Zur Geschichte der „Arier“ und die der modernen Zivilisation! Drucken
Geschrieben von: Prodosh Aich   
Montag, den 13. Juli 2009 um 22:35 Uhr
Prodosh Aich

26 Feb. 2007

Alles was uns Wert ist, verdanken wir den Ariern, der arischen Rasse. Wer dies nicht weiß, oder daran Zweifel hegen will, der möge zu Nachschlagewerken greifen. Wer ausführlicher unterrichtet werden will, kann in „Standardbüchern der Geschichte“ wälzen.

In „vorgeschichtlicher“ Zeit leben die Arier in den Steppen zwischen dem Kaspischen Meer und der heutigen chinesischen Westgrenze. Als Nomadenhirten. Sie sind groß, stark, hellhäutig, hellhaarig, blau– bzw. grauäugig. Als die ersten Menschen machen sie Pferde und Kühe für das tägliche Leben nutzbar. So etwa vor 6000 Jahren. Sie entdecken Kupfer, Eisen und andere Edelmetalle. Sie erfinden Bronze und Stahl. Ihnen geht es gut. Sie vermehren sich heftig. Und „dynamisch“ sind sie auch! Sie erweitern ihren „Lebensraum“. Die „helleren“ unter ihnen wandern nach Westen, die „weniger hellen“ nach Südwesten. Ein Teil dieser „weniger–helle–arischen“ Wandersleute erreichen Nordwestindien. Der Hindukush ist der einzige Paß durch das Himalaja–Massiv.

Wie diese Nomaden aus der turkmenischen Steppe diesen Tausende Kilometer entfernten einzigen Paß gefunden haben? Welche nutzlose Frage! Nutzlose Fragen dieser Art werden nicht gestellt. Also gibt es auch keine Antworten. Wichtig ist einzig die Tatsache, daß die „weniger–helle–arischen“ Wandersleute den Hindukush gefunden haben. Sonst wären sie ja nicht in Indien angekommen. Sie werden in Nordwest–Bharatavarsa (Indien) seßhaft, nachdem sie die einheimische Bevölkerung nach Süden vertrieben haben. Wohin die aus dem Norden vertriebenen Menschen ihrerseits jene im Süden lebenden Menschen vertrieben haben? Welche überflüssige Frage!

Ihre Sprache ist Sanskrit. Noch ohne Schrift. Die Schrift erfinden sie später in Bharatavarsa. Hätten sie auch eine Schrift mitgebracht, hätten wir diese ja überall, wo Arier sind, finden müssen. Leider ist diese Schrift nirgendwo gefunden worden. Diese Nomaden sind fleißig, eignen sich neues Wissen an, erfinden eine Schrift und produzieren dann anspruchsvolle Schriften wie die Veden, Upanishaden, Puranas, Sutras, usw.. In Sanskrit. Moderne Wissenschaftler geben sich mit der brüchigen Geschichte zufrieden.

Sanskrit gilt als die bestgeordnete Sprache. Die klugen Köpfe der modernen Wissenschaft haben folgerichtig haarscharf abgeleitet, daß nomadisierenden „Arier“ in Zentralasien und auch anderswo eine einfachere Form von Sanskrit gesprochen haben. Ein frühes Sanskrit, Sanskrit im Kindesalter etwa, das „Protosanskrit“. Dieses „Protosanskrit“ nehmen die „arischen“ Wandersleute mit auch nach Westen. Die Sprache der „Arier“ entwickelt sich unterschiedlich im unterschiedlichen Erdteil. Aber die Verwandtschaft ist natürlich geblieben. Sowohl in der Sprache und überhaupt. Indogermanische, Indioeuropäische Sprachen. Klingt doch plausibel. Oder?

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Wer diese Verwandtschaft erkannt hat und seit wann? Reklamiert wird diese Verwandtschaft durch die entfernten Kusinen und Vettern aus dem „Abendland“ während diese mittendrin auf Beutepfad im „Morgenland“ sind. Vor allem Briten in Bengalen. Sie rauben Bharatavarsa (Indien) aus, schleppen alles weg, was nicht niet– und nagelfest ist, morden, besetzen das Land und schaffen Voraussetzungen für dauerhafte Ausbeutung. Aber sie bescheren ihren entfernten Kusinen und Vettern die „Sprachverwandtschaft“, „Sprachfamilie“, die „Sprachwissenschaft“ und einiges mehr. Ab 1786 wird behauptet, daß zwischen Sanskrit, der Sprache der nordwestindischen „Arier“ einerseits und Griechisch, Latein, germanischen und keltischen Sprachen andererseits, eine enge sprachliche Verwandtschaft besteht. Ja, daraus wird später die Familie der „indoeuropäischen“ Sprachen.

