kurze kritische Zitate

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14 Nov. 2011 18:24 - 21 Nov. 2011 00:48 #5857 von
kurze kritische Zitate wurde erstellt von
hier bitte nur die kritischen Bonbons aus der Literatur des 16.-20. Jahrhunderts bis maximal 3 Zeilen posten, um einen Gesamtüberblick der besten Aussagen in Sachen Geschichtskritik zu schaffen, mit Bitte an den Moderator zu große Postings zu löschen:

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14 Nov. 2011 18:29 #5858 von
Ich beginne mal mit René Guénon:

"Es ist gleichfalls sehr unwahrscheinlich, dass das Märchen, das aus dem Mittelalter eine Zeit der 'Finsternis', der Unwissenheit und roher Gesittung macht, von selbst entstand und sich Glauben verschafft hat und dass die von den Neueren betriebene tatsächliche Geschichtsfälschung ohne einen vorgefassten Plan unternommen wurde." (S. 33, Krisis der Neuzeit, Köln 1950)

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14 Nov. 2011 18:40 #5860 von
Gustav Friedrichs:

"Zählt man zu den 365 Tagen eines Sonnenjahres die 60 Tage des Numa, so hat man für 14 Monate 425 Tage. Die ersten 14 Könige regieren 425 Jahre. Das zeigt so deutlich wie möglich, dass die römischen Könige des Dionysios ihre Entstehung den Monaten des Jahres verdanken." (S. 233, Die Geschichtszahlen der Alten sind Kalenderzahlen, Leipzig 1910)

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14 Nov. 2011 18:45 #5861 von
Und weils so schön ist noch mehr von ihm:

"Alles das zeigt, dass nicht einmal die Zahlen der griechischen Geschichte sich als echte Geschichtszahlen ausweisen, sondern auch als Kunstzahlen angesehen werden müssen." (S. 228)

und S. 229:

"Die jetzt allgemein angenommene römische Zeitrechnung ist von Varro, einem Zeitgenossen Cäsars, aufgestellt. ... Daraus erhellt, dass es mit der Geschichtlichkeit der Varroschen Zeitrechnung nicht zum besten bestellt sein kann. Eine genauere Prüfung bestätigt dies denn auch vollkommen." (Gustav Friedrichs, Die Geschichtszahlen der Alten sind Kalenderzahlen, Leipzig 1910)

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14 Nov. 2011 18:56 #5862 von
zur Abwechslung Gotthold E. Lessing, der das Heldenbuch 500 Jahre jünger datiert:

"Der Anhang des Heldenbuchs sagt gar: 'Demselben Kayser Ottnitt dienet Reussen und das Land zu Bern, darnach über 200 Jahr warde das Landt Bern Herrn Dietrich von Bern.' Dietrich von Bern kann also der Theodoricus Veronensis nicht sein, der Odoakern überwand, oder Odnit kann Odoaker nicht sein. Meine Erklärung: Der Dichter hat unter dem Otnit die beiden Gegenkaiser Otto's des Vierten, nämlich Philipp und Friedrich II., verstanden und verschiedene von ihren vornehmsten Thaten in diesen seinen Roman von Otnit in ein Ganzes verbunden." (S. 675, Aus Lessing's Nachlass, Berlin o.J.)

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14 Nov. 2011 19:11 #5863 von
Aus der Vorrede von Gottlieb Walther: Critische Prüfung der Geschichte von Ausrottung des Zäringischen Stamms durch Vergiftung zweier Söhnen Berchtolds V.; Bern 1765

Von unseren ältesten Zeiten haben wir keine gewissen Nachrichten.
(S. iii)

Oft hat ein Geschichtsschreiber die Urkunde entweder aus Uebereilung nicht genug eingesehen, oder aus Unwissenheit nicht verstanden, und traget uns daher seinen Irrtum als eine Wahrheit vor: Oft hat er untergeschobene und unächte Schriften angefürt; oft sind die angefürte Stellen mit Fleiß verdorben; und die Arbeit eines blossen Nachschreibers ist allezeit; wann nicht unnüz, dennoch von sehr geringem Nuzen.
(S. v)

