Edward A. Petherick - Edwin Johnson und seine Schriften

 Vorwort des Übersetzers:

Zusammen mit einem Freund, übersetze ich die Werke von Edwin Johnson ins Deutsche. Aktuell übersetzen wir seine wichtigste Hauptschrift "The Rise of English Culture", welche auch Johnsons letztes Werk darstellt. Die "Paulusbriefe" (The Pauline Epistels) sind bereits auf dem Markt. - https://www.bod.de/buchshop/die-paulusbriefe-edwin-johnson-9783732256518

Nach dem Erscheinen der Übersetzung von Johnsons "Aufstieg der englischen Kultur" werden wir die PDF-Version der "Paulusbriefe" kostenfrei online stellen, was dann auch die Verfahrensweise bei weiteren Übersetzungen sein wird.

Wir stellen hiermit das sehr gehaltvolle Vorwort von Edward A. Petherick aus der deutschen Übersetzung von Johnsons "The Rise of English Culture" zur Verfügung. Das vollständige Werk wird voraussichtlich in etwa 18 Monaten erscheinen.

Auszug aus unserem Vorwort zur deutschen Übersetzung von Johnsons "Pauline Epistels":

Zeit - ein Konstrukt menschlichen Denkens zur Bemessung der Endlichkeit der eigenen Existenz - ist, so sagt man, daß Feuer, in dem wir alle verbrennen. Zeit offeriert uns die Zukunft, in der unsere Wünsche und Pläne Wirklichkeit werden können; und sie beschenkt uns mit der Vergangenheit unseres Handelns und Wirkens sowie dem unserer Ahnen, worüber wir uns als Mensch und Volk definieren.

Was aber, wenn der Blick zurück durch Lügen verklärt ist, durch das Wirken von Lumpen und Betrügern, um unsere Identität in eine Richtung zu formen, die ihnen wohlgefällig ist und uns zu ihren Dienern machen sowie unseren Widerstand brechen soll? Dann ist die alles entscheidende Frage: Wann und wo begann die Wahrheit der Lüge zu weichen? Diese Landmarke ist der Kreuzungspunkt, an dem man beginnen kann, die Wahrheit wieder von der Lüge zu scheiden und zu ergründen, wer wir wirklich sind.

...

Johnson setzt hier, präzise wie ein Herzchirurg, sein "Skalpel" im Zentrum der Lüge an. Er erspart uns die langen, mühsamen, aber dennoch nicht nutzlosen Umwege und führt uns so direkt und zielsicher ins Operationszentrum der Geschichtsschöpfer. Die akademische Welt hat das 1894 verfasste Werk in die hintersten Winkel der Bibliotheken verbannt, in der Hoffnung, es dort dem Staub und Vergessen anheim zu geben.

Den von Johnson abgelegten Staffelstab haben wir mit unserer Übersetzung aufgegriffen, um ihn dem deutschen Volk zu überreichen, in der Hoffnung, das Werk leiste einen Beitrag, dem deutschen Volk wieder die Befähigung zurückzugeben, den lieblichen Klang der Wahrheit von der schrillen Kakophonie der Lüge zu scheiden.

 

 

Edwin Johnson und seine Schriften

 

I.

Da dies die erste Ausgabe eines Johnson-Werkes seit dessen Tod ist, scheint es angebracht, hier einen Bericht über sein Leben und seine Schriften voranzustellen.

Edwin Johnson war der zweite Sohn des kongregationalistischen Pfarrers Alfred Johnson und wurde am 9. November 1842 in Upton bei Andover, Hampshire, geboren. Wenn er in irgendeiner Hinsicht Stolz auf seine Herkunft war, dann auf seine Abkunft aus dem Yeoman-Stand. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Land, zu dessen Reizen und Gesellschaften er niemals seine Liebe verlor. Johnson war ein fleißiger und nachdenklicher Junge, der mit Freude die englische Geschichte las, stolz auf die Größe seines Landes war und aufrichtig hoffte, diesem eines Tages etwas angemessenes zurückgeben zu können. Ihm wurde eine traditionelle Höflichkeit und ein äußerst ritterlicher Geist vererbt. Er schätzte das Geld und den Stellenwert, den es einzunehmen vermochte, äußerst gering. Der Einfluss seines Elternhauses war jedoch ein sehr puritanischer und trieb ihn ruhig und zielsicher auf die Kanzel zu; dies jedoch ohne, dass er bewusst darauf hingearbeitet hätte

1859 schrieb er sich im New College, St. John's Wood ein, um sich für das geistliche Amt zu qualifizieren. Seine Lehrer waren Rev. Dr. Halley. Dr. William Smith, Herausgeber der klassischen und biblischen Wörterbücher; der Chemiker Dr. Lankester, Rev. John Godwin, Dr. Samuel Newth und Professor Nenner. Er gewann drei Stipendien und machte seinen M.A. Abschluss in klassischer Altertumskunde an der London University. Jahre später bezeichnete ihn der gealterte Dr. (später Sir William) Smith als einen der herausragendsten Schüler, die er jemals hatte. Über seine akademische Karriere schreibt einer seiner lebenslangen Freunde:

"Seine Weggefährten waren sich einig, dass er sie in jedem nur erdenklichen geistigen Wettstreit leicht zu übertrumpfen wusste, während sie ihn auf Grund seiner Höflichkeit, seines Fingerspitzengefühl und dezenten Humors dennoch alle als Freund und Kameraden schätzten. Er besaß nicht den Elan und die Ausdruckskraft, welche ihm große Popularität verschafft hätten, doch er hatte die selten derart ausgeprägte Gabe, beim Debattieren, in seinen Predigten und generell in Gesprächen einige der bezauberndsten Seiten der Wahrheit aufzuzeigen. Mit leisem Sarkasmus deckte er einige der populären religiösen Täuschungen und Irreführungen auf. Nur wenige Männer am College wurden so sehr geschätzt und respektiert wie Edwin Johnson, denn während er immer ein origineller und gewagter Denker war, hat er niemals willentlich die Empfindlichkeiten derer verletzt, die anders dachten als er."

Sein erstes pastorales Amt trat er 1865 in Forest Hill in der Nähe von London an. Er heiratete und verblieb dort einige Jahre. Als sich der Gesundheitszustand seines Schwiegervaters verschlechterte, unternahm er mit ihm eine kontinentale Reise. Sie besuchten Frankreich, die Schweiz, Norditalien und Deutschland. Bei ihrer Rückkehr im Jahr 1870 ersuchte man Johnson um die Amtsausübung in Boston, Lincolnshire, wo er dann neun Jahre lang ansässig war. Dies war eine sehr aktive Zeit. Er erfüllte seine pastoralen Pflichten sorgfältig und fand dennoch Zeit zum Schreiben sowie für Vorträge zu wichtigen aktuellen Themen, wobei er sich besonders mit der Frage der nationalen Bildung beschäftigte. In Boston begannen Johnsons Forschungen über die Anfänge der Geschichte. Zu seinen unveröffentlichten Manuskripten gehören "Antike Geschichte in Anekdoten" und eine Monographie über "Beowulf". Aus derselben Zeit stammen auch seine Aufsätze über "Hebräische Poesie" und die "Religionswissenschaften". Während seiner Zeit in Boston redigierte er auch Erasmus für den bedeutenden Bibliophilen Robert Roberts, der eine Ausgabe der "Utopia" druckte. Johnsons 1877 erschienenen "Apophthegmes" mit einem Memoriam an Erasmus folgten 1878 die "Colloquies", denen er beinahe hundert Seiten mit akkuraten und verständigen Notizen anfügte. "Niemand", schrieb ein Kritiker, "konnte sich beschweren, dass sie übermäßig seien; die Arbeit hätte kaum besser vollbracht werden können" - eine Bemerkung, die auf all seine Arbeiten zutrifft, welche stets von Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit zeugen. Niemals hegte er überhastet das Verlangen, seine Schrift in gedruckter Form zu sehen.

In der Zwischenzeit setzte er sein Studium der klassischen, insbesondere der griechischen Literatur fort, doch beschäftigte sich auch intensiv mit anderen Literaturzweigen. Seine eigene und zu keinem Zeitpunkt sehr umfangreiche Bibliothek war die eines bedürftigen Gelehrten, dessen Bücher für den tatsächlichen Gebrauch ausgewählt wurden. Selbst wenn sie nicht mit massenhaften Anmerkungen versehen wären, sähe man ihnen die intensive Nutzung an. Zu seinen Lieblingsautoren gehörten Horaz, Seneca, Diogenes Laertius, Erasmus, Lessing, Wordsworth, Scott, Jane Austen und Browning. Er teilte mir einmal mit, dass er die "Waverley-Romane" mindestens ein Dutzend Mal gelesen hatte. Er hatte die Bände der doppelspaltigen Ausgabe, die ihm in späteren Jahren durch so manche schlaflose Nacht brachte, immer zur Hand. Sein eigener klarer Stil ist nicht zuletzt seinem Lieblingsautor Scott zu verdanken.

1879 wurde er vom Rat seines Colleges zum Professor für Literatur des Altertums ernannt und kehrte nach London zurück. Dieses Engagement ermöglichte es ihm, viel mehr Zeit für das Studieren und Forschen aufzubringen. Von nun an arbeitete er als fester Mitarbeiter im British Museum und in der Dr. Williams Bibliothek am Gordon Square, beide nur einen kurzen Spaziergang von seiner Residenz in Primrose Hill entfernt. Griechische Mythologie und Philosophie sowie die griechische Kirchengeschichte waren Schwerpunkte, mit denen er seine Stellung am College weiter ausbaute. Er studierte diese Themen gründlichst und verfasste teils sehr ausführliche Ausarbeitungen über sie. Zu seinen in dieser Zeit veröffentlichten literarischen Werken gehörten Übersetzungen von Ewald über die Psalmen, von Meyer über die Römer sowie eine Vielzahl verschiedener Artikel und Aufsätze. Er widmete sich auch der patristischen Literatur und anderen Bereichen der theologischen Forschung. Ein Blick auf das Verzeichnis seiner aus dieser Zeit stammenden Schriften verdeutlicht seinen Fleiß und die sehr große Themenbreite seiner Schriften; während ihre Durchsicht zeigt, dass er gleichzeitig eine sehr ausgeprägte Fertigkeit und Klarheit erlangt hatte, seine Ideen zu gelehrten und schwer verständlichen Themen auszudrücken. Seine Kenntnisse in Latein und Griechisch waren die eines Meisters; und als guter Schüler des Französischen und Deutschen erarbeitete er sich auch die orientalische Literatur.

