Die Konstruktion der Zeitrechnungen

Einführung

 

In diesem Artikel werden meine Untersuchungen aus dem Buch „Das wohlstrukturierte Mittelalter“ (2012), S. 133-135 vertieft (siehe auch meinen Artikel „Das Jahr (1)529 und seine Bedeutung in der Zeitrechnung“: https://de.geschichte-chronologie.de/index.php/theorie-der-geschichte/methoden-der-vergangenheitsmodellierung/114-das-jahr-1529-und-seine-bedeutung-in-der-zeitrechnung )

 

Das Ergebnis ist die Entdeckung eines klaren Planes für die Konstruktion der einzelnen Zeitrechnungen der offiziellen Geschichte. Es ist somit ausgeschlossen, dass die in angeblich antiken und mittelalterlichen Texten verwendeten, hier genannten Zeitrechnungen tatsächlich ihren Anfang in dem Jahr haben, das die offizielle Geschichte ihnen zuschreibt. Entweder beginnen diese Zeitrechnungen in Wirklichkeit in einem ganz anderen Jahr oder diese Texte sind Fälschungen (siehe hierzu auch meinen Artikel „Astronomie und Chronologiekritik“, auch als Taschenbuch und eBook erschienen: https://de.geschichte-chronologie.de/index.php/wissenschaft-und-technik/astronomie-und-astrologie/132-astronomie-und-chronologiekritik )

 

 

 

Eine auffällige Übereinstimmung

 

Das Jahr 1529 in der Christlichen Zeitrechnung (Julianischer Kalender mit Beginn im Jahre 1 und Jahreswechsel am 1. Januar) entspricht in der Jüdischen Zeitrechnung, die im Jahre 3761 v. Chr. beginnt, dem Jahr 5289/5290 (Jahreswechsel 3./4. September).

 

1529 = 529 + 1000 und

5290 = 529 x 10

Ist das Zufall oder steckt ein System dahinter?

 

Abb. 1: Jüdischer Gemeindekalender von 1831

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:JudischerKalender-1831_ubt.jpeg

Autor: Tomasz Sienicki , Lizenz: CC BY 2.5

 

Subtrahiert man von 1529 die Zahl 5290, so erhält man -3761. Die Jüdische Zeitrechnung (Erschaffung der Welt) beginnt am 6.10.3761 v. Chr., also mit anderem Jahresanfang als in der Christlichen Zeitrechnung am 1.1., wodurch sich u.U. eine Abweichung von einem Jahr ergibt.

1529 – 5290 = -3761

1000 + 529 – 10 x 529 = -3761

d.h.

1000 – 9 x 529 = -3761

oder anders geschrieben

9 x 529 – 1000 = 3761

 

Der Betrag des Anfangs der Jüdischen Zeitrechnung ergibt sich also ganz einfach aus einem Vielfachen der Zahl 529 abzüglich 1000. Kann man auch die anderen geläufigen Zeitrechnungen der Antike und des Mittelalters auf die Zahl 529 zurückführen?

 

 

Abb. 2: Kaiserlicher Hof- und Ehrenkalender, herausgegeben in Wien von Johann Georg Frey ( 1724 ) - Jahrzählung nach Herrschaftsjahren und Ereignissen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kalender_1724_3_Jahrz%C3%A4hlung.jpg

Autor: Wolfgang Sauber, Lizenz: CC BY-SA 4.0

 

 

 

Es passt alles wundersam zusammen

 

In der Chronologie ist eine Ära eine von einem bestimmen Zeitpunkt ausgehende Jahreszählung. Als Epoche bezeichnet man den Beginn. Die Epoche unserer Zeitrechnung (Ära) ist die Geburt Jesu Christi, wobei hier nicht diskutiert werden soll, inwieweit er eine reale Person war. Alle für Europa relevanten Ären mit ihren Epochen liste ich kurz auf.

 

5508 v. Chr. - Byzantinische Ära (Erschaffung der Welt am 1. 9.),
3761 v. Chr. - Jüdische Ära (Erschaffung der Welt am 6. 10.),
753 v. Chr. - Gründung der Stadt (Rom),
776 v. Chr. - Olympische Ära (griech. Zählung seit der 1. Olympiade),
311 v. Chr. - Seleukidische Ära (Machtergreifung von König Seleukos),
285 - Diokletian-Ära (Machtergreifung von Kaiser Diokletian), und
622 – Hedschra (Islamische Zeitrechnung).

