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Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Mai 2009 18:10 #1

Rein zufällig bin ich auf der Fantomzeit.de auf etwas sehr interessantes gestoßen:

"Die FAZ, in der Person des Bielefelder Historikers Uwe Walter, schreibt über uns, aber nimmt uns nicht wahr. Oder sie nimmt uns sehr wohl wahr, aber schreibt nicht über uns. Das klingt widersprüchlich, könnte aber beides stimmen: Man lese diesen Beitrag über eine angebliche “geschichtsrevisionistische Subkultur im WWW”. Dort geht es um Pompeji, den “Letzten Großen Ruck”, Fomenko, Topper (der ausgiebig zitiert, aber nicht namentlich erwähnt wird) und allerlei sonst aus der chronologiekritischen Ecke."


Dem dort gegebenen Link folgend:

faz-community.faz.net/blogs/antike/archi...nted-traditions.aspx

landete ich bei einem FAZ Blog wo ich neben den anderen Chronologiekritikern zu "verkehrten Köpfen dieser Art" ohne
namentlcih genannt zu werden von einem Bielefelder Historiker Uwe Walter zugeordnet worden bin.

"Eingang eines Manuskripts, das für eine wissenschaftliche Zeitschrift, an der ich mitwirke, zu begutachten ist. Der Autor - kein Historiker, sondern offenbar Techniker oder Ingenieur - will beweisen, daß Pompeji und Herculaneum bei dem Vesuv-Ausbruch des Jahres 79 n.Chr. gar nicht ausgelöscht und zugeschüttet wurden, sondern bis ins 17. Jahrhundert weiterblühten. Er stützt sich u.a. auf eine Inschrift aus dem Jahr 1635 mit der blumigen Beschreibung eines Vesuvausbruchs vier Jahre zuvor, in der die beiden Städte erwähnt werden, auf die Ähnlichkeit pompeianischer Wandmalereien mit Gemälden aus der Zeit der Renaissance und des Barock, Instrumente mit Schraubtechnik im Archäologischen Nationalmuseum Neapel, klares Glas, das angeblich erst um 1550 produziert werden konnte, und eine Wasserleitung, die im späten 16. Jahrhundert angelegt wurde, nach Technik und Materialien aber antiken Bauwerken dieser Art exakt entspreche. Alles ziemlich wirr formuliert und keiner Widerlegung in der Sache wert. Der von Plinius dem Jüngeren in zwei berühmten Briefen an Tacitus beschriebene Ausbruch wird nicht geleugnet, aber in seiner Bedeutung heruntergespielt; auch die gesamte schriftliche Überlieferung steht unter Pauschalverdacht: widersprüchlich, durch mehrfaches Abschreiben verfälscht, in der Chronologie unsicher, durch ein Gelehrtenkartell gegen jede kritische Nachfrage abgeschirmt......"



wwwhomes.uni-bielefeld.de/uwalter1/engagement.html

So sieht er also aus der Bielefelder Historiker Uwe Walter den FAZ ganz auf ihre Art und Weise presentiert:

"...Mitglied im Beirat der „Historischen Zeitschrift". Er schreibt seit 1998 Rezensionen, Geburtstagsartikel und andere kleinere Stücke für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, mit Karl Christ und anderen in dem Wissen verbunden, daß wir auf den Schultern von Riesen stehen und dennoch oft genug nicht weiter sehen als diese."


Na, ja... Uns bleibt nichts anderes übrig als zu hoffen, dass Historiker und andere von den Schultern des Riesens irgend wann mal auch absteigen werden um doch ein bischen weiter sehen zu können als diese.

Ich bin aber dem Bielefelder Historiker Uwe Walter eigentlich sehr dankbar! Zwar hat er meinen Artikel über Pompeji nicht veröffentlicht, was zu erwarten war, dafür aber popularisiert!

Es fehlt nun nur ein Link in seinem Blog um den von ihm kritisierten Artikeln für die Leser zugänglich zu machen.
Ich denke es wird für uns kein Problem sein sein Fehler auszubessern, oder?

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Mai 2009 18:48 #2

Na ja...

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!