Darüber hinaus hatte er eine einzigartige Gabe zum Unterrichten und gestaltete das Geschichtsstudium mit einer erfrischenden Lebendigkeit. Dr. Furnivall, der Johnson häufig traf, hielt ihn für einen der fähigsten und anregendsten Denker, denen er je begegnet ist. Ihm fiel Johnsons einzigartiges und reizendes Wesen sowie seine vorzügliche Bildung auf. Die College-Arbeit war überaus angenehm, doch aus finanziellen Erwägungen verlegte der College-Rat das wissenschaftliche Institut ans University College in der Gower Street. Nach acht Jahren der Arbeit als Professor hatte Johnson die Möglichkeit, seine ganze Aufmerksamkeit den literarischen Betätigungen zu widmen. Seine Arbeiten über "griechische Mythologie und Religion" sowie über "den Ursprung und die Entwicklung der Religion" schloss er bald ab, wenn sie auch nicht veröffentlicht wurden. Ein weiteres Werk war die Übersetzung einer Sammlung süddeutscher Volksmärchen, "Im Land der Wunder", die als Begleitband für die norddeutsche "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm herausgegeben wurde. Das Vorwort zu diesem Werk bot dem Übersetzer und Herausgeber die Gelegenheit, einen äußerst interessanten Artikel über Folklore zu schreiben und darin Kritik an den sogenannten "Natur-Mythologen" zu üben, deren Ansichten ihm zu Folge auf einem radikalen Fehler beruhten und im Ergebnis eine Umkehrung der Wahrheit darstellen.

Mit seinen patristischen Studien schlug er einen kühneren Kurs ein, als es für einen orthodoxen Professor üblich ist. In England hatte Matthew Arnold dem Laien den rein literarischen Charakter des Alten und des Neuen Testaments offenbart. Im Ausland hatten deutsche und niederländische Theologen den Glauben an die Persönlichkeit der angeblichen Schriftsteller untergraben, während der Autor von "Supernatural Religion" aufzeigen konnte, dass es keinerlei Anzeichen für Wunder gab. Nach der Überprüfung des literarischen Charakters und der Urheberschaft dieser Schriften beabsichtigte Johnson, die Geschichte des Christentums erneut von Beginn an zu untersuchen. Das Ergebnis seiner früheren Untersuchungen erschien in seiner "Antiqua Mater", die Ende 1887 anonym veröffentlicht wurde sowie in einem lateinischen Aufsatz, den er für eine niederländische theologische Gesellschaft schrieb.

Das Nachverfolgen der sogenannten frühen christlichen Aufzeichnungen war für ihn hoch interessant. Als er nach Monaten intensiver Nachforschungen plötzlich auf einen Hinweis stieß, wurde ihm allmählich klar, dass die eigentlichen Verfasser der Kirchen- und Evangeliengeschichte nicht altertümlich sind. Mehr als nur einige wenige der angeblich antiken Schriftsteller schienen in der Manier des "16. Jahrhunderts" zu schreiben. Wie Canon Westcott über Hieronymus anmerkte, gehörten fast alle von ihnen dieser späten Epoche an. In mancherlei Hinsicht war es für jemanden, der jahrelang das sogenannte orthodoxe Christentum gelehrt hatte, sehr schmerzhaft, ein derartiges Ergebnis konstatieren zu müssen. Doch mit diesem eigentümlichen Gefühl des Triumphs, dessen sich der Mensch bewusst wird, wenn er die Fesseln der Konvention abschüttelt und lernt, sich ausschließlich auf seine eigene Intelligenz zu verlassen, fürchtete Johnson keinerlei Ressentiments, welche die Ergebnisse bei ihrer Veröffentlichung hervorrufen könnten und machte sich so an die mühsame Aufgabe, sie zu Papier zu bringen.

"The Rise of Christendom" erschien im Oktober 1890. Für ein solch ambitioniertes Werk waren die Presseveröffentlichungen im Großen und Ganzen, eher zögerlich und teils diskret leise. Nur in wenigen Ausnahmen behandelte man die Arbeit mit der gebührenden Achtung oder forderte Johnsons Darstellungen und Schlussfolgerungen heraus, was für ihn eine Enttäuschung war. Möglicherweise erwartete er von seinen Lesern und den Kritikern zu viel. Viele von ihnen empfanden das Werk wahrscheinlich nahezu als ein Paradoxon. Gibbon und andere Historiker konnten sich weiterhin wohlgebettet auf den alten Autoritäten [den Kirchenvätern] ausruhen. Es waren diese angeblichen Autoritäten hinter Gibbon, die in ''The Rise of Christendom'' angegriffen wurden. Zum Glück des Autors wurde sein Buch von ein paar geistreichen Männern verstanden. Der verstorbene Mr. Froude las es mit starkem Interesse und größter Aufmerksamkeit. Er bat den Autor, sich an ihn zu wenden, was Johnson dann auch tat. Dem Gespräch folgte eine Korrespondenz zu den im Buch aufgeworfenen Fragen und den darin behandelten Begleitthemen. Im Laufe der Zeit wurde das Buch auch in anderen Teilen der Welt zur Kenntnis genommen und erhielt teils die der Bedeutung des Werkes angemessene Aufmerksamkeit, so z.B. in Amerika, wo es ein oder zwei fähige Kritiker als eines der wichtigsten Bücher des Jahrhunderts bezeichneten - eine Wertschätzung, die sich stark von der Kälte und dem Schweigen der heimischen Kritiker abhob.

Bald nach der Veröffentlichung von "The Rise of Christendom" schrieb Johnson auf Anregung eines Freundes einen Roman. Die Idee dahinter war, dass die Ergebnisse seiner Forschungen, wenn sie in romantischer Sprache oder allegorischer Form präsentiert würden, möglicherweise verständlicher für ein breiteres Publikum sein könnten, welches auf Grund des sehr breiten Wissensspektrums, das der Autor bei seinen Lesern voraussetzte, nicht in der Lage war, den in "The Rise of Christendom" enthaltenen Argumenten folgen zu können. Diese Romanze namens "The Quest of Mr. East", die Johnson 1889 fertigstellte, wurde erst zehn Jahre später veröffentlicht. Sie erschien 1900 unter dem Pseudonym "John Soane". Darin sind einige von Johnsons Beobachtungen zu den Entwicklungsstadien des religiösen Gedankenguts und dessen modernen Interpreten enthalten. Es war gut geschrieben und wurde sehr positiv aufgenommen.

In der Zwischenzeit führte der Autor seine Schriften fort, da "The Rise of Christendom", obwohl die Resonanz vergleichsweise klein war, bei den Wenigen, die mit dem Buch etwas anfangen konnten, die Forderung nach weiterer Erleuchtung anregte. Es war unmöglich, ein so komplexes und zumal auch so kritisches Thema, welches ein durchaus breiteres Feld umfasst, als das bei Mosheim, Gibbon und Milman der Fall ist, indem es sich über das gesamte Spektrum der europäischen und semitischen Literatur erstreckt, in einem einzigen Werk auf etwa 500 Seiten zu behandeln.

Eine ergänzende Werk - das vorliegende Buch über den "Aufstieg der englischen Kultur" - wurde gegen Ende des Jahres 1889 vollendet. Diese Arbeit, die die Ergebnisse der Forschungen des Autors zur "mittelalterlichen" Geschichte näher bringt, zeigt, dass die keltische und angelsächsische Zivilisation nicht nur mythisch ist (wie andere Kritiker bereits herausgefunden hatten), sondern gar, dass die "Geschichte" von Beda sowie einige der Chroniken unmöglich vor der Zeit Heinrichs VII. oder Heinrichs VIII. hätte geschrieben werden können.

Während er den "Aufstieg der englischen Kultur" schrieb, arbeitete Johnson an mehreren kurzen Artikeln über "angelsächsische Urkunden", "britische Ursprünge", "englische Aufzeichnungen", die "Gründungslegenden von Oxford und Cambridge", "biblische Legenden", "biblische Geographie" sowie "gothische und sarazenische Architektur" und machte sich Notizen für ein Werk über die "französische Kultur", das jedoch unvollendet blieb. Zu seiner Abwechslung und Entspannung schrieb er um diese Zeit auch eine Reihe von Artikeln über Robert Browning, in denen er einige Charakteristika in der Persönlichkeit und den Fertigkeiten des Dichters darstellte. Die "Grundlagen oder Elemente der Geschichtswissenschaft" schrieb Johnson 1892 auf Anregung von Herrn Froude. Weiter verfasste er eine englische Übersetzung der "Prolegomena" von Pater Hardouin. Exemplare des Werkes des Jesuiten waren rar und bis dahin gab es keine vollständige Übersetzung aus dem Lateinischen. Zu diversen Freidenker-Veröffentlichungen trug er von Zeit zu Zeit Artikel über seine verschiedenen Themen bei; diese jedoch in populärerer Form verfasst. Dazu zählten Ausführungen über die "englische Geschichte", Artikel über "Gibbon und den Ursprung des Christentums", die "Geschichte des Eusebius" und Johnsons "Anmerkungen zur jüdischen Literatur und den Juden in Spanien". Einige dieser Artikel wurden in amerikanischen Zeitschriften nachgedruckt. "Die Paulusbriefe, erneut studiert und erklärt", ein Darstellung des Ursprungs der neutestamentlichen Schriften und der protestantischen Reformation in Europa, wurden 1893 herausgegeben und hatten eine recht ordentliche Auflage.

Der 1901 verstorbene Orientalist Arbuthnot traf Johnson zu verschiedenen Gelegenheiten, um mit ihm über das Thema Chronologie zu sprechen. Zweifellos hätte Johnson eine wertvolle Arbeit über Kalender und chronologische Systeme verfasst, doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, sodass er die Masse von Notizen und Auszügen, die er zu diesem Thema angesammelt hatte, ruhen lassen musste. Dieses Material wurde anschließend von Herrn Arbuthnot erworben. Das 1900 erschienene Werk "The Mysteries of Chronology“ basierte größtenteils auf Informationen, die Johnson lieferte. Der Vorschlag für den Entwurf einer neuen Zeitrechnung, "der victorianischen", stammte von Herrn Arbuthnot selbst.

Viel mehr als im Rahmen des sporadischen Schriftwechsels mit seinem Brieffreund schrieb Johnson nicht mehr. Seine noch unveröffentlichten früheren Arbeiten wurden, mit Ausnahme der "Griechischen Mythologie und Religion", weitestgehend zu Gunsten seiner neuesten Entdeckungen und Forschungen eingestellt. Seine aus der Gesamtheit seines späteren Schaffens resultierenden Gefühle und Eindrücke hielt er gegen Ende der "Paulusbriefe" fest:

"Zu dieser Untersuchung hat mich eine schmerzhafte und äußerst beunruhigende Neugierde veranlasst, die mich nach meiner langjährigen Tätigkeit als Lehrer wissen lassen wollte, was ich als wahres Christentum lehren sollte. In gewisser Hinsicht war das Ergebnis eine bittere Enttäuschung. Anstatt auf eine solide Basis von bezeugten und anerkannten Tatsachen zu stoßen, habe ich ausnahmslos klare und unwiderlegbare Beweise für die Schemata und Mittel einer geheimen literarischen Gesellschaft1 gefunden, deren dreiste Behauptungen immer wieder ihren eigenen Schriften widersprechen.

'Denn solches ist nicht im Winkel geschehen', soll Paulus gesagt haben. Es wurde aber tatsächlich im Verborgenen fabriziert, sodass wir im Großen und Ganzen lediglich von den Klöstern sprechen können, welche die Zentralstellen der literarischen Erbauer waren. Wir kennen den Paulus-Ausspruch, "Sie achten Fabeln, die nicht stimmen", wobei hier das ganze System eine listig erfundene Fabel darstellt.

