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Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
16 Jahre 4 Monate her - 16 Jahre 4 Monate her #1307
von prusak
Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern wurde erstellt von prusak
ISBN 978-3-906681-30-0, 259 Seiten, Grenchen bei Solothurn.
25,.. €.
www.amalia.ch
Man konnte gespannt sein, was dabei herauskommt,
wenn ein so ganz anderer Typ als Dr. Pfister diesen Gegenstand angeht.
Tatsächlich begegnen dem Leser neben mystischen Ahninnen und
Bergbusen dieselben Motive:
Die Eigentümlichkeit der Aareschlaufen um Bern,
die Ruinen auf der Engehalbinsel,
das Zinktäfelchen mit der Aufschrift:
Dobnoredo Gobano brenodor nantaror.
Derungs kennt Pfister wohl, zumindest hat er einen
frühen Artikel von 1996 gelesen und zitiert.
Auf die späteren Werke verweist nur dieser eine Satz:
„Es gibt sogar Meinungen, dass der Fluss (die Aare – HB)
‚künstlich‘ zum bestehenden Erscheinungsbild korrigiert worden sei.“
Chronologiekritisch ist Derungs wenig originell:
auf Seite 164 endet die Besiedlung der Engehalbinsel
zum Ende des 3. Jh, auf S. 258 erst um 400.
Dann klafft eine 1000jährige Lücke
zum Bau der Ägidius-Kapelle genau über dem antiken Ost-Tempel,
„die sich möglicherweise durch eine subkulturelle Tradition schließen lässt.“
Bei solchen „subkulturellen“ Traditionen sträubt sich
natürlich das Nackenhaar des chronologiekritisch
eingestellten Lesers. Man muss wohl "Kulturanthropologe"
sein, um so was zu ertragen.
Zu dem Zinktafeltext liefert Derungs eine andere
Übersetzung als Pfister –
„Dem die Unterwelt befahrenden (Schmiedegott) Gobanos,
(von den Leuten) der Siedlung Brenodor im Aaaretal.“
Das schwierigste Wort ist natürlich „dobnoredo“,
Mir gefällt diese „Unterweltsfahrt“ nicht.
Pfister übersetzte dobnoredo mit "Schmiedegott"
bzw. "Wagnergott".
Vielleicht hat jemand noch eine weitere Idee?
Derungs erscheint es (wie Pfister) nicht bemerkenswert,
dass dobnoredo und brenodor beinahe
Anagramme sind, was dem Text auf der Tafel
einen gewissen poetischen Hauch verleiht.
Nebenbei bemerkt lebt jener Schmiedegott Gobanos
heute noch in der slawischen Bezeichnung des Schmieds
weiter: dort heißt er kowal oder kovar oder kovacs.
Schmunzeln musste ich, als ich las, dass irgendwelche Holzhäuser
einen „Grundriss von etwa 7x4 Meter“ gehabt hätten. (S. 234)
So was darf kein studierter Schreiber durchlassen:
Selbst in der Schweiz haben Holzhäuser
„Grundflächen von etwa 7x4 Quadratmetern“.
Aber der Vergleich endet doch nicht 3:0 für Pfister.
Derungs hat zwei gute Ideen, deren eine eine Pfistersche
ergänzt, während die andere eine echte Alternative sein mag:
Wo Pfister – zu Recht – einen Penis erkannte (in der Stadt
Bern nämlich) – sieht Derungs den „Kessel“ der Göttin,
die jenes Teil umgibt. Männliches und weibliches
mag sich so ideal ergänzen/vereinen.
Wo Pfister eine Schwurhand sah, erkennt Derungs eine
kopflose Frauengestalt, zu der er auch ein Modell liefert.
Macht also 4:1.
25,.. €.
www.amalia.ch
Man konnte gespannt sein, was dabei herauskommt,
wenn ein so ganz anderer Typ als Dr. Pfister diesen Gegenstand angeht.
Tatsächlich begegnen dem Leser neben mystischen Ahninnen und
Bergbusen dieselben Motive:
Die Eigentümlichkeit der Aareschlaufen um Bern,
die Ruinen auf der Engehalbinsel,
das Zinktäfelchen mit der Aufschrift:
Dobnoredo Gobano brenodor nantaror.