Das ist hier ersichtlich:

Funktionen in der Universität

* Mitglied der Lehrkommission der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
* Mitglied im Leitungsgremium des Graduiertenkollegs "Archiv - Macht - Wissen" und

Mitglied in der Redaktion von „Geschichte für heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung“,

Mehr muss man nicht wissen!

Und dies meine ich nicht abwertend oder böse - Es ist
einfach gegeben.

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Letzte Änderung: von Ingwer.

Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Mai 2009 18:53 #3

Alles ziemlich wirr formuliert und keiner Widerlegung in der Sache wert.

"Wer so schreibt, verrät sich selbst." - Und wer so aussieht, verrät sich noch mehr.



Der feiste Gelehrte aus Bielefeld ist von der Instinktverdummung völlig durchdrungen. Aber eigentlich wurde in den beiden Kommentaren unter dem Blogeintrag schon alles Nötige gesagt.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Mai 2009 19:10 #4

http://bis.uni-bielefeld.de/infomanager/thumbnail?id=26377

Dr. Uwe Walter ist im Oktober zum Professor für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Alten Geschichte an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld ernannt worden. Uwe Walter, geboren 1962 in Rotenburg an der Fulda, studierte in Göttingen und in Erlangen Geschichte, Latein und Griechisch. Dem Ersten Staatsexamen für Geschichte und Latein 1989 folgte 1992 die Promotion in Göttingen mit einer Studie zur Entstehung des Bürgerstaates im frühen Griechenland. Danach folgten Referendariat und Zweites Staatsexamen (1994) sowie eine befristete Abordnung als Studienrat im Hochschuldienst an die Universität zu Köln (1997), an die sich ein Forschungsstipendium der Gerda Henkel-Stiftung anschloss. Anfang 2003 habilitierte sich Uwe Walter in Köln mit einer Studie über die Frage, wie die Römer in der Zeit der Republik 'Geschichte' konfiguriert, inszeniert und lebendig gehalten haben (Memoria und res publica. Zur Geschichtskultur im republikanischen Rom, Frankfurt am Main 2004). Durch Berichte und Rezensionen für die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' sucht er die kulturelle Verbindung Europas mit der Antike und die Innovationskraft der Alten Geschichte einem breiteren Publikum zu vermitteln. Die historisch und historiographisch kommentierte und mit Übersetzungen versehene Sammlung "Die Frühen Römischen Historiker" (zusammen mit Hans Beck, 2 Bände, 2001 und 2004) hat als willkommenes Instrument für die akademische Lehre und Forschung große Anerkennung gefunden. Schwerpunkte in der Lehre sind die zentralen und rezeptionsgeschichtlich wichtigen Großepochen Archaisches und Klassisches Griechenland sowie die Römische Republik und die frühe Prinzipatszeit. Wesentliche Ziele seiner Lehre sind historische Orientierung und Kommunikationsfähigkeit mit der Vergangenheit und die Förderung von Kenntnissen der Alten Sprachen bei den Studierenden. In der Forschung wird, veranlasst durch Buchprojekte und den geplanten Einstieg in den Sonderforschungsbereich "Das Politische als Kommunikationsraum der Geschichte", auf absehbare Zeit die griechische Geschichte in ihrer formativen Epoche (von Homer bis Aristoteles) im Vordergrund stehen.

Quelle

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Mai 2009 20:48 #5

Diese Professoren sind dumm, aber schlau zugleich: Sie wissen, wie man eine staubige Materie aufmöbelt, ohne dabei wesentliche
Konzessionen an das dogmatische Bild der klassischen griechisch-
römischen Antike zu machen.

Also spricht man von der "Kommunikationsfähigkeit" der Antike, "konfiguriert" (sic!) Geschichte und faselt "vom Politischen als Kommunikationsraum der Geschichte.

Der Tiefschwatz ist nicht zu überbieten, Die Visage des Professors
entspricht dem Geschwabbel, das er von sich gibt.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 27 Mai 2009 06:51 #6

  • dagaz
  • dagazs Avatar
Reiner Geschichtsmafia.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 27 Mai 2009 11:32 #7

Neue bahnbrechende Ideen, ein neues Paradigma in einer Wissenschaft, also ein neues "Denkschema", kommen in erster Linie von Leuten, die außerhalb des offiziellen Wissenschaftsbetriebs arbeiten.