Man lernt, an diese Schriften zu glauben, sie zu verteidigen und die Kirche als ideale, zumindest aber als ruhmreiche, Institution zu betrachten, die frei von Makeln ist. Unsere Entdeckungen können wir nicht ohne den damit einhergehenden Schmerz verarbeiten. Instinktiv und aus alter Zuneigung, ist mein Platz unter ihren Dienern oder Verbündeten. Es bleibt aber die Pflicht eines jeden Literaturkritikers, nicht minder ernst und streng vorzugehen, als ein Richter auf seiner Bank. Mein Gewissen zwingt mich, als Kritiker, dazu, eine Institution zu verurteilen, die sich beschmutzt hat und durch Mitschuld an so viel Falschheit und Betrug hoffnungslos entartet ist. Es braucht eine neue Reformation.“

In „The Rise of Christendom“ schrieb Johnson:

"In diesen lichteren Tagen scheint es nicht übertrieben, zu hoffen, daß die Kirche letztendlich zu dem Entschluss gelangen könnte, ihre gefälschten und schändlichen Seiten zu streichen und die Chronik einer neuen Ära zu beginnen, die von den Aufzeichnungen ihrer Bemühungen hinsichtlich der Erkenntnis von Wahrheit und menschlicher Liebe geprägt ist. Dies wären durchaus bewundernswerte historische Geschehnisse, die zugleich die Dankbarkeit der Welt verdienen würden. Mögen diese Dinge geschehen!"

Das ist die kurze Darstellung Johnsons literarischer Arbeit. Darüber zu sprechen, wie er zu Hause war, oder auf seine großzügigen Hilfe für arme Studenten einzugehen, ist mir nicht gestattet. Er war bis zu einem gewissen Grad bescheiden und sprach oder schrieb nur selten über sich oder seine Bücher. Der moderne Interviewer war eine Person, der man auswich. Eine seiner letzten Äußerungen lautete: "Wenn es in Zukunft zu irgendwelchen Anfragen über mich kommt, dann antworte, 'ich lebe in meinen Büchern' ". Jedoch sind seine Bücher, mit einer Ausnahme, alle unpersönlich. Der Mann Johnson war größer als der Autor Johnson.

Einige seiner Empfindungen und Erfahrungen finden sich in "The Quest of Mr. East"; einige sind weiter oben angeführt. Er war kein "Dryasdust", kein Einsiedler, sondern überaus menschlich, von lebendigem Temperament, ein fröhlicher Begleiter und sehr gesellschaftsverbunden. Bis zu seiner Krankheit bewahrte ihn sein starker Sinn für Humor, den einer seiner Freunde als "eine Art Charles-Lamb-Geschmack, nur ohne die Minzsauce" bezeichnete, davor, sich niedergeschlagen zu fühlen. Obwohl er, wie auch St. John in "Mr. East", die kalte Kritik spürte, bekam er im Großen und Ganzen Anerkennung von ihm Unbekannten, welche die Offenheit, die Menschlichkeit und die Versiertheit lobten, welche er während der Jahre seines Schaffens stets an den Tag legte.

Einer, der sich nicht in der Lage fühlte, die Tendenz seiner Schriften zu verstehen, sagt :

"Worte alleine reichen nicht aus, um die geistige Kraft zu beschreiben, die bis zuletzt in ihm wirkte. Viele seiner alten Studenten und Freunde werden jetzt über seine Hilfsbereitschaft, seine subtilen Zweideutigkeiten im Gespräch und seine Fähigkeit nachdenken, Männer dazu zu bringen, ihren eigenen Gedanken ins Gesicht zu sehen. ... Für diejenigen, die den besonderen Geschmack seines Humors kannten, war 'The Quest of Mr. East' ein Buch voller Charme. Tatsächlich war es ein einziges langgezogenes Gleichnis, das viele markante Eigenschaften der modernen religiösen Welt darstellt und die Suche der Seele nach dem wahren Christus beschreibt. Johnson zeugte von großem Pathos. Der Schmerz und die Mühen, die mit seinem Kurs verbunden waren, brachten seine angeborenen Feinheiten klarer zum Vorschein, zumal er selbst unter körperlichen Behinderungen eine seltsame Anziehungskraft ausübte, die zu Freundschaften mit Männern allerlei Denkweisen führte. Er wird nicht nur in den Herzen derer leben, die sich so geduldig um seine Bedürfnisse gekümmert haben, als er sich dem Tode näherte, sondern auch in den Herzen einer großen Zahl von Menschen, die nicht nur von dem, was er sagte, Impulse erhielten, sondern auch von dem, was er war.“

Ein anderer Freund und zugleich ein Mitglied einer Vereinigung, der Johnson angehörte, schrieb:

„Diejenigen, die bei unserem letzten alljährlichen Abendessen anwesend waren, konnten nicht übersehen, dass die Walküren denjenigen zum Tode erwählt hatten, welcher der gelehrteste der Gäste war. Während all der Jahre, in denen das Abendessen stattfand, hatte der Autor von 'Antiqua Mater' regelmäßig seinen Platz am Tisch. … Sein Ruf als vortrefflicher Gelehrter und seine kühne Hingabe für die historische Wahrheit, die ihn einem akademischen und sozialen Märtyrertod unterwarf, machten ihn Jahr für Jahr zu einer hervorstechenden und ehrbaren Persönlichkeit in unserer festlichen Versammlung. Doch allmählich entschwand uns der versierte Gelehrte, der in diesem genialen Menschen steckte. Die gewaltige Stirn, die vom Pflug des Denkens gefurcht war, verlor ihren ursprünglichen Ernst in des großen Mannes freundlichem und wohlwollendem Lächeln; und wir, seine Gefährten, verloren den gelehrtesten aller edlen Männer aus den Augen. Ich habe noch nie einen Mann gekannt, der zielstrebiger und von einfacherem Herzen war. … Unser verstorbener Freund war zu aufrichtig und selbstlos für diese gefühllose und selbstsüchtige Welt. Er gab ihr die reife Frucht seiner intellektuellen und moralischen Männlichkeit.“ "Im Gegenzug dafür bescherte die Welt ihn mit dem Verlust seiner Professur und unbegründeter Missachtung. Er beschwerte sich nicht und äußerte kein cholerisches Wort, weder mit seiner Stimme, noch mit der Feder, doch das Unrecht nagte schwer an seiner feinfühligen Natur. So kam er vorzeitig in die Jahre; und er, der die Energie der harten und wertvollen langjährigen Arbeit noch in sich hatte, entschwand der Gegenwart und gehört bereits der Vergangenheit an.“

Doch seine engere Freunde kannten in besser. Er, der seine Hand an die heilige Bundeslade gelegt hatte und vom Unglück in Form einer heimtückischen und unheilbaren Krankheit erfasst wurde, wusste, daß er zur Lösung des Problems der Religionsgeschichte unserer westlichen Welt beigetragen hatte - die Lösung, die zur Herstellung der geistigen Einheit führen wird. Er wurde durch freundliche, verständige und nachdenkliche Briefe ermutigt, weiterzumachen und steckte so seine ganze Seele in seine Arbeit:

"Nach der besseren Vision des Wahren, Schönen und Guten strebend.“

Johnson verstarb am 3. Oktober 1901 im vergleichsweise frühen Alter von 59 Jahren, doch er hatte sein Werk gut vollbracht.

Seine letzte Nachricht an mich als einen seiner letzten Freunde, der am wenigsten mit einer Nachricht gerechnet hatte, führte dazu, dass ich dieses Buch in der Druckpresse sehen wollte. Mit der großzügigen Hilfe einiger Freunde und in gebührender Anerkennung des Lebenswerkes des Autors, wird dieser Wunsch nun verwirklicht. Der Text entspricht ungefiltert dem aus Johnsons Manuskript. Hätte der Autor dies noch mit dem letzten Schliff versehen können, wäre das Buch für den Leser zweifellos eine noch größere Bereicherung. Im Anhang finden Sie eine Liste der wichtigsten veröffentlichten und unveröffentlichten Schriften Johnsons, einschließlich separater Werke, Aufsätze und anderer Veröffentlichungen, die eine große Bandbreite kritischer Lektüre und origineller Forschung zu europäischer und orientalischer Literatur darstellen.

 

II.

Nun möchte ich wichtigsten Ergebnisse von Johnsons Forschungen, wie in seinen herausgegebenen Schriften festgehalten, kurz zusammenfassen:

Die Geschichte Europas, besonders die kirchliche Geschichte, basiert zum größten Teil auf Annahmen, Überlieferung, Legenden und Irrtümern, wobei die Biografien realer Personen als Vorlagen für die Fiktionen verwendet wurden. Die hebräischen und christlichen "Heiligen" Schriften haben einen proleptischen [vorwegnehmenden] Charakter. Es gab keine konstituierte christliche Kirche vor dem "11. Jahrhundert" unserer Zeitrechnung. Der größte Teil des sogenannten "Mittelalters" ist eine imaginäre und nicht existente Zeitspanne und die Neuzeit beginnt bald nach dem Zerfall des alten Römischen Reiches. Wir sind daher weniger weit von den Griechen und Römern entfernt, als es unsere Chronologie-Skala lehrt. Weiter hat Johnson unser kirchliches System auf die Araber zurückgeführt, die dem lateinischen oder griechischen Christentum nichts entlehnt haben – dagegen fand durchaus ein Transfer in die entgegengesetzte Richtung statt. Dennoch war das Christentum den anderen Systemen in mehrfacher Hinsicht überlegen.

Dies sind keine wilden Theorien, die man vorschnell von sich weisen sollte. Obwohl einige der Aussagen zu gewagt oder willkürlich erscheinen, wird der Leser auf nicht unbegründete und durchaus verständliche Argumente des Autors treffen.

Viele Menschen haben beim Studieren unserer Geschichte unerklärliche Anomalien und Diskrepanzen entdeckt. Sie werden in Johnsons herausgegebenen Schriften eine Lösung für diese Schwierigkeiten finden; eine Erklärung für viele Dinge, die bisher unvollkommen oder völlig missverständlich waren, insbesondere für Angelegenheiten in Bezug auf unser Chronologie-System2. Auf den folgenden Seiten habe ich mich bemüht, einige der in meiner eigenen Lektüre festgestellten Anomalien zusammenzufassen. Die angegebenen können leicht durch viele weitere ergänzt werden zur Unterstützung der Argumente unseres Autors.