Jene „Arier“, die über den Hindukush Nordwest–Bharatavarsa erreichten, haben diesbezüglich ein absolutes „black-out“. In keiner ihrer weltbekannten Schriften wird auch nur erwähnt, daß ihnen einst ihr „Lebensraum“ in den Steppen zwischen dem Kaspischen Meer und der heutigen chinesischen Westgrenze oder auch sonstwo zu eng geworden war und viele ihrer Brüdern, Schwestern, Kusinen und Vettern wie sie selbst auch, auf die Suche nach neuem „Lebensraum“ auf Wanderschaft begaben. Nein. Die „Sanskrit–Arier“ haben keine Erinnerungen. Aber Friedrich Maximilian Müller will zwischen 1856 und 1859 das Lied über ihre Zugehörigkeit zur „Arischen Rasse“ in den Texten des Rigvedas entdeckt haben. Der Rigveda soll die älteste ihrer Schriften sein. Moderne Wissenschaftler wollen es nicht wissen, warum sich ihre Brüder, Schwester und Vetter anderswo nicht „Arier“ genannt haben, wenn sie doch alle „Arier“ gewesen sind. Moderne Wissenschaftler wollen es nicht einmal wissen, ob dieser Friedrich Maximilian Müller hätte Rigveda überhaupt lesen können. Wo sollte er die vedische Sprache gelernt haben. Wann?

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Eine Reise rückwärts bringt auch andere Erkenntnisse. Beispielsweise haben wir keine einzige „wissenschaftliche Publikation“ gefunden, in der ein „Wissenschaftler“ beim Zitieren auch nur die Frage der Verläßlichkeit der zitierten Stelle gestellt hätte, von der Bonität der Quelle und der zitierten Autoren ganz zu schweigen. Die „modernen Wissenschaftler“ sind unkritische Abschreibekünstler. Sie beschreiben nicht die Wirklichkeit, sie schöpfen virtuelle Wirklichkeiten. Sie wollen nur andere glauben machen und die eigene Karriere fördern. Ohne Rücksicht. Auch ohne Vorsicht. Hier folgt ein beispielhafter Beleg, Auch eine Einstimmung zum Thema.

Garland Cannon, ein Professor für englische Literatur am Queen’s College, City of New York, der ein akademisches Leben lang „William Jones“ betrieben hat, erzählt uns in seinem Buch Oriental Jones, London 1964, eine rührende Geschichte auf Seite 131:

„Als er und Anna Maria nach Krishnanagar zogen (1784), hatte er eigentlich einen Standortvorteil im Hinterkopf. Er ging in die benachbarte alte Hindu–Universität in Nuddea (eigentlich heißt der Ort Nadia), mit der Absicht, einen Brahmanen als einen eingeborenen Informanten (eingeborenen Informanten?) und als Sanskritlehrer zu engagieren. Diese Kaste war Bewahrer und Erhalter der Sprache und der Manuskripte in der Sprache und konnte als solche die besten Lehrer bieten. Es war Ferienzeit, aber einige waren dort. Über einen Dolmetscher bat er einen [I] (Brahmanen) um Hilfe. Der Mann lehnte ab. Jones fragte einen anderen. Erneut erhielt er eine Ablehnung. Er erhöhte sein finanzielles Angebot zu einem bemerkenswerten Betrag und erlebte ein ähnliches Schicksal. Kein Brahmane würde einem ungläubigen Christen die heilige Sprache lehren.“ [/I]

Wie soll Garland Cannon dies wohl wissen können? Sir William Jones oder Lady Anna Maria haben nie diese hübsche Geschichte in den veröffentlichten Briefen oder Texten erwähnt. Garland Cannon kennt die Episode aus dem Buch: The Discovery of India von Jawaharlal Nehru, New York 1946 (S. 316–317). Also nehmen wir dieses Buch von Jawaharlal Nehru, des ersten Ministerpräsidenten der Indischen Republik, und wollen wissen, wie Nehru diese Geschichte 1946 kennen konnte. Fehlanzeige. Nehru gibt keine Quelle an. Garland Cannon schreibt von Nehru ab und sagt uns nicht, daß Nehru keine Quelle angegeben hat. So werden „wahre Geschichten“ abgesetzt. Ein „schwarzes Schaf“, dieser Garland Cannon?