An Universitäten ist man immer der Auffassung, daß
„in dieser Wissenschaft schon fast alles erforscht sei, und es gelte, nur noch einige unbedeutende Lücken zu schließen“,
so wie es der Münchner Physikprofessor Philipp von Jolly schon in den 1870er Jahren erklärte, als Max Planck bei ihm studierte, der spätere Begründer der Quantenphysik.

Es geziemt sich auch für einen Nachwuchswissenschaftler eine bescheidene und obrigkeitskonforme Haltung anzunehmen, wie Max Planck zu dieser Zeit:
„Ich hege nicht den Wunsch, Neuland zu entdecken, sondern lediglich, die bereits bestehenden Fundamente der physikalischen Wissenschaft zu verstehen, vielleicht auch noch zu vertiefen“
Mit einer anderen Einstellung wird man da nichts.

Bei Planck war es allerdings einfacher als bei vielen anderen, da bereits sein Urgroßvater, Großvater und Vater bekannte Professoren waren, und daher der berufliche Weg damals schon vorgezeichnet war.
Trotzdem ignorierte man ihn nach seiner Habilitation in Physik, so daß er nur eine Privatdozenten-Stelle bekam. Doch letzten Endes wurde er doch Professor.

Er war dann wohl auch der einzige derjenigen Leute, die im 19. und 20. Jahrhundert ihre Wissenschaft entscheidend veränderten, indem sie einen neuen Denkansatz einführten, ein neues Paradigma, der aus dem offiziellen Universitätsbetrieb kam.

Alle anderen kamen von außerhalb, waren völlig unbekannt, und wurden teilweise zunächst von den Universitäten ignoriert.
Der größte von allen, der Berner Patentamt-Angestellte Albert-Einstein ist einer davon,
ebenso der Weltreisende Charles Darwin,
Karl Marx, der, obwohl er irrte, doch äußerst einflußreich war (bis hin zur "Frankfurter Schule" und dem Bonner und Berliner Hofphilosophen Habermas),
der Arzt Sigmund Freud, dessen Tiefenpsychologie, obwohl in der Universitätspsychologie weitgehend ignoriert, außerhalb sehr einflußreich wurde, un damit auch auf die offizielle Wissenschaft zurückwirkte.

Der etablierte Universitäts-Professor Fomenko fällt auch darunter, da er von Haus aus Mathematiker ist, und nicht in der Hierachie der Geschichtswissenschaftler aufgestiegen ist. Diese ignorien ihn daher auch weitgehend.

Die offizielle Geschichtswissenschaft ist auch ein schönes Beispiel für das Parkinsonsche Gesetz ( de.wikipedia.org/wiki/Parkinsonsches_Gesetz ).
"Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht "
Parkinson untersuchte die Königlich-Britische Marine und fand heraus, daß die jährliche Zunahme des Personals ohne Rücksicht auf die Variationen der Arbeitsmenge (also auch, wenn diese sinkt) zwischen 5,17 und 6,56 % betrug.

Er schlußfolgerte,daß das Marineministerium dann die meisten Mitarbeiter haben wird, wenn die Britische Marine keine Schiffe mehr hat.

So ist das auch mit der antiken Geschichte, teilweise auch der mittelalterlichen: Obwohl es nur rudimentäre bzw. gar keine Hinterlassenschaften aus vielen Epochen gibt, bläht sich der Stab an Personen, die sich damit beschäftigen, immer mehr auf.

Neue Betätigungsfelder gibt es in der Gschichte immer, da mit der vermeintlichen Beantwortung einer Frage zwangsläufig neue Probleme und Fragestellungen entstehen, zu deren Beantwortung weitere Mitarbeiter (wachsende Anzahl von Untergebenen) eingestellt werden müssen.