Das Sprichwort, dass Geographie und Chronologie die beiden "Augen" der Geschichte sind, ist zu einer solch abgedroschenen Phrase geworden, dass wir allzu leicht den rationalen "Verstand" des sich hinter diesen Augen befindlichen Betrachters verlieren. Selbst vorsichtigere Historiker schreiben von 1.000 oder 1.500 Jahre langen Zeitstrecken, als wäre die historische Zeit unbegrenzt. Der durchschnittlich Gebildete springt in seiner Vorstellung so mühelos von Kontinent zu Kontinent oder von Jahrhundert zu Jahrhundert und spricht oder schreibt, dass dieses oder jenes Ereignis im "zweiten", "siebten", "neunzehnten" oder irgendeinem dazwischenliegenden Jahrhundert geschehen sei, als wäre schon immer auf diese Weise datiert worden. Eine altertümliche Zeitrechnung war weder in Gebrauch, noch in Kraft - nicht von Anfang an und auch lange Zeit danach noch nicht. Der Terminus "Anno Domini" und die Rückrechnung auf den angeblichen Beginn der Ära werden erst seit weniger als 400 Jahren verwendet. Vor dieser Zeit wurden Regentschaften von Königen, Fürsten und Päpsten als Zeitangaben aufgeführt. Tatsächlich werden unsere Parlamentsakten noch immer auf das Regierungsjahr des Königs datiert.

Inschriften und Manuskripte werden, sofern sie undatiert sind, bestimmten Jahrhunderten zugeordnet, was durch paläographische Experten geschieht, welche die Daten aus der Sprache, dem Inhalt oder dem Stil der Kalligrafie ermitteln, der gegebenenfalls auf die Eigenart des Schreibers zurückzuführen sein könnte. Entsprechend müssen wir, wenn wir auf Aussagen treffen, gemäß denen jegliche christliche Dokumente aus der Zeit zwischen dem „zweiten“ und „zehnten“ Jahrhundert stammen, davon ausgehen, dass es durchweg reine Mutmaßungen sind. Allzu viel Gewicht kann daher nicht auf die Frage der Chronologie gelegt werden, denn sie ist abhängig von der Glaubwürdigkeit und Authentizität der Kirchenaufzeichnungen sowie dem wahren Datum der Gründung der Kirche.

Wie auch andere ekklesiastischen Zeitrechnungen, ist die christliche Zeitrechnung stark überzogen und vordatiert. Eine chronologische Tafel wurde benötigt, ein "Dionysius Exiguus" war gefunden. Das Schema von vierzehn oder fünfzehn vorangegangenen Jahrhunderten wurde niedergeschrieben. Christliche Historiker und christliche Geographen, die

"ihre Karten mit wilden Bildern füllten und in unbewohnbaren Gefilden, aus Mangel an Städten, Elefanten platzierten“,

fügten in den Freiraum des Entwurfs sehr bald Namen und erbauliche Taten von Fürsten, Kirchenmännern und Heiligen oder ihren vermeintlichen Gegnern ein. Für die christlichen Schreiber war Geschichte eher eine Allegorie, als eine Wissenschaft der Beobachtung oder der Überlegung. Durch einen Blick auf die Zeitspanne zwischen dem "vierten" und "elften" Jahrhundert, stellen wir fest, dass sie mit christlichen und geistlichen oder mit weltlichen Angelegenheiten von kirchlichem Interesse gefüllt ist. Rein weltliche Namen suchen wir vergeblich; zwischen Galenos und Ptolemäus im "zweiten" und den Arabern im "neunten" Jahrhundert klafft ein riesiges Loch. Wenn man Ptolemäus heranzieht, fällt auf, dass seine "Geographia" des "zweiten" nahezu identisch mit der Geografie des "dreizehnten" Jahrhunderts ist.

Die elf Jahrhunderte des östlichen Reiches (von Konstantin bis zum Fall Konstantinopels) sind mit byzantinischen Historikern gefüllt und somit als lange ununterbrochene Kette dargestellt. Ihre Schriften sind Teil der Annalen der Welt und gelten seit langem als schändliches Zeugnis einer tausendjährigen moralischen und politischen Leere. Die glühende Feder eines Gibbon vermochte es nicht, ein reges Interesse an den Leben und Taten einer langen Folge blutrünstiger Tyrannen und impotenter Wüstlinge zu wecken3.

Finlay und Freeman möchten eher auf die edleren Charakteristika dieser Zeit eingehen – auf die Taten von Belisar, Herakleios, Leo dem Isaurier und anderen Individuen, die weitestgehend idealisiert und von ungewisser Datierung sind. Doch beim Lesen dürfen wir die Schriftgelehrten nicht aus den Augen verlieren, da sie dieselben Gedanken haben und dieselbe Sprache verwenden, die in tausend Jahren keine Veränderung erfährt – mit einem Ausspruch Johnsons dargestellt: "Alle verwendeten die gleiche Feder und die gleiche Tinte"! Obwohl diese Chroniken der Korruption, der Unglücke und der Verbrechen mit einem verfallenden Imperium verbunden sein sollen, geht jedoch kein einziges Glied in der Kette von Persönlichkeiten und Ereignissen verloren. Die langgezogene Geschichte, wie wir sie vorliegen haben, wurde vermutlich niedergeschrieben, nachdem die Türken alles in Besitz nahmen.

Von einem anderen angeblichen christlichen Volk, den Äthiopiern, schreibt Gibbon: "Sie schliefen fast tausend Jahre lang und vergaßen die Welt, von der sie selbst vergessen wurden.4" Das christliche Koptentum kontrastiert das alte Koptentum sehr stark5. Bezogen auf China, das den Römern bekannt gewesen sei, können wir ebenfalls feststellen, wie auch bezüglich Abessinien, dass es ebenfalls und für eine ähnliche Zeitspanne von Europa vergessen wurde. Wir haben keine Nachrichten über China aus dem Zeitraum zwischen Arianus, Ptolemäus und der Mission von Carpini im Jahr 1246. In chinesischen Aufzeichnungen gibt es jedoch Hinweise auf das Römische Reich, als es der orthodoxen Chronologie zufolge bereits lange untergegangen war.

In Indien und China befindet sich die Chronologie in einem ungeklärten Zustand. Indien hat vor der mohammedanischen Invasion im dreizehnten Jahrhundert nichts, was man richtigerweise Historie nennen könnte6. Keine ihrer Rassen oder kleinen Nationalitäten führte jemals eine Chronik7. Ein gelehrter Philologe bemerkt das Fehlen schriftlicher Denkmäler, Literatur oder Informationen, anhand derer er die aktuelle Volkssprache durch eines "dunklen Zeitalter", eine "lange Nacht von neun Jahrhunderten“, hindurch nachverfolgen könnte! "Um das erste Jahrhundert fällt vor den indischen Sprachen der Vorhang und öffnet sich erst wieder zum 10". "Ich bezweifle sehr", fährt er fort, "dass der dazwischenliegende Raum jemals gefüllt werden kann, da das Material für immer verlorengegangen zu sein scheint. Der Buddhismus ist unsere einzige Chance – auf mehr können wir scheinbar nicht hoffen ... und diese neun Jahrhunderte bleiben für immer ein versiegeltes Buch8." Dieser Sachverhalt wird von einem Land berichtet, dem Europa für seine Ziffern und Arithmetik und für einige seiner religiösen Ideen zu Dank verpflichtet ist - einem Land, in dem der Priester- und der Schriftorden niemals ausstarben. Das Zeitalter der meisten hinduistischen Schriften ist unbekannt, und die Autoren sind selbst im Nirvana verschwunden9.10

Es gibt jedoch keinerlei Hoffnung auf buddhistische Aufzeichnungen, die uns “die lange Nacht” erhellendes Material liefern. General Maisey11 neigt dazu, die buddhistische Epoche um sechshundert Jahre zu verkürzen, während Fergusson die Bodh-Gaya Bauten, die angeblich aus dem ersten Jahrhundert v.Chr. stammen, ins 14. Jahrhundert n.Chr. verlegt.

Eine ebenfalls sehr magere literarische Materiallage hinsichtlich der persischen Geschichte zeugt von einem weiteren korrespondierenden "dunklen Zeitalter" – scheinbar ist alles Vorhandene ausschließlich arabische Literatur, nicht persische.

Die benediktinische oder christliche Chronologie scheint daher für afrikanische und orientalische Zivilisationen nicht minder anwendbar zu sein, als für jene in Europa. Wenn unsere konventionellen neunzehnhundert Jahre12 auf Abessinien, Indien und Persien angewendet werden, zeigt die Geschichte jedes dieser Länder eine ähnliche Lücke oder „Nacht“, die sich über viele Jahrhunderte erstreckt - Lücken, die durch keinerlei zeitgenössische Aufzeichnungen überbrückt werden können. Während die alten und modernen Epochen mit authentischen, mehr oder minder vollkommenen, Aufzeichnungen gefüllt sind, ist die mittlere oder sogenannte "mittelalterliche" Epoche eher fabulös oder mit verdünnter Materie oder verschwommenen Gegebenheiten besetzt, die aus früheren und späteren Epochen entlehnt wurde.

Die Historiker des Christentums berichten von Ketzern, Apologeten, Verteidigern kirchlicher Doktrinen und Konzilen, die zur Überwindung von Schwierigkeiten einberufen wurden. Diese Konzilien begannen früh und setzten sich über den gesamten Zeitraum, den die Kirchengeschichte einnimmt, fort. Sie waren zu einer Zeit so häufig, dass Bischöfe und Geistliche, so möchte man meinen, nichts anderes zu tun hatten, als sich auf auf ein Konzil vorzubereiten oder an einem teilzunehmen. Wir lesen von Konzilen in Kleinasien, in Deutschland, in Frankreich - Konzilen in allen Himmelsrichtungen des Reiches.

In Afrika fand die Kirche die eifrigsten Bekenner ihres Glaubens und ihre begnadetsten Verteidiger13. Tertullian, Cyprian, Arnobius, Lactantius und der größte aller Kirchenmänner, Augustinus, waren gebürtige Afrikaner. Durch Afrika wurde das Christentum zur Weltreligion. In Nordafrika gab es einmal nicht weniger als 600 Bischofssitze. Auf dem Konzil von Karthago führte der heilige Augustinus 286 orthodoxe Bischöfe an, Petilanus 279 Donatisten. Entdecker, wie auch Historiker, teilen uns mit, dass, während die Römer in Nordafrika bleibende Spuren und eine Fülle von Inschriften hinterließen, das Christentum keine einzige hinterlassen hat und vollständig ausgerottet ist14. Die einzige Erklärung ist die, dass Augustinus, die anderen Bekenner und ihre Kirchenkonzilien rein mythisch sind. Seltsamerweise schrieben diese "Afrikaner" auf Griechisch, als Latein die allgemein gesprochene Sprache war. "Aber", fügt der aktuellste über das römische Afrika schreibende Autor hinzu, "das Griechisch war nicht das Griechisch von Aischylos oder Sophokles ... es besaß eine äußerst bemerkenswerte Originalität15." Es war das barbarische Griechisch der Mönche des "Mittelalters", also der Zeit, in der die christlichen Schriftsteller am produktivsten und ignorantesten waren.16

