, gleich noch

"Hinrich; Julius Caesar spricht diesen Nahmen auß Vercingetorix, aber durch der Scribenten Fehler sind die Buchstaben sehr verwirret, versetzet, und verderbt worden. Denn Caesar hat das Sächsische, Hertoge Hinric, schreiben wollen; Aber die Scribenten haben nachmahls das H. in ein V. verändert, und das toge versetzt, nach dem Hin, und endlich geto drauß gemacht. Heute zu Tage ist diß wort gnug bekant und berühmt, und überzeuget die alten Bücher ihrer Fehler, denn auff Sächsisch sagt man, Hertoge Hinric, auff Hoch-Deutsch Hertzog Heinrich." (S. 8, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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Aw: kurze kritische Zitate 15 Nov 2011 12:34 #10

  • Berlichinger
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passend zur Zeit Luthers eine Marienpredigt vom 8. Sept. 1522 von Johann Wildenauer von Eger in Joachimsthal gehalten, der Stadt welcher der Silber-Thaler, später Dollar seinen Namen verdankt:

"Das andere stuck dißes Sermons ist von dem heutigen fest der geburtt Mariae. Davon pfflegett man vill lugen zcußagen wie in vill andern legenden mehr und fast in allen, das den ein jemmerlicher handel ist in der Christlichen kirchen, das man das volck mit lugen will zcur andachtt und innigkeitt reitzen, do nichts anders den lauter warheit gehen sall. Ich finde nichts von der geburtt Mariae mehr, den das ihrs großvatters vatter geheißen hatt Panther, ihr großvatter Barpanther, und ihr recht naturlich vatter Joacim, Das finde ich in bewehrtter schrifft, sunst nichts." (S. 160, Ungedruckte Predigten des Johann Sylvius Egranus, Leipzig 1911)

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Aw: kurze kritische Zitate 18 Nov 2011 23:24 #11

  • Berlichinger
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Friedrich von Bezold in der "Enstehungstheorie der historischen Methodik" 1914:

"Wann die[se] aristotelische Definition zuerst für die Geschichtstheorie verwertet worden ist, vermag ich nicht mit Sicherheit anzugeben. Sie begegnet uns bereits bei Lorenzo Valla, der sie aber für unzutreffend hält. Dagegen bediente sich ihrer Annius von Viterbo, als er sich veranlasst sah, seiner verwegenen Erdichtung antiker Quellen (1498) durch ein besonders kritisches Gebahren den Anstrich strenger Wisenschaftlichkeit zu verleihen. Es mutet an wie eine Ironie der Geschichte, wenn dieser ehrwürdige Fälscher nicht allein den offiziellen Aufzeichnungen der alten Priester ausschließliche Glaubwürdigkeit zuspricht, sondern auch die Erzählung der Einzeltatsachen für die eigentliche Natur, die substantia individua historiae, erklärt." (S. 365, F. v. Bezold, Aus Mittelalter und Renaissance, Kulturgeschichtliche Studien, München, 1918)

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Aw: kurze kritische Zitate 21 Nov 2011 00:04 #12

  • Berlichinger
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Vasari verrät in seiner Giotto-Biografie 1568 den wahren zeitlichen Abstand bis zur Antike:

S. 42, Giotto "ahmte auch die Natur so treu nach, dass er die plumpe griechische Methode ganz verbannte und die neue und gute Kunst der Malerei wiedererweckte, indem er die Bahn brach, lebende Personen gut nach der Natur zu zeichnen, was mehr als zweihundert Jahre nicht geübt worden war, ...", weil "die gute Malerei und alles was dazu gehört, durch die Verheerungen der Kriege lange Jahre vergraben worden waren, ..." (S. 41, Giorgio Vasari, Künstler der Renaissance, Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten italienischen Baumeister, Maler und Bildhauer, Leipzig, 1940)

daher Wieder-geburt = Re-Naissance

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Aw: kurze kritische Zitate 21 Nov 2011 00:17 #13

  • Berlichinger
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schon Graf Hubert von Waldburg-Wolfegg hat diese Wiedergeburt des staufischen Mittelalters im Detail festgestellt:

"Und doch kann es keine Frage sein, dass der Stil dieser Zeit dreihundert Jahre später wieder bei uns auftaucht. Wie ein Ei dem anderen gleichen sich die quadratischen Grundrisse mit Ecktürmen, oder das Buckelquaderschloss der Fugger von 1575 in Niederalfingen!" (S. 53, Vom Nordreich der Hohenstaufen, München 1961)

Auf der selben S. 53 fällt der Schluss auf eine staufische Antike um so leichter, denn: "Friedrich baut bewusst in den Ideen des Altertums. Er verwendet Rustika und Dreiecksgiebel; die Plastiken seiner Zeit sind von denen der Antike manchmal nur mit Mühe zu unterscheiden. Seine Bauten unterteilt er mit Vorliebe durch waagerechte Linien. Das alles sind Ideen, die der Gotik fremd sind."