So gewinnen die etablierten Vertreter weiter Einfluß. Sie sichern desweiteren ihre Positionen, indem sie sich gegenseitig bestätigen und sich gegenseitig Arbeit, sprich Fragestellungen, schaffen.
Rivalen werden außen vor gehalten, indem man sie entweder gemeinschaftlich ignoriert oder als "unwissenschaftlich" und "Wirrköpfe" diffamiert. Das reicht fast immer aus, da die offiziellen Wissenschaftsvertreter in unserer Gesellschaft für ihr Fachgebiet einen Autoritätsstatus haben.

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Rein zufällig ... 27 Mai 2009 11:57 #8

Also ich hatte diesen Artikel auchgelesen,
aber nicht rein zufällig, sondern weil ich
mal aus Neugier oder Langerweile auf diese
Seite geguckt hatte.

Bei aller Kritik an den Wissenschaftsbetrieblern,
würde ich doch nie was an deren Physiognomie
festmachen. Da kann man doch leicht daneben raten.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 27 Mai 2009 12:24 #9

@basileus,

Alle anderen kamen von außerhalb, waren völlig unbekannt, und wurden teilweise zunächst von den Universitäten ignoriert.
Der größte von allen, der Berner Patentamt-Angestellte Albert-Einstein ist einer davon
Naja, der Einstein als Grösster...
Er ist mittlerweile zerissen worden, auch wenn man dies Offiziell nicht so darstellt. Es soll ja auch noch kleine Hunde geben.

Alle kamen von aussen...
Das mag schon sein. Vielleicht ist es ja so, wie bei den Künstlern.
Wegen schlechter Bezahlung versteckten diese in ihren Werken
das ganze Wissen und das richtige Geschehen.
Wenn man lesen kann...

@prusak,

Nicht alle wissenschaftler - Wir sind hier in Geschichte.
Und ich würde auch nicht die Geschichtenerfinder alleine
benennen.
Da sind noch viele mit Blindheit gesegnete Wesen, die da zuhören und glauben:



Bildquelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Walter.a...die.blinden.1991.jpg

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 27 Mai 2009 17:51 #10

Meine Wortmeldung zum FAZ-Blog wurde gestern Abend zwar binnen Minuten freigegeben, ist jetzt aber nach etwa 20 Stunden wieder entfernt worden.

Mal sehen wie lange der genographic-Link dort haften bleibt.

@prusak
In den Gesichtern kann man lesen wie in Büchern, denn sie sind Teil der jeweiligen Homoglyphe. Oder leugnen Sie es?

Das halslose Blähgesicht von Prof. Walter ist schon äusserst aufschlussreich und verheisst im Übrigen nichts Gutes.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 08:07 #11

"In den Gesichtern lesen wie in Büchern,
denn sie sind Teil der jeweiligen Homoglyphe.
Oder leugnen Sie es? "

Leugner leben lügend länger.

Lesen Sie mal in meinem Steingesicht neben diesem Text.
Lesen Sie mal in Tuistos Zahlengebirgen.
Lesen Sie mal Fischers Steinzeichen.
Lesen Sie mal in den Sternen.

In Prof. Walthers Foto sehe ich Unglück, Einsamkeit.
Aber vielleicht ist er der glücklichste Mann der Welt?
Anhänge:

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 10:21 #12

Wohl kaum der Glücklichste.

Aber lesen wir Walters Text gegen den Strich.

Der flapsig-herablassende Ton fällt gleich auf:

Der Autor - kein Historiker, sondern offenbar Techniker oder Ingenieur - will beweisen,

Was ist schon der Unterschied zwischen einem Techniker oder Ingeniör, wird er sich gesagt haben, Hans wie Heiri. Hauptsache, ich bin Historiker, allein befugt zu rechten.

Am Anfang steht die Selbstenlarvung, doch von Walter sicher so nicht beabsichtigt:

daß Pompeji und Herculaneum bei dem Vesuv-Ausbruch des Jahres 79 n.Chr. gar nicht ausgelöscht und zugeschüttet wurden, sondern bis ins 17. Jahrhundert weiterblühten.

Walter hat von der These rein gar nichts begriffen. - Aber, das ist schon mein Grundeinwand gegen die Art, wie man CK verbreiten möchte: mit Pompeij kann man kaum Leute von der Problematik orthodoxer Geschichtsschreibung überzeugen. Die Heranführung ans Thema ist anderswo wesentlich leichter zu erreichen (z. B. mit der Masse an unglaublichen Datierungs-Zufällen, etwa über den Burgunderkriegen-Troja-Alexander-Nibelungen-Komplex).