Die “im Vergleich zu der geringen Zahl an Exemplaren klassischer Schriftsteller wie Aischylos, Sophokles, Thukydides, Horaz, Lucretius, Tacitus und vielen Anderen große Anzahl noch vorhandener Manuskripte des Neuen Testaments von mehr als 3.000 (neben der ebenfalls sehr großen Anzahl verschiedener Fassungen)” wurde angeführt, um zu zeigen, "wie immens überlegen die Position des Neuen Testaments ist"17. Zeigt uns dies nicht seinen eher jüngeren Ursprung? Wenn man die neutestamentlichen Dokumenten mit einer so hochachtungsvollen Sorgfalt behandelte, wie kommt es dann, dass die Dokumente des Alten Testaments nicht erhalten wurden? Dass die neutestamentlichen Schriften jünger als die der klassischen Autoren sind, beweisen die Palimpsests: "Die wertvollsten Texte klassischer Autoren wurden mit syrischen und griechischen christlichen Texten überschrieben. Die christlichen Texte über den klassischen sind also jüngeren Datums."18

Kommen wir nun zu Rom selbst. Die ewige Stadt ist ihre eigene Zeugin. In "The Rise of Christendom" hat Johnson das Fehlen authentischer päpstlicher Münzen, die älter als das 12. Jahrhundert sind, kommentiert, während Arbuthnot, nach einer Suche in den Museen Europas zu der Schlußfolgerung gelangte, dass keine authentischen päpstlichen Aufzeichnungen aus der Zeit vor dem Jahr 1198 existieren19. Die Architekturhistoriker markieren das 11. und 12. Jahrhundert als Beginn des Kathedralenbaus in Italien, Frankreich und England. Es gibt in Italien keine früheren Überreste von kirchlichen Bauten. Auf dem Kontinent folgten sie den römischen Tempeln und Palästen ohne zeitliche Unterbrechung. Der neueste Herausgeber von Gibbon berichtet, dass das Erforschen der byzantinischen Architektur noch nicht begonnen wurde.20

Vor vierzig Jahren bemerkte ein bedeutender Historiker und Staatsmann, der glücklicherweise noch immer noch unter uns weilt, daß "der moderne Reisende nach seinen ersten Tagen in Rom beginnt, nach Reliquien aus den 1.200 Jahren zwischen Konstantin und Papst Julius II. zu suchen. Er stellt die Frage: "Wo ist das Rom des Mittelalters?"; und fügt dann an: "Auf diese Frage gibt es keine Antwort!21" Der Historiker des "Heiligen Römischen Reiches" ist wieder in Rom, als ich (April 1903) an einem Historikerkongress teilnehme. Erkennt Mr. Bryce heute mehr als bei seinem früheren Besuch? Ich denke nicht, zumal der verstorbene Mr. Freeman den gleichen Eindruck hatte. Angesichts der Kontinuität und Einheitlichkeit der Geschichte, bemerkte er in Rom eine "Kluft", "ein größeres Loch zwischen den großen Geschichtsepochen als irgend sonst in der Geschichte ausfindig zu machen ist – für wahr eine gähnende Kluft. ... Auf den ersten Blick scheint Rom reich an Denkmälern aus der Frühzeit ihrer Kaiser und aus der Spätzeit ihrer Päpste zu sein, jedoch hat die Stadt nichts aus der Zwischenzeit zu bieten.“22

Der intelligente Leser wird anmerken, daß sich das Zeugnis im Untergrund befindet – die Katakomben. Eventuell wird er auch die Frage aufwerfen, was es dann mit den christlichen Märtyrern und den zehn großen Verfolgungen auf sich hat. Die Antwort auf diese Fragen ist recht simpel. Die Katakomben sind die Friedhöfe des römischen Volkes. Die Geschichte über die Verfolgungen von Gäubigen in der Hauptstadt der römischen Welt, deren Regierung und Herrschaft die freieste und toleranteste war, die uns bekannt ist, ist eine Verleumdung und generell unvorstellbar. Dass Mark Aurel, "der vollkommenste Mann, der je gelebt hat", das Foltern und Ermorden christlicher Männer und Frauen dafür, dass sie an einem Glauben festhielten, der ebenso friedlich war, wie sein eigener, gestattet haben soll, ist ein haltloser Vorwurf, für den es keinerlei Beweise gibt und den wir weit von uns weisen müssen. In den Kreuzen sowie anderen römischen und vorrömischen Symbolen, die in den zu Beginn des "5. Jahrhunderts“ stillgelegten und gegen Ende des "16. Jahrhunderts“ wiedereröffneten Katakomben zu finden sind, sahen dieselben Historiker, die uns die unglaubliche Kirchengeschichte aufgetischt haben, Embleme des Christentums. In den unzähligen Inschriften mit den Initialen "B.M.", welche für diejenigen, die sich um Ihre Verstorbenen sorgten, für "Bene Merenti" oder "Bonse Memoriae" stand und gleichbedeutend mit unserem "Gesegnet" oder "In Liebevollem Gedenken" ist, sahen sie eine andere Bedeutung und deuteten diese Anfangsbuchstaben unerklärlicherweise in "Seliger Märtyrer" um. Man streckte das Ganze fiktiv über lange Epochen und so wuchs der Glaube an die zehn großen Verfolgungen.23

Ein Teil der christlichen Literatur dürfte als Themenstoff zur Diskussion und Disputation verfasst worden sein, wobei die Disputanten unter erdachten Namen auftraten und sich, wie auch unsere buddhistischen Schriftsteller, in ein Nirvana verflüchtigten. Dies würde auch den Ursprung eines Großteils der vorwegnehmenden Schriften erklären. Die Autoren ahnten kaum, dass ihre Schriften nach einer gewissen Zeit als höhere Eingebungen gelten würden. Einige Werke des Heiligen Augustinus würden in diese Kategorie fallen. Ein Mann hätte damals kaum all das schreiben können, was ihm heute zugeschrieben wird. Die "Bekenntnisse" sind kein autobiographisches Werk, sondern ein spirituelles Handbuch, dessen Stil der "Nachahmung Christi" (aus dem 14. oder 15. Jahrhundert)24 entspricht. Die Entwicklung Augustinus' vom Neuplatonismus über den Manichäismus zum Christentum ist typisch für das expandierende Christentum. In seinem Werk "Vom Gottesstaat", das eine neue Ordnung der Dinge offenbaren sollte, beleuchtete der Schreiber von Augustinus, so weit er konnte, die Abgrenzung zwischen dem Reich der Gier und Macht und dem Reich der Gerechtigkeit und Wahrheit, soweit er es wusste.

Eher als auf Wahrheit, treffen wir in den kirchlichen Schriften auf Erbauung. Die Schriftgelehrten dieser Zeit schrieben nicht für ein kritisches oder skeptisches Zeitalter in ferner Zukunft. In den Scriptorien konnten die Mönche nur von solchem Stoff Kenntnis haben, den sie in ihrer direkten Nachbarschaft ansammeln konnten und der die europäischen Völker vom 12. bis zum 16. Jahrhundert erbaute und amüsierte. Dieser Stoff umfasste Sagenumwobenes, Traditionelles oder gar orientalische Theologie und Literatur - das Wilde, Wunderbare, Unglaubliche und nicht selten auch das Unanständige. Die edlere Klasse der Männer in den Klöstern lebte in gewisser Weise ein schönes Leben, das im Großen und Ganzen lediglich in einem Zustand des Nirvana enden konnte. Sie glaubten an die Vergänglichkeit dieser Welt und hofften auf eine andere. Diese, so argumentierten sie, sei "äußerst böse und ihre Zeit neigt sich dem Ende hin". Ihre Pflicht sei es, "vernünftig zu sein und zu wachen", denn "der Richter steht bereits an der Pforte".

Die ersten christlichen Missionare waren äußerst überrascht, unter den Tataren Beweise für das Christentum zu finden. Sowohl in China, als auch in Indien, stießen Sie auf Nestorianer und Juden. Einige Skeptiker sagen, dass bestimmte Tafeln und Inschriften gefälscht sein müssen, doch Klöster, Prozessionen, Wallfahrten, Feste, ein päpstlicher Hof und geistliche Kollegien finden wir in der gesamten historischen Zeit und allen ekklesiastischen Systemen wieder - Christen, Mohammedaner, Buddhisten und Lamaisten haben zweifellos einen gemeinsamen Ursprung25. Nun könnte der Leser erneut fragen: "Bezeugen die Stadt Jerusalem und das heilige Land nicht die historische Wahrheit der Bibel?" Johnson zeigt, dass die "Erzählungen" im Alten und Neuen Testament durch arabische und persische Chroniken zu uns gekommen sind; dass der Name "Jerusalem" poetisch ist, wie auch der des "Berges Zion"; dass die Stadt, die jetzt Jerusalem heißt, den Arabern als die "Aelia Capitolina" der Römer bekannt war. Das Heilige Land des Alten Testaments muss anderswo als in Palästina gesucht werden. Das Heilige Land des Neuen Testaments hat Johnson in Süditalien lokalisiert. Der Berg Sinai wurde laut Professor Sayce noch nicht richtig identifiziert. Er befindet sich nicht auf der Halbinsel, die heute die sinaitische genannt wird.26

Das jüdische Chronologiesystem ist ziemlich modern27. Die Hebräer waren eine Sekte unter den Arabern in Spanien. Ihre Schriften, welche sich deutlich von den heute als heilig geltenden historischen Teilen unterscheiden, enthalten die Beweise für den jüngeren und lokalen Ursprung. Die Prophezeiungen Jesajas, Jeremias mit den Klageliedern, Obadjas u.s.w. wurden während der unruhigen Verfolgung der Juden in der Neuzeit geschrieben. Teils tragen sie die entsprechende lokale Einfärbung in ihren Mythen. Ford und andere durch den Norden Spaniens Reisende haben auf die Ähnlichkeit dieses Landes mit dem Palästina der Schriften hingewiesen28. "Es kam mir vor, als wäre ich plötzlich in Palästina", schrieb Beckford29. Einer der gegen Servetus erhobenen Vorwürfe lautete, dass er die Geographie der Heiligen Schrift in Bezug auf Palästina (das Land der Philister) beanstandet habe.30

Seit mehr als vierzig Jahren suchen Forscher in Palästina nach hebräischen Inschriften. Andere Inschriften fand man dort im Überfluss - jedoch kein einziges hebräisches Wort. Der Moabiterstein, sofern er denn authentisch ist, wäre das älteste bekannte Exemplar alphabetischer Schrift in Westasien. Dies verlangt uns jedoch ein zu hohes Maß an Leichtgläubigkeit ab. Die Stele beweist zu viel und zeigt damit ungewollt ihre Falschheit. Die Inschrift am Teich von Siloah kann nicht hebräisch sein31. Die älteste derzeit bekannte hebräische Schrift wird gewöhnlich unserem sogenannten 8. oder 9. Jahrhundert n. Chr. Zugerechnet und ist somit 1.800 oder 1.900 Jahre jünger als das angebliche Alter des Moabit-Steins32. Conder schreibt33, dass das hebräische Alphabet kaum älter sein kann, als die Zeit des Hieronymus (wann auch immer das war) und die hebräischen Punktuationen ein ebenso unbedeutendes Alter haben. Um diese Schwierigkeit zu überwinden, suggeriert ein anderer bedeutender Gelehrter, dass das alte Hebräisch ausgestorben sei, doch in gewisser Form noch in den jüdisch-deutschen und jüdisch-spanischen Jargons existiert.34

Wenn wir die sogenannte orthodoxe Geschichte akzeptieren, müssen wir glauben, dass, während die Literatur Ägyptens, Assyriens, die der Hethiter und anderer Völker für 2.000 oder 3.000 Jahre verschollen blieb, diejenige Israels jedoch stets vorhanden war35! Johnson schreibt: "Ich weise darauf hin, daß alle uns vorliegenden Angaben über von Hebräern verfasste hebräische Bücher, Informationen aus dem 16. Jahrhunderts sind... Die Erzählungen von "palästinensischen" und "babylonischen" Schulen sind lediglich Fabeln.36" Einige haben angenommen, dass Hebräisch ein Vorläufer des Arabischen oder eine Schwestersprache sei. Eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Bücher sind die "Fabeln von Bidpai". Sie fanden ihren Weg nach Europa, indem sie zunächst aus dem Sanskrit ins Arabische übersetzt, dann aus dem Arabischen ins Griechische, Persische, Hebräische und Spanische übertragen wurden. Dann wurden sie aus dem Hebräischen ins Lateinische und aus dem Lateinischen ins Deutsche, Italienische, Französische, Englische, Dänische und Niederländische übersetzt. Dies deutet darauf hin, daß das Arabische älter ist als das Hebräische.