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Aw: kurze kritische Zitate 21 Nov 2011 00:43 #14

  • Berlichinger
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ein dementsprechendes staufisches Heidentum in zitiertem "Nordreich":

"Schließlich noch ein Wort über die Kirchen. Der Staufer hatte für sie wenig Sinn. Er hat also keine Klöster gegründet." (S. 43)

"Ich möchte damit sagen, dass wahrscheinlich die Söhne Friedrichs II. die üble Gewohnheit ihres Vaters übernommen haben, in ihren Burgen keine Kapelle zu bauen." (S. 26)

und "An Wandbehängen findet sich nur einer, ... Ganz eigentümlich ist das Thema des Teppichs: "Hochzeit des Merkur mit der Philologie", ebenso die Gewandung der Figuren mit griechischer Aufmachung. Zwar erscheint auch ein Bischof, doch nicht gewichtiger als Mercurius, Justitia und die anderen Personen. Das Thema ist einem heidnischen Gedicht des 5. Jahrhunderts entnommen. Wir wundern uns, wie großzügig diese Zeit war, in der eine Äbtissin dem Papst Innozenz III. ein Geschenk dieser Art übergeben wollte."

doch: "Offensichtlich sind die ganzen Akten der kaiserlichen Kanzlei verlorengegangen; wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie, wie in Süditalien, systematisch vernichtet wurden."

(S. 39, Graf Waldburg-Wolfegg, Vom Nordreich der Hohenstaufen, München 1961)

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Letzte Änderung: von Berlichinger.

Aw: kurze kritische Zitate 22 Nov 2011 01:29 #15

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Letzte Änderung: von Weidenbach. Grund: inhalt veraltet

Re:Aw: kurze kritische Zitate 22 Nov 2011 10:51 #16

Weidenbach wrote:

der berlichinger ist nicht weit entfernt von den Löwensteinern und deren Verwandtschaft namens Thurn & Taxis (aus französisch tournasser verbalhornt). Ist er dann ein Jesuit?


Wäre das wichtig?
Oder geht es hier etwa nicht um das Aufzeigen der Schwachstellen der gelehrten Chronologie anhand von Zitaten?

Walter Haug und ich haben schon vor Jahren festgestellt, dass die Stauferburgen identisch sind mit den kleinasiatischen Burgen der Diadochen und kamen zum gleichen Schluß wie Müller um 1800, den wir erst seit kurzem kennen, der schrieb, dass die Kreuzzugszeit zugleich der Kampf um Troja war.

Ich habe damals geschrieben, dass alles über das Jahr 0 gespiegelt wurde:
-752 Rom zu +752 Pippin, Karolinger und das Neue Rom
-1192 Troja und +1192 Kreuzüge (hier: Ende 3. Kreuzzug)

Doch das hier nur am Rande, denn dieser Thread ist ja den Zitaten vorbehalten.

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Letzte Änderung: von Tuisto.

kurze kritische Zitate 22 Nov 2011 19:02 #17

  • Berlichinger
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zur Datierung aller staufischen Quader-Bauten:

"Wir haben uns angewöhnt, die meisten Burgen in die Zeit vor König Philipp zu datieren; es wird gut sein, wenn wir diese Meinung gründlich revidieren und zur Kenntnis nehmen, dass außer den ausgesprochenen Kaiserburgen nur wenige die Zeit vor 1206 erlebt haben." (S. 48)

"In die unglückliche Regierungszeit König Heinrichs fällt weitaus die größte Zahl unserer Burgen." (S. 50)

"Auch alle mehreckicken Türme gehören in Heinrichs Regierungszeit. Die hufeisenförmigen Türme werden auch im Orient meist spät gebaut. Sie scheinen bei uns wenig in Mode gewesen zu sein. Ihre so zahlreiche Verwendung in England und Irland ist auch dort spät, also noch nach 1250 anzutreffen. Die Zange zur Beförderung der Steine wird schon zu Anfang des Jahrhunderts üblich." (S. 51)

"Natürlich lassen sich, wie bei jedem Baustil, die Bautypen unmöglich abgrenzen. - Aber im allgemeinen sind fast alle Bauten später, als wir annehmen, und andererseits wurden viele Neuerfindungen früher eingeführt, als wir sie datieren." (S. 52, Graf Waldburg-Wolfegg, Vom Nordreich der Hohenstaufen, München 1961)

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Aw: kurze kritische Zitate 22 Nov 2011 19:21 #18

  • Berlichinger
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Reinhard von Gemmingen in seiner Genealogie von 1630, der Titel des 7. Kapitels spricht schon für sich:

"Caput VII. Daß man mit dergleichen Genealogicis Deductionibus in continua ascendenti Liniea, fast bey keinem Geschlecht über 400. Jahr kommen könne, und warumb?"