Alles ziemlich wirr formuliert und keiner Widerlegung in der Sache wert.

Der Satz bringt Walters Fabel auf den Punkt. Wirr ist Walter, weil er nichts begreift. Billig sieht er den Wirrwarr beim Schreiber des Manuskripts. Hilflos flüchtet er sich somit gleich zu Beginn in die Professoren-Pose: "keiner Widerlegung in der Sache wert."

Aber damit lässt Walter es nicht bewenden. Die Sache treibt ihn um. Er informiert sich im Internet. Huch, da sieht sich einer erwischt, hat verschlafen eine Bewegung, von der er offenbar noch nie zuvor etwas gehört hat - und das in seinem Fach! Zack. Was nicht sein darf, darf nicht sein - der Satz gilt auch für ihn.

So schustert er sich alles wieder zurecht, was ihn stört. Die Russen, schon immer bekannt für Verschwörungen. Weg damit. Kann sowieso kein Russisch, doch das braucht keiner zu wissen. Schliesslich bin ich der Professor und der da, ein Ingeniör oder Techniker, jedenfalls weniger als ich, als wir.

Hier scheint mir ein Muster vorzuliegen.

Sagt Walter, nicht ich. Er ist sich nämlich nicht sicher, da oben auf den Riesen, wo er auch nicht weiter sieht.

Offenbar existiert die Subkultur eines Geschichtsrevisionismus der besonderen Art, der an der Chronologie ansetzt, um das gängige Bild gänzlich umzustürzen.

Mir graust, geht es da dem Professoren durch den Kopf, und will nicht glauben, was sich gleichsam einer Winterkirsche in seinem gehörigen Gelehrtenggemüt verfangen hat. So grübelt er weiter; kaum zu fassen:

Heribert Illig [...] und sein Vorläufer Wilhelm Kammeier sind offenbar nicht alleingeblieben.

Es gibt keine dummen Fragen nur dumme Leute:

Woher dieses Mißtrauen gegen Texte und Dokumente?

Ohnmächtig dann Walters Festsellung:

Aus einem jahrhundertelangen Prozeß der Weitergabe, in dessen Verlauf so unendlich viel verlorenging, machen die „Chronologiekritiker" eine Art Urknall der Erfindung von ganzen Epochen durch kreative Fabrikation von Überlieferungen.

In seiner schwerfälligen Art, klappert der Bielefelder nun alle Argumentarien ab, die ihm gerade in den Sinn kommen und gegenüber Unbedarften möglicherweise noch gut tönen:

Zöglinge der zahlreichen Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs, die sich der konstruierenden Identitätsstiftung durch Geschichte in allen Epochen gewidmet und Dekonstruktion auf ihre Fahnen geschrieben haben, erleben nunmehr, wie Nachbarn, mit denen man lieber nicht zusammen gesehen werden möchte, ihnen virtuell auf die Schulter klopfen und sagen: „Gut gemacht!"

Gerechtigkeit für Treitschke also - und noch mehr Leute, mit denen man nichts zu tun haben möchte.

Und flugs, ist die CK pauschal in die Ecke der Antisemiten gestellt.

Doch dann wird die zumindest noch behauptbare Nachbarschaft verlassen und der Marsch ins offene Sektierertum angetreten.

Und noch eins drauf - allerdings nicht zu Unrecht, sofern man von der anschliessenden Bemerkung Walters absieht:

Als eigentlicher Gegner steht nämlich die Katholische Kirche als Urheberin der „Großen Aktion" im Visier.

Fragen Sie eine Mediävisten, wie er es mit der katholischen Kirche hält. Die Antwort wird die letzten Zweifel aus dem Weg räumen, was von der Person zu halten ist.