Robertson Smith teilt uns mit, dass Arabisch in der grammatikalischen Struktur dem ursprünglichen Semitischen näher kommt, als Hebräisch. Arabisch repräsentiert die ursprüngliche Fülle und die Feinheiten der semitischen Sprache37. Das Arabische birgt eine einzigartige Wortvielfalt und verfügt über ein Vokabular, das mit dem anderer Sprachen in nichts zu vergleichen und besser entwickelt ist, als jede andere semitische Sprache38. Dagegen ist Hebräisch eine vergleichsweise armseelige Sprache39. Die frühesten europäischen Arabisch-Gelehrten behaupteten, das Studium des Arabischen sei der einzig mögliche Weg zum Verständnis des Hebräischen. Das Wort "Hebräisch" wurde niemals in den frühen Denkmälern einer anderen östlichen Nation entdeckt40. Aus der Zeit des jüdischen Patriarchats ist keine einzige hebräische Inschrift überliefert41. Seit mehr als 300 Jahren werden die heiligen Stätten - die Grabeskirche, Golgatha u.s.w. - als Schwindel, skandalöser Betrug und Fälschung bezeichnet. Ein später Reisender hat seine Überzeugung festgehalten, dass das "Land der Riesen" in Baschan eine Illusion ist. Es erinnere uns "nicht an Og, sondern an die Antonier und nicht an die Israeliten, sondern an die Eroberung durch die Sarazenen".42

Doch der Leser mahnt an, dass da doch noch Josephus sei. Sein Werk "Jüdische Altertümer" ist eine Zusammenstellung aus den orientalischen Chroniken. Die Erzählung der "Geschichte des jüdischen Krieges" ist eine Fiktion, welche ihre angebliche Geschichtlichkeit auf jeder Seite selbst widerlegt. Wie die Werke des heiligen Augustinus, des Lactantius und die anderer Brüder, ist auch das Werk des Josephus auf Griechisch verfasst worden. An einer Stelle verkündet der Schreiber, dass nur er "die Dinge verstehen konnte, welche die Juden erzählten, die sich bei der Belagerung ergeben mussten". Die Geschichte hat keine besondere lokale Färbung und vermag uns an die Zeit der Kreuzzüge zu erinnern - die Kriege zwischen Ost und West, die nicht wegen eines Kreuzes oder Grabes, sondern für die Weltherrschaft ausgefochten wurden43. Johnson schrieb, dass „die Kirche Roms in einer Zeit der Dunkelheit, des Zorns und der Entmutigung gegründet wurde. Die einzig denkbare Entschuldigung zugunsten der Gründer ihrer weltlichen Macht liegt in der Tatsache begründet, dass es eine Zeit war, in der die Welt von roher Gewalt beherrscht wurde.“

Wenn Johnson in seiner Vermutung richtig liegt, dergemäß der Zerfall des alten Römischen Reiches unmittelbar vor der Neuzeit stattfand, dann gilt die Bemerkung Macaulays, dass „in Britannien zwei Zeitalter der Wahrheit durch ein Zeitalter der Märchen getrennt sind", ebenso für die Geschichte Europas.

 

III.

Kommen wir nun zum Thema des vorliegenden Werkes, also zur zeitlichen Nähe Roms zu uns, welche auch von anderen Schriftstellern bemerkt wurde. Während es in diesem Land keine christlichen Inschriften und keine Überreste christlicher Kunst oder Architektur gibt, die älter als das "11. Jahrhundert“ sind, gibt es jedoch zahlreiche römische Inschriften, insbesondere zu Ehren Mithras, dessen Sinnbilder ihren Weg in das Christentum gefunden haben44. Es gibt eine Legende, dergemäß die St. Paul's Kathedrale in London an der Stelle eines Tempels der Diana errichtet wurde. Noch zu Elisabeths Zeiten wurde auf dem Hochaltar am Tag der Bekehrung des heiligen Paulus die Zeremonie der Opfergabe eines Rehs oder von Bock und Reh vollzogen. Nach ordnungsgemäßer Durchführung des Gottesdienstes wurden dann feierliche Gastlichkeiten abgehalten45. Als die Orientalen in Europa einmarschierten, wurden die römischen Legionen zurück beordert, wobei ihre Frauen und Familien wohl meist in Großbritannien verblieben, sodass ihre Nachkommen heute noch unter uns weilen, zusammen mit ihren römischen Gesetzen und Bräuchen. Das Andenken und die Gebräuche finden sich bei "Beda" und in anderen Schriften. Die Überreste von Straßen, Lagern und Villen, die lateinischen Inschriften und die großen Funde römischer Münzen weisen auf die verhältnismäßige Nähe des Römischen Reichs zu uns hin. Andererseits hat Kemble vor langer Zeit darauf hingewiesen, dass die Erzählungen über die sächsische Einwanderung und Ansiedlung in England legendenhaft sind.

In der gesamten Sagen-Literatur, welche die Expeditionen der Nordmänner nach England beschreibt, wird nicht ein einziger Fall erwähnt, in dem sie mit einem Volk namens Sachsen in Kontakt kamen. Die Nordmänner (oder Suionen) werden von Tacitus erwähnt, danach doch bis zum „9. Jahrhundert“ nicht mehr. Diese Lücke wurde mit der apokryphen sächsischen Geschichte gefüllt. Die in unseren Chroniken zu findende Geschichte der Dänen [Danes] ist ebenso wenig vertrauenswürdig wie die der Sachsen und kommt gleichermaßen voller Widersprüche und Verwirrungen hinsichtlich der Sachverhalte und Personennamen daher.46

Die Wahrheit lautet, daß das germanische oder skandinavische Element bereits vor der Ankunft der Römer im Land war. Über die angelsächsische Schrift schreibt Johnson, dass „diese altenglischen Buchstaben eine Erfindung des 16. Jahrhunderts sind. Ihre Spuren können unmöglich weiter, als bis zu den elisabethanischen Gelehrten zurückverfolgt werden. Weiter ist es auch nicht möglich, einen Hinweis auf ihre Existenz vor der Zeit Heinrichs des VIII. ausfindig zu machen.47" Es wird allgemein angenommen, dass die Wochentage "angelsächsisch" sind. Dio Cassius schreibt jedoch, dass sie von den Römern eingeführt wurden, welche die Wochentage den Ägyptern entlehnt hätten.48

Die Geschichten über Brutus und eine lange Reihe weiterer britischer Könige vor den Römern sowie die über Joseph von Arimathäa in Glastonbury wurden auf das anwachsende Abstellgleis der Märchen verbannt. Die "Historien" und "Chroniken" von Gildas, Nennius, Geoffrey von Monmouth, Asser, Ingulf von Crowland und anderen Schreibern englischer Geschichte werden bereits seit langer Zeit als gefälschte Dokumente bezeichnet. Aubrey schreibt, dass "Wilhelm von Malmesbury“ seine Historie mittels alter Lieder aus der Zeit Bedas" wagte. Die Historie Bedas, die Nennius kopierte, wird immer noch als authentisch akzeptiert und mitsamt der Figur Beda in Ehren gehalten. Ihm werden auch Kenntnisse der arabischen und orientalischen Geschichte und Wissenschaft zugeschrieben. Gerbert (Papst Silvester II.), der 1003 verstarb, zwei Jahrhunderte nach der angeblichen Zeit Bedas, soll der erste europäische Student des Arabischen gewesen sein.

Auch wenn es mir nicht möglich ist, die umfassenden Argumente in diesem kurzen Aufsatz ausführlich zu behandeln, möchte ich doch auf einige der Anomalien in unserer "mittelalterlichen" Geschichte hinweisen. Keineswegs mit ähnlich großer Zuversicht, wiederholen unsere späteren Historiker die außergewöhnlichen Geschichten von Crecy und Poitiers, also zunächst die Geschichte über die Zerstörung der Blüte der französischen Armeen, wohingegen auf englischer Seite lediglich der Verlust weniger Bogenschützen und Fußtruppen zu verzeichnen war; und dann die französische Vergeltungsgeschichte mit der Verbrennung der Jungfrau von Orléans durch die Engländer. Allerdings müssen wir uns in Erinnerung rufen, daß auf den Autoren dieser Erzählungen ein Großteil unserer frühen englischen Geschichte beruht. Die Geschichte der normannischen Eroberung war ursprünglich ein Gedicht, welches fünfzig Jahre nach dem eigentlichen Ereignis verfasst wurde. Die Geschichten, die sich seitdem um dieses Gedicht herum angesammelt haben, füllen jetzt fünf dicke Bände für Wilhelms Regierungszeit und zwei weitere für die seines Sohnes Rufus. Die Angaben zu den in der Schlacht von Hastings Streitenden variieren zwischen 60.000 und 150.000 Kämpfern, von denen die Hälfte getötet wurde. Der Ort des Schlachtfeldes ist bekannt, aber wo sind die Überreste?

Aus dem selben Zeitraum soll auch das "Domesday Book" stammen [offizielle Datierung 1086]. Welche substantiellen Belege gibt es dafür, dass zu dieser Zeit ein solch gewichtiges und umfangreiches Werk hätte zusammengestellt werden können? Üblicherweise stützen sich unsere Historien auf Legenden und Überlieferungen. Hier haben wir jedoch Aufzeichnungen, die, ohne Bezug auf irgendwelche Legenden oder Überlieferungen, 800 Jahre lang in hervorragendem Zustand konserviert werden konnten49! Es ist zwar zweifellos ein authentisches Werk; doch wie sieht es hinsichtlich der tatsächlichen Datierung aus? Die angeblich 200 Jahre jüngere Magna Carta ist kaum lesbar. Bracton, der angeblich 1268 und somit fünfzig Jahre nach der Datierung der Magna Carta starb, weiß jedoch nichts von ihr. Auf sie gibt es keinerlei Hinweise aus der Zeit vor Jakob I. und Karl I., als sie "entdeckt" wurde.