Derungs kennt Pfister wohl, zumindest hat er einen
frühen Artikel von 1996 gelesen und zitiert.
Auf die späteren Werke verweist nur dieser eine Satz:
„Es gibt sogar Meinungen, dass der Fluss (die Aare – HB)
‚künstlich‘ zum bestehenden Erscheinungsbild korrigiert worden sei.“
Chronologiekritisch ist Derungs wenig originell:
auf Seite 164 endet die Besiedlung der Engehalbinsel
zum Ende des 3. Jh, auf S. 258 erst um 400.
Dann klafft eine 1000jährige Lücke
zum Bau der Ägidius-Kapelle genau über dem antiken Ost-Tempel,
„die sich möglicherweise durch eine subkulturelle Tradition schließen lässt.“
Bei solchen „subkulturellen“ Traditionen sträubt sich
natürlich das Nackenhaar des chronologiekritisch
eingestellten Lesers. Man muss wohl "Kulturanthropologe"
sein, um so was zu ertragen.
Zu dem Zinktafeltext liefert Derungs eine andere
Übersetzung als Pfister –
„Dem die Unterwelt befahrenden (Schmiedegott) Gobanos,
(von den Leuten) der Siedlung Brenodor im Aaaretal.“
Das schwierigste Wort ist natürlich „dobnoredo“,
Mir gefällt diese „Unterweltsfahrt“ nicht.
Pfister übersetzte dobnoredo mit "Schmiedegott"
bzw. "Wagnergott".
Vielleicht hat jemand noch eine weitere Idee?
Derungs erscheint es (wie Pfister) nicht bemerkenswert,
dass dobnoredo und brenodor beinahe
Anagramme sind, was dem Text auf der Tafel
einen gewissen poetischen Hauch verleiht.
Nebenbei bemerkt lebt jener Schmiedegott Gobanos
heute noch in der slawischen Bezeichnung des Schmieds
weiter: dort heißt er kowal oder kovar oder kovacs.
Schmunzeln musste ich, als ich las, dass irgendwelche Holzhäuser
einen „Grundriss von etwa 7x4 Meter“ gehabt hätten. (S. 234)
So was darf kein studierter Schreiber durchlassen:
Selbst in der Schweiz haben Holzhäuser
„Grundflächen von etwa 7x4 Quadratmetern“.
Aber der Vergleich endet doch nicht 3:0 für Pfister.
Derungs hat zwei gute Ideen, deren eine eine Pfistersche
ergänzt, während die andere eine echte Alternative sein mag:
Wo Pfister – zu Recht – einen Penis erkannte (in der Stadt
Bern nämlich) – sieht Derungs den „Kessel“ der Göttin,
die jenes Teil umgibt. Männliches und weibliches
mag sich so ideal ergänzen/vereinen.
Wo Pfister eine Schwurhand sah, erkennt Derungs eine
kopflose Frauengestalt, zu der er auch ein Modell liefert.
Macht also 4:1.
Letzte Änderung: 16 Jahre 4 Monate her von prusak.
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16 Jahre 4 Monate her #1308
von Ingwer
Ingwer antwortete auf Aw: Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
@prusak,
4:1 ist für beide wackeren Eidgenossen ehrenwert!
Doch: In diesem Wettstreit ist der Bär der Sieger!
4:1 ist für beide wackeren Eidgenossen ehrenwert!
Doch: In diesem Wettstreit ist der Bär der Sieger!
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16 Jahre 4 Monate her - 16 Jahre 4 Monate her #1309
von Tuisto
Tuisto antwortete auf Aw: Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
Abgesehen davon, dass das Berner Zinktäfelchen eine antikisierende Fälschung sein dürfte, würde ich Dobnoredo mit "Erneuerer der Zeitalter" oder "Welterneuerer" übersetzen.
Statt "Erneuerung" wäre auch "Fertigstellung" denkbar.
Wegen seiner Fähigkeit zum kreativen Umgang mit Metallen war der Schmiedegott in allen alten Kulturen der Schöpfer der Menschen, Götter und Zeitalter, obwohl er wiederum zeitgleich im Auftrag der Götter handelte.