"Es ist nit zu verwundern, daß ich nicht ausdrücklichere und klährere Bericht von solchen uralten Geschichten, Herkommen, und Veränderung dieser Geschlechter, kan beybringen, dann offenbahr, daß alle Brieffliche Documenta, bey dem Adel um das Jahr 1250. ein End oder vielmehr noch kein Anfang haben." (S. 552)

"Man wird wenig geschriebene Brieff vor dem 1250. Jahr finden, ausgenommen in Clöstern und bey Stifftern, da kommet man fast zum höchsten zurück auf das Jahr 1100. die ältere, so spargirt werden, und zwar von Carolo Magno, Dagoberto oder andern, seynd mehrentheils fingirt, die Grabstein und Epitaphia haben auch allererst angefangen ums Jahr 1380. exceptis Regibus & Episcopis & paucis principibus." (S. 552, Bibliotheca Equestris, herausg. v. J. St. Burgermeister, Ulm 1720)

Diese nüchterne genealogische Bestandsaufnahme des 17. Jh. deckt sich zu 100% mit der architektonischen des 20. Jh. im zitierten "Nordreich der Hohenstaufen"! Und Karl d. Gr. fingiert! Das wusste man schon 1630, da hat Illig einen alten Eisenhut ausgegraben ...

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kurze kritische Zitate 22 Nov 2011 19:53 #19

  • Berlichinger
  • Berlichingers Avatar Autor
ein Beispiel meist viel jüngerer Grabmäler in Gernrode am Harz:

"Das merkwürdigste Gebäude ist die alte Stiftskirche St. Cyriaci, eine der ältesten Kirchen in Anhalt, doch nicht eben groß, etwas schmal und mit einer flachen Decke versehen. In derselben sind die Denkmäler mehrerer hier beigesetzten Äbtissinnen, aber das in der Mitte befindliche Denkmal des Markgrafen Gero hat erst Fürst August als Senior (+ 1653) in alterthümlichem Geschmack errichten lassen." (S. 500, Heinrich Lindner, Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt, Dessau 1833)

dieses von besagtem Fürsten durch eine "mittelalterliche" latein. Umschrift mehr oder weniger gefälschte Monument wird heutzutage trotzdem als 100 Jahre älter ausgegeben:

de.wikipedia.org/wiki/Stiftskirche_St._C..._des_Markgrafen_Gero

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Aw: kurze kritische Zitate 26 Nov 2011 20:22 #20

  • Berlichinger
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doch zurück zu Reinhard von Gemmingen 1630:

"Der älteste Adeliche Grabstein oder Epithaphium. so ich gesehen hab, ist Gerhardt Kemmerers von Worms (welche man nun von Dalberg nennet) der ligt zu worms zu St. Martin, lautet wie folgt. Anno M. CCXCVII. VI. Mens. Janu. obiit Gerhard Camerarius, miles." (S. 552)

und S. 553:

"Jch weiß kein Geschlecht, so in richtiger Succession sein Genealogi weiter zuruck bringen, als die Colben von Wartenburg, nehmlich biß aufs Jahr 1190. ni fallor, sonst seynd über diejenige. so ich droben im 5. Capitul dieses Buchs gesetzet, daß die ältestemir bekandte Adeliche Geschlechter, so ich in authentischen Documenten, und glaubwürdigen Brieffen, mit dem Geschlechts-Nahmen benennt gefunden, Jch habe die Wort Authentischen &c. nicht umsonst dazugesetzet, dannoch dißmahl von den gedruckten Turnier-Büchern, als welche vielen Gelehrten Männern, und fürnehmsten antiquariis gantz verdächtig und ohnglaubt seynd, nicht rede." (S. 553, Bibliotheca Equestris, herausg. v. J. St. Burgermeister, Ulm 1720)

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Re:Aw: kurze kritische Zitate 27 Nov 2011 13:39 #21

Übrigens existieren die Gemminger noch immer und noch immer gehört ihnen die Burg des alten Götz von Berlichingen. Ich kenne alle Burgen und Schlösser gut, wohne ich doch ganz in der Nähe.

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kurze kritische Zitate 27 Nov 2011 14:08 #22

  • Berlichinger
  • Berlichingers Avatar Autor
Nun gut, um den alten Rittern aber nicht zu viel Raum zu geben, hier das wohl wichtigste Zitat vom berühmtesten Zeitgenossen Götz von Berlichingens, Dr. Martinus Luther:

"Hie sind nu die zwey thier, Eins, ist das Keiserthum, Das ander mit den zweien hörnern, das Bapstum, welchs nu auch ein weltlich Reich worden ist, doch mit dem schein des namens Christi, Denn der Bapst hat das gefallen Römisch Reich, widder auffgericht, vnd von den Griechen zu den Deudschen bracht, Vnd ist doch mehr ein Bilde vom Römischen Reich, denn des Reichs cörper selbs, wie es gewesen ist, Dennoch gibt er solchem bilde geist vnd leben, das es dennoch seine stende, rechte, glieder vnd Emptte hat, vnd gehet etlicher masse im schwang, Das ist das bilde, das wund gewesen, vnd widder heil worden ist."

(Luther, Vorrede zur Offenbarung Johannis, Das Newe Testament, Wittenberg 1534)

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