Zum Schluss kehrt der aufgescheuchte Historiker-Gourmand in seine feste Professoren-Stube zurück und knallt die Tür zu, nicht ohne vorher einen letzten Furz zu lassen:

Verkehrte Köpfe dieser Art hat es schon immer gegeben. Mit ihren Vorgängern teilt die neue Generation eine erstaunliche, aber methodisch uninformierte Belesenheit und den Hang, isolierte Tatsachen und Interpretamente zu einer in sich geschlossenen Weltdeutung zusammenzunähen. Das Internet bietet ohne Zweifel ungleich mehr Möglichkeiten, sich gegenseitig zu belehren und zu bestätigen, als eine hektographierte ‘Zeitschrift' das vor dreißig Jahren vermocht hätte. Und ‘normale' Historiker haben jetzt leichter die Gelegenheit zu sehen, daß sie es im großen Park der Geschichtskultur nicht nur mit Unkenntnis und Unterhaltungsbedürfnissen, sondern bisweilen auch mit seltsamen Arten von ‘Wissen' zu tun haben.

Es wird interessant zu sehen sein, ob sich Walter zu einem Follow-up bemüssigen wird oder die Sache dann doch lieber bis an sein Lebensende aussitzt.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 12:01 #13

@Minger,

Historiker Uwe W.
Schliesslich lehrt der Mann ja in der Stadt, welche es eigentlich gar nicht gibt.
Genausowenig, wie seine schönen, gelehrten Geschichten!

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 13:01 #14

Ich stimme dem vor-vorgehenden Beitrag von Minger in allen Punkten zu.

Was mir aber am meisten Freude gamacht hat, war das Lesen dieses Beitrages. Die Wortwahl, die Sätze, der Witz. Klasse!

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Letzte Änderung: von Dieter-Bremer.

Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 17:18 #15

Tatsächlich gibt es diese Professoren allerorten.
Hier in Rostock wechselt einer immer die Straßenseite,
wenn er mich kommen sieht.

Aber Bielefeld gibt es wirklich:

"Bielefeld: Erste europäische Bienen-Webcam.
Mit einer Webcam von Langnese kann man künftig
im Internet einen Bienenstock im Botanischen Garten
in Bielefeld beobachten. Sie zeigt das rege Treiben
der fleißigen Honiglieferanten. Dazu werden aktuelle
Wetterdaten und das Gewicht des Bienenstockes angezeigt."

Wer sich mal den Plan von Bielefeld anguckt,
wird die Biene bald finden, auch ohne webcam.
Vielleicht heißt sie Walter und nährt sich
vom Nektar der historischen Wissenschaften.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 18:38 #16

Ich dachte, ich blättere mal eben durch Wikipedia, um zu sehen, ob "Bielefeld" wohl ein Bienenfeld ist. Dabei sprang mir dieser Satz in die Augen:

Um 1240 begann der Bau der Sparrenburg am westlichen Hang des Sparrenberges, die urkundlich erstmals 1256 erwähnt wird und nach ihrer Fertigstellung als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges diente.

Ich vermute der Beginn der Bautätigkeit wurde nur intern getwittert und irgendwann ist den Geschichtlern das TwitterLog in die Hände gefallen.

Das erklärt vielleicht auch den rührigen Professor: Er ist seiner inhaltsfreien Polemik 16 Jahre voraus.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 28 Mai 2009 22:20 #17

herr brätz
diesen stein würde ich gern einmal fotografieren



der hinterkopf ist fast ägyptisch

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 16 Aug 2009 12:33 #18

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Letzte Änderung: von genographic.

Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 16:14 #19

Die Tatsache, dass die Wasserleitung von Domenico Fontana in Pompeji nicht getunnelt sondern gegraben wurde, kann man ganz klar auf dieser Zeichnung ersehen.

"Trincea di allocazione dei Canale Conte di Sarno"

Quelle: Nuove ricerche archeologiche nell'area vesuviana (scavi 2003-2006): atti del ...
Von Pier Giovanni Guzzo, Maria Paola Guidobaldi
books.google.de/books?id=lJpDLLFEl80C&pr...v=onepage&q=&f=false

Anhänge:

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Letzte Änderung: von genographic.

Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 16:19 #20

Langsam wird es Zeit für ein Buch !!!!!


Gute Arbeit - genographic

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 16:34 #21

ron schrieb:

Langsam wird es Zeit für ein Buch !!!!!