Lesen wir Nehru weiter: „Sanskrit faszinierte ihn (William Jones), insbesondere die Entdeckung des alten indischen Dramas. Erst durch seine Schriften und Übersetzungen erhielt Europa einen Einblick in einige der Schätze der Sanskritliteratur. Im Jahre 1784 gründete Sir William Jones die ‚Bengal Asiatic Society‘, die später die ‚Royal Asiatic Society‘ wurde. Indien schuldet Jones und vielen anderen europäischen Gelehrten tiefe Schuld der Dankbarkeit für die Wiederentdeckung (rediscovery) seiner alten Literatur.“

Woher Jawaharlal Nehru all dies wohl gewußt hat? Muß er uns darüber Rechenschaft geben? Ein Jawaharlal Nehru braucht 1946 keine Quellen anzugeben. Er weiß es eben. Ein „indischer Freiheitskämpfer“. Über alle Zweifel erhaben. Dank den Medien, die auch damals weltweit weitgehend im Besitz der blond-blauäugig-weiß-christlichen Kultur waren.

Eine grundsätzlichere Frage ist, was wäre, wenn The Discovery of India von Jawaharlal Nehru, ein Buch von fast 600 Seiten, eine Pflichtlektüre aller „gebildeten“ Inder, nur Geschichten aus dubiosen Quellen enthielte. Das Buch hat einen Index von 12 Seiten, aber keine Bibliographie. Zu welchen Quellen hätte er überhaupt Zugang haben können? Garland Cannon sind Fragen wie diese nicht eingefallen. Wir aber unterziehen uns einer kleinen Mühe, schlagen die Encyclopaedia Britannica auf und finden dies:

„Jawaharlal Nehru, Beiname PANDIT (Hindi: ‚Pundit‘ oder ‚Lehrer‘) NEHRU (1889 – 1964), erster Ministerpräsident des unabhängigen Indien (1947–64) (...) Er war auch einer der hauptsächlichen Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung in den 1930er und 40er Jahren. Er entstammte einer wohlhabenden Familie von Brahmanen aus Kaschmir, bekannt ob ihrer Verwaltungsfähigkeiten und ihrer Gelehrsamkeit, die im frühen 18. Jahrhundert nach Delhi zugezogen war. Er war der Sohn von Pandit Motilal Nehru, (1861–1931), einem berühmten Juristen, der früh eine lukrative Anwaltskanzlei etablierte und 1896 beim Hohen Gericht von Allahabad zugelassen wurde. (...)

Bis zum Alter von 16 Jahren wurde Nehru zu Hause von einer Reihe englischer Gouvernanten und Hauslehrer ausgebildet. Einer von diesen, teils irischer, teils belgischer Theosoph, Ferdinand Brooks, scheint auf ihn einen gewissen Eindruck gemacht zu haben. Jawaharlal hatte auch einen ehrwürdigen indischen Tutor, der ihm Hindi und Sanskrit lehrte. 1905 ging er (also 16jährig) nach Harrow, einer führenden englischen Schule, wo er zwei Jahre lang blieb. Die akademische Karriere Nehrus war keineswegs hervorragend. Von Harrow ging er zum Trinity College, Cambridge, wo er drei Jahre verbrachte und ein Diplom in Naturwissenschaften erwarb. Nachdem er Cambridge verlassen hatte, qualifizierte er sich nach zwei Jahren als Rechtsanwalt im „Inner Temple“, London, wo er, nach seinen eigenen Worten, seine Prüfung ‚ohne Ruhm und ohne Schande‘ bestand. (...)