 

Wir haben also sieben vorneuzeitliche Ären. Die Anfangsjahre aller außer der Byzantinischen addieren wir links, die Byzantinische kommt nach rechts, und wir erhalten:


776 + 753 + 622 + 311 + 285 + 3761 - 1000 = 5508
 

Also das Anfangsjahr der Byzantinischen Ära (Erschaffung der Welt) zuzüglich 1000 Jahren entspricht exakt der Summe der anderen sechs Ären.

 

Es gibt noch eine weitere Ära, die Claudius Ptolemaios für naturwissenschaftliche Zwecke im 2. Jh. erfunden hat. Dies ist die sogenannte Nabonasser-Ära mit Beginn 747 v. Chr., die die Jahre seit Machtantritt des babylonischen Königs Nabonasser zählt. Diese Ära wurde von den Babyloniern jedoch nie benutzt. Die Nabonasser-Ära ergibt sich nun einfach aus der Subtraktion der Anfänge der Byzantinischen und der Jüdischen Zeitrechnung (der beiden Weltanfänge) abzüglich 1000:

5508 – 3761 – 1000 = 747

 

Natürlich passt die Nabonasser-Ära auch perfekt zu den anderen bereits genannten Ären. Man muss von deren Summe einfach 2000 abziehen.

 

776 + 753 + 622 + 311 + 285 - 2000 = 747

 

Es ist verblüffend , wie exakt die Anfangsjahre der Ären aufeinander abgestimmt sind. Das ist dann doch etwas zu viel Übereinstimmung, um als Zufall durchzugehen. Erklärbar ist das eigentlich nur dadurch, dass entweder diese Ären und Kalender erst später eingeführt wurden, oder dass zumindest die Anfangsdaten nachträglich aufeinander abgestimmt wurden.

 

Abb. 3: Joseph Justus Scaliger (1540-1609), der Begründer der wissenschaftlichen Chronologie – so richtig bekannt wurde er allerdings erst, nachdem Jacob Bernays 1855 eine Biographie über ihn geschrieben hatte

Quelle: https://it.wikipedia.org/wiki/File:Joseph_Justus_Scaliger_-_Imagines_philologorum.jpg, public domain

 

 

Das Konstruktionsschema der Zeitrechnungen

 

Wie oben beschrieben, kommt man auf den Betrag des Anfangs der Jüdischen Zeitrechnung so:

9 x 529 – 1000 = 3761

 

Der Betrag des Beginns der Byzantinischen Ära ergibt sich nun ganz ähnlich aus einem Vielfachen der Zahl 529:

11 x 529 – 311 = 5508

 

Vom Elffachen der Zahl 529 muss man nur 311, den Betrag des Beginns der Ära seit Beginn des babylonischen Königs Seleukos abziehen.

 

Interessanterweise kann man die jüdische und die byzantinische Zeitrechnung einfach ineinander umrechnen:

5508 = 3761 + 747 + 1000

 

Also, der Betrag des Anfangs der jüdischen Ära zuzüglich des Betrages des Anfangs der Ära des babylonischen Königs Nabonasser ergibt den Betrag des Anfangs der byzantinischen Zeitrechnung.

 

Da wir zwei Zeitrechnungen haben, die mit babylonischen Königen (Nabonasser 747 v. Chr. und Seleukos 311 v. Chr.) beginnen, macht es Sinn, sich damit etwas näher zu beschäftigen. Und siehe da:

311 + 747 = 1058 = 2 x 529

 

Also, die Summe der beiden babylonischen Zeitrechnungen ergibt sich aus dem Zweifachen der Zahl 529.

 

So können wir dann auch jede der beiden Ären ganz einfach aus der jeweils anderen berechnen:

311 = 2 x 529 – 747

und

747 = 2 x 529 – 311

Das macht nun neugierig darauf, die beiden Anfänge der wichtigsten Zeitrechnungen der griechisch-römischen Antike etwas näher zu untersuchen, 753 v. Chr. - Gründung der Stadt (Rom), sowie
776 v. Chr. - Olympische Ära (griech. Zählung seit der 1. Olympiade).

 

753 + 776 = 1529 = 529 + 1000

 

Diesmal ist es 1 x 529 zuzüglich der Zahl 1000, woraus sich die Summe der Beträge der Anfänge beider Ären ergibt.