Gute Arbeit - genographic


Danke!
Das Buch ist schon lange fertig und wird in Oktober von einem Moskauer Verlag gedruckt.
In Russischer Sprache. ;o)

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 17:05 #22

Bestimmt gibt es das dann auch bald in Deutsch.
(Deiner zweiten Muttersprache)

Schließlich gehörte Pompeji ja nicht zum "Heiligen Römischen Reich 'russicher' Nation"

:-)

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 17:23 #23

Ich befürchte es wird nicht früher als in zwei Jahren passieren.
Bis dahin habe ich keinen Einfluss daran (Rechte).
Entweder werden die Russen selbst das Buch ins Deutsche bzw. anderen Sprachen übersetzen oder ein Deutscher Verlag muss mit dem Russischen Verlag über eine Deutsche Version verhandeln.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 17:40 #24

ron schrieb:

Gute Arbeit - genographic


und so vergebens. und tschüss

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 19:30 #25

  • dagaz
  • dagazs Avatar
Wie so vergebens?

Es wird immer Leute geben die dieses Thema aufgreifen und weiterführen.


Tschüss.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 20 Aug 2009 19:38 #26

Es ist doch noch keine Abschiedsfeier.
Die Arbeit geht weiter. "Das Pompeji-Fass hat keinen Boden"!

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Sep 2009 10:52 #27

http://www.numismatikforum.de/download.php?id=34828

Constantius II. - Feldzeichen mit Christogramm (gefunden in Pompeii in der Via di Porta Noceria zwischen den antiken Pflastersteinen).

Anmerkung: Manchmal liegt das Geld eben doch sprichwörtlich auf der Straße!

Häh?! Dann ist das aber ein Streufund von einem modernen Touristen, dem seine "Spielmünze" dort runtergefallen ist, denn um die Mitte des 4. Jh. u.Z. herum lag das alles unter meterhohem Vulkanascheschichten...

Oder waren Zeitreisende aus dem 4. im 1. Jh. unterwegs?!


Eher ist es vorstellbar, dass eine Münze, die im 4. Jahrhundert verloren wurde, im Verlauf der Ausgrabungen auf ein anderes Niveau (nämlich das heutige) gelangt ist, ohne entdeckt worden zu sein. Man muss wissen, dass die Spalten zwischen den antiken Pflastersteinen sehr tief sind. Da kurze Zeit vorher ein katastrophales Unwetter mit Überschwemmung stattgefunden hatte, ist sie wohl hervorgespült worden. In etwa an der selben Stelle fand ich auch Fragmente von Öllampen, die aus dem 3./4. Jahrhundert (Stil und Stempel) stammen, sowie einen vorgeschliffenen Halbedelstein, einen Carneol, der wohl kaum von Touristen verloren wurde.


Aus dem Numismatikforum:
www.numismatikforum.de/ftopic28082.html
...................................

Wenn sogar einfache Passanten in Pompeji so viel Glück haben solche Münzen die gar nicht ins traditionelle chronologische Bild passen, zu finden, müssten eigentlich Archäologen viel mehr davon gehabt haben? Und die gibt's! Sehe z.B.: Giuseppina Cerulli Irelli, Intorno al problema della rinascista di Pompei in Neue Forschungen in Pompeji, Aurel Bongers Recklingshausen, 1975
ISBN 3-7647-0270-2

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Sep 2009 11:28 #28

ünzen die gar nicht ins traditionelle chronologische Bild passen,

Der chronologische Deckel über Pompeii hebt sich.
Dank Dir und dem Internet, wird auch die Wissenschaft das Thema bald nicht mehr ignorieren können.
In welcher Zeit siehst Du Konstans II. ?

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Sep 2009 12:31 #29

Vorerst ist es egal, ob im 3. oder im 13. Jh. der Konstantin regiert hat. Viel wichtiger für mich ist es, dass 24 August 79 als der letzte Tag von Pompeji immer weniger für die Öffentlichkeit glaubwürdig wird. Und das ist schon der erste Schritt um "the gap" zwischen der Antike und der Renaissance zu verengen.

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Aw: Pompeji - nicht der letzte Tag 26 Sep 2009 12:33 #30

@genographic
sehe ich auch so !!!

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