Jawaharlal Nehru hat nie in einer indischen Sprache schreiben können. Ein dürftiges Hindi hat er gesprochen. Kulturell war er lebenslang ein Brite. In The Discovery of India (Entdeckung Indiens) verewigt Jawaharlal Nehru jene Kolonisatoren als unerschütterliche Autorität, obwohl die alles daran gesetzt hatten, die Kolonisation ohne Rücksicht auf Verluste auf Dauer zu festigen. Auf Seite 165 lesen wir:

„Schon 1784 bemerkte Sir William Jones: ‚Die Sprache Sanskrit, wie alt sie auch sein mag, hat einen wunderbaren Aufbau, ist vollendeter als Griechisch, wortreicher als Latein und viel geschliffener als beide; doch trägt sie eine stärkere Ähnlichkeit (a stronger affinity) zu beiden, sowohl in den Wurzeln der Verben als auch in den grammatischen Formen, als sie durch bloßen Zufall hätte entstehen können; sie ist so stark, daß kein Philologe die drei Sprachen untersuchen könnte, ohne zu glauben, daß sie einem gemeinsamen Quell entsprungen sind, der vielleicht längst versiegt ist ...“.

Jawaharlal Nehru hätte abschätzen können müssen, daß die oben zitierten Feststellungen von William Jones eine profunde Kenntnis aller drei Sprachen voraussetzten, die dieser nachweislich nicht gehabt hat. 1784 glaubte Sir William noch daran, mit seinem Persisch käme er in Kalkutta klar. Er besaß keine Kenntnisse über eine der gesprochenen indischen Sprachen. All dies hätte Jawaharlal Nehru wissen können. Er hätte überprüfen müssen, ob der zitierte Teil in den Schriften von William Jones bis 1784 zu finden ist. Er hatte aber irgendwo einfach abgeschrieben, wie es auch heute die übliche Praxis ist. Es kommt nicht einmal darauf an, etwas richtig zu zitieren. Bis heute ist das Zitat in Entdeckung Indiens nicht beanstandet worden. Wer soll auch einem so „hübschen Gedanken“ nicht glauben wollen? Außerdem kostet das Überprüfen Mühe und Zeit. Wir haben uns auch darüber gewundert, warum der Satz abgebrochen wird.

Jawaharlal Nehru fährt nach dem abgebrochenen Satz fort: „Viele europäische Gelehrte, englische, französische, deutsche und andere, die das Sanskrit studierten und das Fundament einer neuen Wissenschaft legten – der vergleichenden Sprachwissenschaft –, folgten William Jones. (...) Es entstand in Indien ein neuer Gelehrtentyp unter europäischer Inspiration, und viele Inder gingen nach Europa (vorzugsweise nach Deutschland) um sich in den neuen Forschungsmethoden und dem kritischen und vergleichenden Studium unterweisen zu lassen. Diese Inder besaßen gegenüber den Europäern einen Vorteil, aber auch einen Nachteil. Der Nachteil beruhte auf gewissen vorgefaßten Vorstellungen, vererbten Glaubenssätzen und Überlieferungen, die sich einer leidenschaftslosen Kritik in den Weg stellten. Der Vorteil, er war groß, bestand in der Fähigkeit, in den Geist des Geschriebenen einzudringen, sich die Umgebung, in der es entstand, auszumalen und dadurch besser hineinzufinden.“

Diese Inder, wie Jawaharlal Nehru einer war, sind doch eigentlich die besseren Briten! Kulturell geklont. Gehirnwäsche total. Und sie haben den wenigen „William Jones“ kräftig geholfen, eine schier unüberwindbare Mauer der Verlogenheit und Falschheit zu errichten. In Form von kilometerlangen festgebundenen Druckerzeugnissen in den Bibliotheken. Eine Mauer zwischen dem tradierten Wissen und den „modernen Wissenschaften“, basiert auf den ‚neuen Forschungsmethoden und auf das kritische und vergleichende Studium‘. Alles Neue zählt.