 

Damit ergibt sich

753 = 529 + 1000 - 776

und

776 = 529 + 1000 – 753

 

Zusammengefasst sieht das Konstruktionsschema der Zeitrechnungen dann so aus:

 

Damit dürfte klar sein, dass diese Zeitrechnungen nicht auf natürlichem Wege entstanden sein können, sondern am Schreibpult nach einem klaren Plan. Dieser dürfte mit dem Großen Osterzyklus von 532 Jahren (28 x 19) zusammenhängen.

 

 

 

Weitere Zusammenhänge

 

Die Hedschra, Islamische Zeitrechnung, (622) ist natürlich einfach

622 = 311 + 311

 

Die Diokletian-Ära (285) errechnet sich aus den bereits gegebenen Zahlen, insbesondere auch wieder der 529, wie folgt:

285 = 529 + 1000 – 622 – 622

Der Anfang der Jahreszählung des Julianischen Datums (4713 v. Chr. = -4712) ergibt sich aus den bereits genannten Zahlen, insbesondere der 529, wie folgt:

-4712 = 529 - 3 (747 + 1000)

 

Bzw. mit der Julianischen Periode 7980 Jahre (532 x 15) und der 529. Primzahl (mit Zählung der 1 nach Früher Neuzeit) 3797 :

-4712 = 3797 - 529 – 7980

 

529 = 23 x 23. Und 79 ist die 23. Primzahl (mit Zählung der 1 nach Früher Neuzeit). Und so erhalten wir interessanterweise mit der Zahl 6241 = 79 x 79:

-4712 = 529 + 1000 – 6241

Dahinter könnte ein bisher noch unbekannter zahlentheoretischer Zusammenhang stecken.

 

Und auf den Beginn des altägyptischen Kalenders im Jahre 4241 v. Chr. kommt man mit der Zahl 529 wie folgt:

4241 = 4712 - 1000 + 529

 

 

Vergleich verschiedener Weltären

 

Zwischen der Byzantinischen Weltära (5508 v. Chr.) und der Jüdischen Ära (3761 v. Chr.) liegen, wie bereits erwähnt, 1000 + 747 Jahre.

Zwischen der Schöpfung nach der Bibel-Version der Septuaginta (5199 v. Chr.) und der Vulgata (Beda 3952 v. Chr.) liegen genau 500 Jahre weniger, nämlich 500 + 747 Jahre. Diese 500 Jahre setzen sich zusammen aus

3952 - 3761 = 191
5508 - 5199 = 309.

Es gibt eine Differenz von 2 Jahren zwischen 309 und dem Betrag der Seleukidische Ära, 311 v. Chr.

Scaliger weicht mit 3949 v. Chr. nur drei Jahre von Beda und der Vulgata ab.

Die Differenz zwischen dem Weltanfang nach Septuaginta und Jüdischer Ära ist
5199 - 3761 = 1438 = 1000 + 747 - 309 =
1000 + 436 + 2

Die Differenz zwischen den beiden babylonischen Ären nach König Nabonasser (747 v. Chr.) und König Seleukos (311 v. Chr.) ist nämlich

747 - 311 = 436

Und zwischen der der Byzantinischen Weltära und Schöpfung nach der Bibel-Version der Vulgata liegen

5508 – 3952 = 1556 = 500 + 747 + 309

Jahre.
 

Man erkennt auch hier wieder bei den Differenzen die gleichen Zahlen:

747, 311 mit 2 Jahren Differenz als 309 sowie die „runden“ Zahlen 1000 und 500. Das Ganze geht natürlich auch wieder mit der 529.

 

Und mit der Zahl 529:

 

 

471

 

Wichtig ist auch das Ergebnis 529 – 1000 = -471 Jahre

 

Wie ich bereits in „Das wohlstrukturierte Mittelalter“ (2012), S. 146-149, gezeigt habe, gibt es zahlreiche Verdopplungen in der offiziellen Geschichte im Abstand von 462-471 Jahren. Insbesondere betrifft das auch die Kunstfigur der offiziellen Geschichte „Karl der Große“ (siehe dazu auch meinen Artikel „Wer war Karl der Große wirklich?“, auch als Taschenbuch und eBook erschienen: https://de.geschichte-chronologie.de/index.php/zeitperioden/mittelalter/134-wer-war-karl-der-grosse-wirklich

    Mario Arndt, 8.3.2019