Johnson macht auf eine sehr merkwürdige Tatsache aufmerksam50, die Thorold Rogers in den Handschriften mittelalterlicher englischer Aufzeichnungen beobachtet hat. Die Schreibstile in vier kurzen und aufeinanderfolgenden Regierungszeiten unterscheiden sich jeweils alle voneinander. Die Veränderungen treten plötzlich und fast gleichzeitig auf. Noch außergewöhnlicher sind die plötzlichen Veränderungen in der Ökonomie der Landwirtschaft. Johnson bemerkt, dass sie direkt mit den Änderungen des Stils und der Fertigkeiten der Schreiber auftreten.

Die konventionellen Historien erzählen uns, dass, als sich Europa in seinem "dunklen Zeitalter" befand, Missionare von einem zivilisierten und kultivierten Irland nach Schottland, Wales, England, Skandinavien sowie in andere Länder auszogen und ihre Kenntnisse von Glauben und Kunst mitbrachten. Ruskin glaubte blind an all dies. Er schreibt:

"Im 8. Jahrhundert besaß Irland in Bezug auf Manuskripte und Skulpturen eine hohe Kunstfertigkeit, die qualitativ - scheinbar in allen wesentlichen Eigenschaften dekorativer Weiterentwicklungen - ziemlich konkurrenzlos war. Es scheint, als hätte Irland die höchsten Sphären der Architektur und Malerei erklommen. Doch es gab einen fatalen Einschnitt, der zu einer überdeutlichen Unterbrechung führte, zu der es keine Parallele gibt."51

Die Ursache für diesen Stillstand erklärt der Meister zu einer nationalen Besonderheit. Allerdings ist dieser Stillstand ein Irrtum: Die Datierungen müssen falsch sein! Das berühmte "Book of Kells", die Abschrift einer Evangelienhandschrift, auf welche sich Ruskins Bemerkungen stützten und die im Besitz des heiligen Kolumban (6. Jahrhundert), dem Gründer der Klöster von Iona und Lindisfarne, gewesen sein soll, ist das vielleicht schönste Buch der Welt52, das eher von Engeln als von Menschenhand geschaffen wurde53. Das "Durham-Buch"54, in einem prächtigen Goldeinband und mit Edelsteinen besetzt daherkommend, wird ebenfalls dieser frühen Epoche zugeschrieben. Die Geschichte der keltischen Kunst in Irland und der keltischen Kunst auch sonst irgendwo vor 1.200 Jahren, ist eine Fabel. Sowohl der heilige Kolumban als auch St. Patrick waren Ideale in der Vorstellung von Schriftstellern des 15. oder 16. Jahrhunderts. Das "Book of Kells" wie auch das "Durham Book" gehören zweifellos einer Zeit der Ruhe und des Luxus' in den Klöstern an. Die gleiche Bemerkung gilt für andere Handschriften von angeblich früher Datierung.

Es wird allgemein angenommen, dass die Universitäten die Nachkommen der religiösen Körperschaften waren.Unsere wichtigsten Lehranstalten in Cambridge und Oxford bestanden aller Wahrscheinlichkeit nach lange vor dem Eintreffen eines christlichen Ordens in England.55

Der fleißige Leser wird diesem Werk entnehmen, dass die Epoche der Tudors nicht nur eine Zeit strenger Unterdrückung und harter Regierung war, sondern auch eine Zeit, in der die Redefreiheit unmöglich war. Fähige Männer konnten sich lediglich verstellen und in Allegorien sprechen. Die Stücke Shakespeares und anderer Schriftsteller spiegeln zweifellos diese Epoche wider. Dabei sind die Namen nur eine Verkleidung - Die Dramatiker waren lediglich das Sprachrohr derjenigen, die in den Kerker müssten oder hingerichtet worden wären, wenn sie ihre Meinung offen geäußert hätten. In the "The Unpopular King" findet Legge keinen Hinweis darauf, dass Richard III. ein Mörder war oder die beiden Prinzen umgebracht wurden.56 Johnson zeigt, wie die Hofschmeichler der Regentschaft Heinrich VII. mehrere Titel entwarfen, jedoch war sein einzig gültiger Titel der des Schwertes - ein Schwert, das bis zum Tod der Tudors nicht wieder in die Scheide gesteckt wurde.

Der Fall scheint so zu liegen, dass er sich bei genauerer Betrachtung der Datierungen oder der Chronologie von selbst löst. Bereits geprüfte Dokumente wurden als anomal oder gelinde gesagt "außergewöhnlich" eingestuft. Wir haben authentische Aufzeichnungen und Münzen, die nur zwölf oder dreizehn Jahrhunderte unserer Zeitrechnung abdecken. Für einen dazwischenliegenden oder märchenhaften Zeitraum von beispielweise 600 Jahren, haben wir nichts erleuchtendes oder zeitgenössisches. Alles ist entweder unlogisch, nicht greifbar, unmöglich oder einfach aus den vorhergehenden oder nachfolgenden Perioden entlehnt. Reduzieren Sie die christliche Zeitrechnung auf zwölf oder dreizehn Jahrhunderte, also das "erste“ bis "vierte" und das "elfte" bis "neunzehnte" Jahrhundert, fällt dadurch lediglich eine märchenhafte Epoche aus der Zeittafel. Mit dem Untergang des Römischen Reiches dringen die Zivilisationen des Nordens, des Ostens, die orientalischen Religionen und das Kirchentum in Europa ein. Der Wunsch der römischen Kirche, ihren Ursprung auf Christus zurückzuführen, welcher Mohammed zweifellos vorausging, war vermutlich der Grund für die Zusammenstellung christlicher Dokumente. In einem unkritischen Zeitalter konnte man einem leichtgläubigen Klerus und allerlei Laien, neben Argumenten und Predigten, Allegorien und Gleichnissen sowie moralischen Lehren, die aus verschiedenen Quellen stammten, auch allzu leicht zahlreiche Fälschungen unterschieben. Später stellten aufrichtige Männer diese Schriften zusammen, kopierten, kommentierten und übersetzten sie, verwarfen, was sie für apokryph hielten und erfassten den Rest in Büchern, welche mit der Zeit allein durch ebendiese geheiligt wurden.

Im "siebzehnten" und "achtzehnten" Jahrhundert gewann der Europäer den Gebrauch seines Intellekts wieder; das "neunzehnte" enthüllte ihm die Welt der Naturwissenschaften; das "zwanzigste" wird ihm möglicherweise die Rekonstruktion seiner Geschichte darbringen.

Seit dem Tod des Autors und während ich diese groben Notizen arrangierte, sind mehrere gelehrte Werke erschienen, die sich mehr oder minder direkt auf die frühe englische Geschichte, Kunst und englisches Recht beziehen57. Die Themen dieser Bücher werden in diesem Werk schlussfolgernd behandelt.

Streatham, Juni 1903

Edward A. Petherick

 

Anmerkungen:

1Der Autor schrieb energisch: Ich käme niemals auf den Gedanken, eine andere Erklärung zu suchen oder gar ausfindig machen zu können. Theologien und kirchliche Systeme, die von Gesellschaften, Konzilien und Synoden formuliert wurden, entsprangen prinzipiell stets individuellen Spekulationen oder Überzeugungen, siehe weiter unten. "Andererseits überstieg der intensive Korpsgeist eines Mönchsklosters unser diesbezügliches Vorstellungsvermögen und führte zu schweren Sünden gegen die Wahrheit und Aufrichtigkeit. Die Fälschung von Urkunden, Bullen und Rechtsinstrumenten jeglicher Art wurde, zur Verherrlichung eines Klosters durch seine Mitglieder, zumindest regelmäßig geduldet. Es ist kaum zu bezweifeln, dass die Schreibstuben mancher religiöser Häuser von klugen aber skrupellosen Schriftgelehrten zu sehr ehrlosen Zwecken benutzt wurden - mit der Duldung, wenn nicht gar mit der willentlichen Kenntnis des Klosters, 'denn solches ist nicht im Winkel geschehen'. Wenn die Fälschungen erfolgreich waren, - und wir wissen, dass dies sehr häufig der Fall war - hatte das Kloster alle Vorteile des Gaunertums. Es wurden keine Nachforschungen angestellt und man akzeptierte stillschweigend, daß dort, wo so viel gewonnen und der Stolz 'unseres Hauses' befriedigt wurde, der Zweck die Mittel heiligt." - Dr. Jessopp, "Coming of the Friars" und andere Aufsätze usw., S. 16o, 161. Das Thema der literarischen Fälschung durch Mönche äußersten sich Milman, Sir Harris Nicolas, M. Giry, Isaac Disraeli, und Andere sehr konkret. Siehe auch Arbuthnot, "Mysteries of Chronology", S. 24, 25, 37.

2Da unser eigenes chronologisches System auf tönernen Füßen steht, fragte ich den Autor einmal: "Wie stehen wir zu anderen Systemen?" Ich regte an, dass er sich eventuell an eine Rekonstruktion wagen müsse. Die von Herrn Arbuthnot verwendeten Notizen und Memoranden dürften ein Schritt in diese Richtung sein.

3Quarterly Review, No. 188, S. 526; Freeman, "The Byzantine Empire." "Essays," iii., 1879, S. 231, 232.

4Vor dem Beginn der abessinischen Annalen, 1268 AD, klafft ein Loch von ungefähr 700 Jahren. Es wurde vergeblich versucht, diese Kluft zu überbrücken und die Geschichte der Kirche in Abessinien zu erzählen. Aus Le Quien, "Oriens Christianus", 1740, und Rev. Montague Fowler, "Christian Egypt-Church in Abyssinia", 1901.

5Mr. F. Griffith, Oxford Reader in Egyptology, in "Ency. Brit." xxvii. S. 727.

6In Lane-Pooles "Mediaeval India" (1903) nimmt die Zeitspanne zwischen der arabischen Eroberung Sindhs und der mohammedanischen Invasion weniger als zwei Seiten ein. Er schreibt: "Die arabische Eroberung hat zu nichts bewirkt und kaum Spuren hinterlassen. ... Die arabischen Städte sind untergegangen, aber die Ruinen der Burgen und Städte ihrer Vorgänger ... zeugen noch immer von der Zivilisation, welche sie entwurzelten." Gab es eine arabische Zeit, wie sie uns bislang dargestellt wird?

7Fergusson, "Indian Architecture", 1876, S. 6.

8Beames, "Compar. Grammar", vol.1, 1872, S. 22, 23.

9Caldwell, "Dravidian Languages", 1875, S. 128.

10Nachträglicher Hinweis (da das Vorstehende bereits typisiert war): "Noch Jahrhunderte nachdem ihnen Schreibmaterialien zur Verfügung standen, verspürten die Inder nicht nur kein Bedürfnis nach ihnen, sondern bevorzugten sogar ohne Bücher auszukommen, was, wie er bemerkt, in der Geschichte der Welt einzigartig ist." - Aus der Rezension von Rhys Davids," Buddhist India", Atheiixum, 26. September 1903.