Wir haben diese von Jawaharlal Nehru zitierte Stelle in den Schriften von William Jones gesucht. Bis 1784. Fehlanzeige. Seine Schriften danach. Fehlanzeige. Er hat nie einen solchen Satz geschrieben. Wir werden fündig in der 13–bändigen Biographie, zusammengetragen von Sir John Shore, einem Kollegen Sir Williams in Bengalen, dem späteren Lord Teignmouth. Im „The third Anniversary Discourse, delivered 2 February, 1786 by The President“ (Der dritte feierliche Diskurs vom 2. Februar 1786 des Präsidenten) soll er in einer Festrede den Satz gesprochen haben. Hier der vollständige Satz: „Die Sprache Sanskrit, wie alt sie auch sein mag, ist von wundervollem Gefüge; vollendeter als Griechisch, reichlicher als Latein, und mehr exquisit verfeinert als beide, bringt sie dennoch zu diesen beiden eine stärkere Affinität hervor, sowohl in den Wurzeln der Zeitwörter als auch in den Formen der Grammatik, als es möglicherweise durch Zufall zustande gekommen sein könnte; in der Tat so stark, daß kein Philologe sie alle drei (beim Abschreiben verliert Jawaharlal Nehru das Wort ‚drei‘ und ein Komma) [/I] untersuchen könnte, ohne zu glauben, sie seien irgend einer gemeinsamen Quelle entsprungen, die, vielleicht, nicht mehr existiert [/I] (Jawaharlal Nehru bricht den Satz hier ab): es gibt einen ähnlichen Grund, obwohl nicht so zwingend, um anzunehmen, daß sowohl Gothisch wie auch das Keltische, obwohl mit einer ganz anderen Sprache vermischt, den gleichen Ursprung hatten wie das Sanskrit; und man könnte das alte Persisch dieser Familie hinzufügen, wenn dies der Ort wäre, um jegliche Frage betreffend die Altertümer Persiens zu erörtern.“

Warum wurde der Satz nicht vollständig zitiert? Auch am 2. Februar 1786 konnte Sir William keine einzige indische Sprache, von Sanskrit ganz zu schweigen. Was den Stand der Kenntnisse des Persischen bei Sir William angeht, so beleuchtet ihn folgender Tatbestand, berichtet von Garland Cannon (S. 143): „Ein persischer Lehrer hatte das Paar (Sir und Lady Jones) auf ihren Ferien begleitet, mit dem Zweck, Jones mit dieser Sprache jeden Morgen für eine Stunde oder so behilflich zu sein.“. Wir zählen das Jahr 1786, Sommer 1786.

Und wer will heute ernsthaft wissen, in welcher Sprache Jawaharlal Nehru in 1946 sich mit seiner Tochter Indira in seinen vier Wänden unterhielt? Müssen wir nicht lernen, dieses und ähnliches wissen zu wollen? Wenn wir nicht Fragen stellen, wissen wollen, werden wir nicht wissen, was wirklich ist. Wir müssen vor allem lernen, die Wirklichkeit immer genauer zu erforschen, kennen, beschreiben und nicht tummeln in virtuellen Realitäten.

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Wir haben uns mit vielen beschäftigen müssen – Missionaren und Kolonisatoren –, die uns Geschichten erzählten. Und dann immer die Reise rückwärts. Zwischen Alexander von Makedonien (3. Jahrhundert v. Chr.) und Vasco da Gama (1498) hat kein europäischer „Haudegen“ den Boden Bharatavarsas betreten. Dies geschieht, als in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts der Handelsweg über Syrien, Irak, Türkei, Ägypten, das Rote Meer von den Osmanen blockiert wird. Christliche Glücksritter, Haudegen und Geistliche suchen einen „Seeweg nach Indien“. Das Mittelmeer ist nach Osten dicht. Afrika zu umschiffen erscheint den christlichen Seefahrer als ein unüberwindbares Hindernis. Ihre Kenntnisse der Geographie sind dürftig. Aber die Erde gilt für sie nicht mehr als eine Scheibe. Sie ist rund. Also, warum nicht westwärts über anscheinend unendliches Meer segeln, bis irgendwann der Osten „Indiens“ erreicht ist. Nach langer beschwerlicher Seefahrt nach Westen erreichen christliche Haudegen tatsächlich Land. Dem freundlichen Empfang durch die ansässige Bevölkerung zum Trotz, liquidieren sie diese Bevölkerung, nehmen ihr Land im Namen des Christlichen Gottes in Besitz und verschiffen alles, was dort nicht Niet und Nagel fest war. Erst im Nachgang begreifen sie, daß tote Menschen nicht arbeiten können. Für einen nachhaltigen Raub des Flora–Fauna–Habitats waren aber arbeitsfähige Menschen von Nöten. Wo hernehmen? Afrika wird als Jagdgrund entdeckt, werden Menschen, nein, vorwiegend kräftige Männer ausgespäht, gejagt, gefangen, gekauft und nach dem besetzten Land verschifft. Was macht es schon, daß nur etwa ein Drittel das neue Land erreichte. Dieser Sklavenhandel hat seither viele Antlitz und Namen erfahren. Den findigen „Wissenschaftlern“ der blond–blauäugig–weiß–Christlichen Kultur sei Dank.