Dobno bezieht sich in den keltischen und slawischen sprachen auf Welt, Zeit oder Alter und Redo auf Rad, Waage, neumachen (re-do) oder fertigstellen. Das hängt begrifflich zusammen.
"Dobnoredo Gobano" sollte damnach bedeuten:
(Gewidmet dem Schmiedegott)Gobano, dem Schöpfer und Erneuerer der Zeitalter und der Welt.
Statt "Erneuerung" wäre auch "Fertigstellung" denkbar.
Wegen seiner Fähigkeit zum kreativen Umgang mit Metallen war der Schmiedegott in allen alten Kulturen der Schöpfer der Menschen, Götter und Zeitalter, obwohl er wiederum zeitgleich im Auftrag der Götter handelte.
Dobno bezieht sich in den keltischen und slawischen sprachen auf Welt, Zeit oder Alter und Redo auf Rad, Waage, neumachen (re-do) oder fertigstellen. Das hängt begrifflich zusammen.
"Dobnoredo Gobano" sollte damnach bedeuten:
(Gewidmet dem Schmiedegott)Gobano, dem Schöpfer und Erneuerer der Zeitalter und der Welt.
Letzte Änderung: 16 Jahre 4 Monate her von Tuisto.
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16 Jahre 4 Monate her #1310
von ron
Eine Übersetzung kann ich allerdings nicht anbieten.
ron antwortete auf Aw: Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
Im Skandinavischen und Slavischen finden sich - wenn schon nicht die Wörter selbst - so doch Teile davon noch heute.Dobnoredo Gobanos brenodor nantarur
Eine Übersetzung kann ich allerdings nicht anbieten.
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16 Jahre 4 Monate her #1312
von Allrych
Allrych antwortete auf Aw: Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
Einen besonderen Dank an Herwig Brätz für die Besprechung des neuen Buches von Kurt Derungs über das mythologische Bern.
Den Autor kannte ich vor ca. 12 Jahren persönlich. Unterdessen meidet er mich - aus begreiflichen Gründen: Derungs reitet auf der populären Welle der mythologischen Landschaftserklärung mit Kraftorten, drei Bethen, Stein- und Wasserkulten, usw.
Dabei geht Derungs aus Feigheit allen geschichtlichen und chronologischen Kontroversen aus dem Weg. Seine Landschaftsmythologie siedelt er ausserhalb eines realen Raumes und einer plausiblen Zeit an.
Derungs Bücher in seinem Amalia-Verlag kann man getrost links liegen lassen. Da steht nichts dahinter.
PS: Ich halte das Zinktäfelchen von der Engehalbinsel für echt. Aber die Zeitstellung ist natürlich unsicher. Und die Widmungsinschrift stellt auch Fragen.
www.dillum.ch/html/inhalt.html
Den Autor kannte ich vor ca. 12 Jahren persönlich. Unterdessen meidet er mich - aus begreiflichen Gründen: Derungs reitet auf der populären Welle der mythologischen Landschaftserklärung mit Kraftorten, drei Bethen, Stein- und Wasserkulten, usw.
Dabei geht Derungs aus Feigheit allen geschichtlichen und chronologischen Kontroversen aus dem Weg. Seine Landschaftsmythologie siedelt er ausserhalb eines realen Raumes und einer plausiblen Zeit an.
Derungs Bücher in seinem Amalia-Verlag kann man getrost links liegen lassen. Da steht nichts dahinter.
PS: Ich halte das Zinktäfelchen von der Engehalbinsel für echt. Aber die Zeitstellung ist natürlich unsicher. Und die Widmungsinschrift stellt auch Fragen.
www.dillum.ch/html/inhalt.html
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16 Jahre 4 Monate her #1313
von Tuisto
Tuisto antwortete auf Aw: Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern
"Ich halte das Zinktäfelchen von der Engehalbinsel für echt. Aber die Zeitstellung ist natürlich unsicher."
Ja nun, wenn man das 17. Jh. als "antik-keltisch" bezeichnet, ist es vielleicht echt.
Ja nun, wenn man das 17. Jh. als "antik-keltisch" bezeichnet, ist es vielleicht echt.
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