11“Sanchi and its Remains", 1892.

12Oder alternativ 2.200 Jahre von Alexander dem Großen an, dessen Eroberungen in authentischen europäischen, asiatischen und afrikanischen Annalen verewigt sind.

13Mommsen, "Die afrikanischen Provinzen", II.

14Graham, "Roman Africa", 1902, S. XIII; Davis, "Ruined Cities", 1862, S. 140-146.

15Graham, S. 301.

16Comparetti, "Vergil in the Middle Ages", 1895, S. 125-127.

17Kenyon, "How the Bible came down to us" Harper's Mag., Nov., 1902, S. 922.

18Thompson, "Palaeography", 1893, S. 76, 77.

19"Mysteries of Chronology", S. 30, 31.

20Bury's "Gibbon"

21"Holy Roman Empire", 1873, S. 272, 273; 1889, S. 261, 262; Mr. Bryce, verweist dabei auf Gregorovius, sodass das Zitat auch von diesem stammen könnte.

22Essays", III. 2.

23Es gibt eine Geschichte über den heiligen Hieronymus, wie er als Junge im "4. Jahrhundert die Katakomben besuchte. Jeden Sonntag machte er seine Spaziergänge um die Gräber der Apostel und Märtyrer; doch Hieronymus (für ausführlichere oder weitere Informationen siehe bei Bischof Westcott) schreibt wie ein "Gelehrter des 16. Jahrhunderts". Mehr noch; als er das Alte Testament übersetzte, benutzte er für die Punktierungen die Zeichen des 16. Jahrhunderts - tausend Jahre bevor sie allgemein verwendet wurden! Weiter merke ich an, dass einige seiner Werke aus einer späten Epoche stammen und über Palimpsest älterer Autoren geschrieben wurden.

24"Der Stil des Heiligen Augustinus in den 'Bekenntnissen' gehört zur selben Gattung wie die "De Imitatione"; die dominierende Note ist dieselbe ... Es birgt den gleichen musikalischen Fluss, die gleichen geistigen Feinheiten und Differenzierungen." - Einführung in Dr. Biggs Ausgabe, 1898, S.5. Erzbischof Ullathorne ("Autobiography", S.41) verwendete die "Bekenntnisse" ebenfalls als spirituelles Handbuch.

25In seinem Werk "Ancient Christianity" (1840) führt Isaac Taylor das Mönchtum auf Indien zurück und glaubt, der Buddhismus hätte sich in Alexandria ausgeformt. Der Gnostizismus ging dem Christentum voran und war damit zugänglich für die indischen Einflüsse (Kennedy, Asiatic Journal, April 1902). Romanismus, Nestorianismus und Muselmanismus haben allesamt eine Quelle und leiten sich vom Brahmanismus und Buddhismus ab (Parker, "Chinas Intercourse", S. 29, 33). Das Wort "Paradies" und die Idee der Wiederauferstehung sind persischen Ursprungs. Die Magi oder Parsen behaupten, Abraham sei ihr Prophet und Reformer, und in mohammedanischen Schriften wird er als Zoroaster identifiziert (Haug, "Essays", 1884, S. 16). Der Mohammedanismus bediente sich beim Zend-Avesta, jedoch nicht bei den heiligen christlichen Schriften. Letzteres ist, wie Johnson deutlich gezeigt hat, dem Koran zu verdanken. Wir finden im Islam keine einzige Zeremonie oder Lehre, die auch nur geringfügig von von den eigentümlichen Grundsätzen des Christentums geprägt oder sogar gefärbt ist (Muir, "Life of Mahomet", S. 153). Es gibt keine Beweise dafür, dass Mohammed praktisch mit den alt- oder neutestamentlichen Schriften vertraut war (Sell, "Faith of Islam", 1896, S. 13). Der Koran weiß nichts von Paulus oder seinen Lehren. Er erkennt Jesus als göttlichen Boten an und offenbart, dass er den Lehren Jesu näher kommt als denen von Paulus (Ernest de Bunsen, Asian Quarterly, April, 1889, S. 259). Auch dies bestätigt Johnson in seiner Lösung des Rätsels der Pauluslehre im Neuen Testament ("Paulusbriefe").

26Asiatic Quarterly, Juli,1893.

27Es gibt keine zufriedenstellende Darstellung eines alten jüdischen Chronologieystems, zumal die moderne jüdische Zeitrechnung vor dem 14. Jahrhundert n. Chr. gänzlich unbekannt unbekannt war. Siehe Cowasjee Patell, "Chronology", 1866, S. 21, 22.

28"Die Lage von Sepharad war schon immer eine unsichere Frage und kann auch jetzt noch nicht als erledigt betrachtet werden" (Sir George Grove). Bezüglich der Sephardim (spanische Juden), Ashkenazim (deutsche und polnische Juden), jüdischen Sekten, Pharisäern usw., siehe Wolff, "Travels", vol. I. Kap. VII.

29"Italy, Spain, and Portugal," 1840, S. 423.

30Servetus war diesbezüglich noch nicht einmal originell: Bei seinem Prozess (1553) gab er zu, daß er einen anderen Schriftsteller zitierte, fügte jedoch unachtsam hinzu, dass die Bemerkungen über Palästina (im 1535 von ihm herausgegebenen Ptolomäus) nichts enthielten, was nicht stimmte. Willis, "Servetus", S. 96, 97, 325.

31Leutnant Conder hielt beide für echt. Dennoch bekundet er, daß "die Fälschung jüdischer Münzen in Palästina weiterhin aktiv betrieben wird. ...In Sidon, phönizische Altertümer, Moabiter-Töpferwaren usw. In Nablus …Samariter-Schriftrollen. ...Synagogengebetbücher, die in Kaffeesatz getaucht werden, nehmen innerhalb von drei Wochen ein Alter von ungefähr 3.000 Jahren an." - Heth und Moab, 1883, S. 431, 432.

32Zum Moabitstein siehe die Ausgabe von Dr. Ginsburg; Dr. Gust, "Essays", I. S. 326, 382, 383; II. S. 30; Agnostic Journal October und November 1893. Zur Inschrift am Teich von Siloah siehe Athenaeum March, May und July, 1881; Akademie, Juli 1881; Agnostic Journal, Oktober und November 1893. Zu den Hebräern und Hebräischen Manuskripten siehe einige Bemerkungen in Smith-Williams einführendem Essay zur "Ency. Brit.", XXVII. S. XII.-XIV., 1902.

33"Heth and Moab", 1889, S. 176, 177.

34Dr. Gust, "Essays", III. S. 16, 17.

35Prof. Graetz bemerkt im Vorwort zur englischen Übersetzung seiner "History of the Jews" (London, 1891), dass "englische Leser ... das Wunder, das sich in der 3.000 Jahre währenden Geschichte der Juden zeigt, besser verstehen werden. Das Fortbestehen der jüdischen Rasse bis zum heutigen Tag ist ein Wunder, das auch von jenen nicht übersehen werden darf, die die Existenz von Wundern leugnen und die logischen Folgen von Ursache und Wirkung nur in den erstaunlichsten natürlichen und übernatürlichen Ereignissen sehen. Hier beobachten wir ein Phänomen, das sich trotz aller Naturgesetze entwickelt und durchgesetzt hat. Wir sehen eine Kultur, die trotz unaussprechlicher Feindseligkeit gegenüber ihren Vertretern den Organismus der Völker verändert hat."(S. V., VI). Als dieses Werk bereits typisiert war, wurde ein Buch mit dem Titel "Die biblische Geschichte der Hebräer" von F. J. Foakes-Jackson, B. D., veröffentlicht. Der Autor gibt zu, daß die alttestamentlichen Geschichten (Genesis u.s.w.) keine Zeitdokumente sind, was diese Geschichten seit langem aus sich selbst heraus beweisen. Er erkennt jedoch nicht, was Johnson zeigt - dass sie von sehr viel späteren Datums sind und keineswegs so unmittelbar zu uns fanden, wie allgemein angenommen wird. Er ist jedoch richtigerweise geneigt, ihren "geistigen" Wert über jede Erwägung hinsichtlich ihrer literarischen Wahrheit zu stellen, was inzwischen allgemeine Praxis in den englischen Kirchen ist.

36"Die Paulusbriefe"

37"Ency. Brit." XI. 596.

38Canon Cook, "Origin of Religions", u. A., 1884, S. 277-280.

39Prof. Dr. Montet, Asiatic Quarterly, Oct. 1899, S. 388.

40R. Smith, "E. B.", XI. 594.

41Cust, "Essays", I. S. 340.

42Freshfield, "Caucasus and Bashan", 1869, S. 59.

43" The Rise of Christendom," S. 494.

44J. M. Robertson, "Religious Systems," S. 194, 195.

45Jortins " Life of Erasmus;" Rees' Ency., art. „Diana."

46Zu diesem Absatz siehe Du Chaillu, ''The Viking Age," i. 20, 21.

47"Die Paulusbriefe"

48"Dio Cassius", lib. 36, zitiert von Coote, "The Romans in Britain", 1878, S. 429, 430.

49"Daraufhin weist die soziale Geschichte Englands, mit Ausnahme des Wenigen, das von den Chronisten zusammengestellt wurde, eine 200 Jahre umfassenden Leere auf. Das neue Licht, das zu der Zeit, in der uns fortlaufende Archive über die Tatsachen informieren, auf die wirtschaftliche und soziale Lage des Landes geworfen wird, enthüllt einen ganz anderen Stand der Dinge, als den, welchen uns Domesday präsentiert." Rogers, "Work an Wages", 1901, S.18.

50„Der Aufstieg der englischen Kultur“

51Dublin Lecture, " Mystery of Life and its Arts."

52Professor Westwood, "Faksimiles of MSS.", 1868.

53Giraldus Cambrensis.

54Im britischen Museum.

55Siehe Dr. Jessopp, "The Building of a University," in „The Coming of the Friars," etc., S. 262-301."

56Ich las heute (4. Januar 1904) Sir Clements Markhams Abhandlung über Richard III. im English Historical Review, 1891 (vi. 250 if.) sowie Mr. Gairdners Erwiderung. Sir Clements erörtert, dass Heinrich VII., der wirkliche Usurpator, durchaus stärkste Motive hatte, die Prinzen loszuwerden, während es für Richard keinerlei Motive für deren Ermordung gab.

57"The History of English Law before the Time of Edward I.", by Sir Frederick Pollock. Second Edition, with Chapter on the " Dark Age," by Dr. Maitland. 2 vols. 1903. Cambridge Press.

"Traces of the Elder Faiths of Ireland," by W. G. Wood-Martin. 2 vols. 1902. Longmans.

"Time Table of Modern History, a.d. 400 to 1870," by M. Morrison. 1902. Constable.

"The Arts in Early England," by G. Baldwin Brown. 2 vols. 1903. Murray.

" A Social History of Ancient Ireland," by Dr. P. W. Joyce. 2 vols. 1903. Longmans. 

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