Als ich 1950 in Kalkutta meinen Bachelorkurs in einem College machte, verloren wir unseren besten Professor für Chemie, der im dürftigen Labor des Colleges forschte und eine herausragende Promotion zustande brachte. Die Kopfjäger aus „Amerika“ hatten ihn sofort ausgespäht und gekauft. „Persönliche Entfaltung“ und „individuelle Freiheit“ dienten dabei als Köder. Später lernte ich als Forscher, daß die Unterentwicklung der „früheren“ Kolonien auch eine Folge von „brain drain“ (Auswanderung der klugen Köpfe) sei. Von Kopfjägern war nicht die Rede. Auch heute bekomme ich häufig Emails mit dem Hinweis, daß sich mein Persönlichkeitsprofil eigentlich für die Auswanderung nach „Amerika“ oder „Kanada“ gut eigne. Ganz aktuell heißt dieser Sklavenhandel unisono „die Zuwanderung“. Menschen werden in Manier der Kopfgeldjäger ausfindig gemacht und dann eingekauft. Die Menschen, die die Kosten für die Heranbildung und Ausbildung dieser „Sklaven“ aufbringen, gehen leer aus. Die Erfindung der „individuellen Freiheit“ zur Entfaltung der Persönlichkeit muß dafür herhalten, um mit „gutem Gewissen“ die Gesellschaft anderer auszurauben. Wie in den jüngsten alten Zeiten.

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Mit dem päpstlichen Segen teilen Spanien und Portugal die Welt als Beuteziel auf. Bis 1515 etablieren die Portugiesen ihre Seemacht und bringen alle wichtigen Häfen der Westküste Bharatavarsas unter Kontrolle. Nicht als Händler, wie ihre Nachfahren uns heute noch glauben machen wollen, sondern als brutale, hinterlistige und rücksichtslose Räuber, Mörder und Ausbeuter. Diese beginnen als „Haudegen“, und verwandeln sich über „Buchhalter“, „Schreibtischtäter“, „Rechtfertiger“ zu „Herrschern“. Händler waren sie nie. Die „Haudegen“ sind ohne Ausbildung, brutal, rücksichtslos, gierig und undiszipliniert. Vor Ort müssen die „Räuber aus reichem Haus“ für Ordnung sorgen. Die „Haudegen“ werden immer mehr durch die „Buchhalter“ zu einer Kampftruppe organisiert. Die Buchhalter sind aus dem gleichen Holz geschnitzt, aber blicken etwas weiter. Die „Schreibtischtäter“ sind nicht so einfach gestrickt, haben Schulausbildung, sind nicht immer fähig draufzuhauen, aber nicht weniger rücksichtslos, brutal und gierig. Die „Rechtfertiger“ sorgen dafür, daß die „Räuber“ immer mehr ihre „Schwerter“ mit dem „Schreibtisch“ tauschen können. Sie verkaufen die „Schreibtischtäter“ als Verwalter, die „Buchhalter“ als Polizisten und die „Haudegen“ als Kampftruppen. Die „Rechtfertiger“ sind gut ausgebildet, diszipliniert, loyal, aber auch rücksichtslos, skrupellos, schamlos und gierig. Sie sind die christlichen „Ideologieproduzenten“, „Gehirnwäscher“, „Wissenschaftler“. Deren Moral? Was ist Moral?

Die katholische Kirche beteiligt sich an diesem Unternehmen flankierend. Im Jahre 1518 lassen sich Franziskaner in Goa nieder. Kaum ist der Orden der Jesuiten 1540 gegründet, kommt 1542 schon der jesuitische Missionar Francisco Xavier (1506–1552) nach Goa, 1548 kommen die Dominikaner und 1572 auch die Augustiner. Andere christliche Orden kommen nach. Raub und Bekehrung stehen auf der Tagesordnung, noch nicht die langfristige Absicherung des Beutegewinns. Die berüchtigte East India Company wird 1600 in London gegründet. Niederländer und Franzosen folgen diesem Beispiel nach. Ab 1612 verliert Portugal die Stützpunkte an Britannien, Niederlande und Frankreich. Ab 1756 wird die alleinige Herrschaft Britanniens etabliert, Robert Clive, dem späteren Lord, sei Dank. Wer dieser Robert Clive (1725–1774) gewesen ist?