Quelle: books.google.de/books?id=qo8AAAAAcAAJ&pg...#v=onepage&q&f=false

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14 Nov. 2011 19:46 #5864 von
passend zur Stauferzeit Luther in seinem Namenbüchlein:

"Friderich, zu Latein Pacificus, Hebreisch Salomo, Griechisch Irenaeus. Julius Caesar nennet und schreibet diesen schönen Namen Viridorix, Epidorix, und haben Jhn die Jtalianer von den Longobarden behalten, wie denn noch heute die Itali einen Reichen, ric, nennen." (S. 8, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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14 Nov. 2011 19:58 - 15 Nov. 2011 00:23 #5865 von
gleich noch oben genannter Philipp auf S. 5:

"Solch verkehrter Nahme ist auch Segestus, welcher des Hermanni Schwieger-Vater gewesen, und auff Deutsch Hengst geheissen hat: Da denn der Buchstabe H. in ein S. verwandelt worden. Das Wort Hengst aber heist so viel als ein Kriegs-Zelter, oder Kriegs-Pferdt: daß also Hengst fast so viel sein soll, als ein Reuter, Ritter, oder Kriegsmann, im Griechischen heißt er Philippus."

und hierauf folgt das beste:

"Und währet noch der Nahme eines Hertzogs zu Engern bey uns Deutschen, Hertzog Hengst zu Engern, Dux Angrinorum Segestus. Und titulieret sich heute noch der Bischoff zu Cöln, einen Hertzog zu Engern. Latini malè scribunt Angrivariorum pro Angrinorum. Und wird Engeland gleichsam Angria Engerland genennet, von jenen Angris oder Engern, welche ihren Sitz daselbst genommen; Daher auch die Engeländer mehrentheils Sächsisch und die alte Nieder-Deutsche Sprache reden." [Anm.: Wer das bezweifelt braucht nur einmal die unregelmäßigen englischen Verben mit den entsprechenden deutschen vergleichen. Berl.] (S. 5, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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14 Nov. 2011 20:03 #5866 von
weil es sich so schön liest, gleich noch

"Hinrich; Julius Caesar spricht diesen Nahmen auß Vercingetorix, aber durch der Scribenten Fehler sind die Buchstaben sehr verwirret, versetzet, und verderbt worden. Denn Caesar hat das Sächsische, Hertoge Hinric, schreiben wollen; Aber die Scribenten haben nachmahls das H. in ein V. verändert, und das toge versetzt, nach dem Hin, und endlich geto drauß gemacht. Heute zu Tage ist diß wort gnug bekant und berühmt, und überzeuget die alten Bücher ihrer Fehler, denn auff Sächsisch sagt man, Hertoge Hinric, auff Hoch-Deutsch Hertzog Heinrich." (S. 8, D. Martin Luthers Namen-Büchlein 1674, reprint Leipzig 1983)

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15 Nov. 2011 12:34 #5871 von
passend zur Zeit Luthers eine Marienpredigt vom 8. Sept. 1522 von Johann Wildenauer von Eger in Joachimsthal gehalten, der Stadt welcher der Silber-Thaler, später Dollar seinen Namen verdankt:

"Das andere stuck dißes Sermons ist von dem heutigen fest der geburtt Mariae. Davon pfflegett man vill lugen zcußagen wie in vill andern legenden mehr und fast in allen, das den ein jemmerlicher handel ist in der Christlichen kirchen, das man das volck mit lugen will zcur andachtt und innigkeitt reitzen, do nichts anders den lauter warheit gehen sall. Ich finde nichts von der geburtt Mariae mehr, den das ihrs großvatters vatter geheißen hatt Panther, ihr großvatter Barpanther, und ihr recht naturlich vatter Joacim, Das finde ich in bewehrtter schrifft, sunst nichts." (S. 160, Ungedruckte Predigten des Johann Sylvius Egranus, Leipzig 1911)

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