Er ist der älteste von 13 Geschwistern. Sein Vater ist ein durchschnittlicher Advokat in London, und verdient etwa £500 im Jahr. Als 3jähriger kommt er zu der schon verheirateten Schwester seiner Mutter. Warum? Wir wissen es nicht. Seine Tante und Ihr Mann berichten über seinen Jähzorn, über seine Neigung zu Schlägereien und zur Gewalt. Diese seine Neigung soll sich nie gegen seine Familie oder gegen seine Verwandtschaft gerichtet haben. Seiner Familie und Verwandtschaft gegenüber ist er willig und gefällig. Er hat häufig die Schule wechseln müssen. Er schafft keinen Schulabschluß. Als 12jähriger kommt er zu „Merchant Taylors“ nach London. Auch als Schneiderlehrling scheitert er. Sein Vater ist verzweifelt. Ihm vor allem möchte er ständig beweisen, daß er an sich willig ist, aber leider schon immer vom Pech verfolgt worden ist. Schließlich gelingt es seinem Vater, seinen ungeratenen 18jährigen Sohn gegen die Hinterlegung einer Kaution in Höhe von £500 bei der Company als „Buchhalter“ (Writer), die unterste Stufe des „buchhalterischen“ Fußvolks also, für Indien unterzubringen. Während seiner Seereise nach Indien 1743, fällt er unglücklich ins Meer, verliert wertvolle Kleidungsstücke und einen teuren Gürtel, ein Geschenk seines Vaters. Nach seiner Ankunft in Madras fühlt er sich verpflichtet, in einem langen Brief seinem Vater dieses Ereignis zu beichten. Er beteuert mehrmals, daß er diesen Vorfall beim besten Willen nicht hätte vermeiden können. Er fleht ihn an, ihm zu glauben.

In Madras fällt er auf als launig, zänkisch und handgreiflich. Er duelliert sich einmal. Ohne Folgen für die Duellierenden. Er ist oft allein und depressiv. In Madras versucht er einmal sogar, sich das Leben zu nehmen. Er beginnt, seine Freizeit häufig in der Bücherei der Company zu verbringen. Es ist heute nicht festzustellen, welche Art von Büchern diese Bücherei hatte.

In einer der stets wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen gegen die Franzosen gerät er 1746 in Gefangenschaft, kann aber mit einigen anderen fliehen und will danach statt „Buchhalter“ lieber ein „Haudegen“ sein. Am 16. März 1747 wird er tatsächlich durch den Gouverneur von Madras zum Fähnrich bestellt. Vorläufig, weil er noch nicht sein 22. Lebensjahr vollendet hat. Die „Versammlung der Direktoren“ in London bestätigt seine Bestellung am 4. Dezember 1747 schriftlich: [/I] „Fähnrich Clive soll nach seinen kämpferischen Fähigkeiten tatkräftig unterstützt werden; jeder Fortschritt wird von uns bedacht.“ [/I]

Als „Haudegen“ entdeckt Robert Clive sein verborgenes Talent für List, Intrigen, für die Kunst, andere aufs Kreuz zu legen und vor allem, skrupellos draufzuhauen. Ein Guerillakämpfer per excellence. Er ist so eifrig, daß er außerplanmäßig zum Hauptmann befördert wird. Die Franzosen wollen Chanda Sahib als Nabob von Karnatak und den französischen Gouverneur als Stellvertreter Chanda Sahibs installieren. Mit nur 200 europäischen und 600 einheimischen Söldnern nimmt Robert Clive 1752 die Hauptstadt Arcot von Karnatak ein, überlistet die Franzosen an der Ostküste und verhilft dem der East India Company genehmen Mohammed Ali zur Macht. Die Franzosen sind sauer. Sie konstatieren den Bruch des 1748 geschlossenen Friedensvertrages von Aix-la-Chapelle (Aachen), wonach die Christen in Übersee, also auch in Madras, miteinander friedlich umgehen sollten. Wie auch immer. Robert Clive gewinnt ein Scharmützel nach dem anderen und dient sich mit dem Segen vom Oberbefehlshaber Stringer Lawrence zu einem der Befehlshaber hoch. Aber er bekommt gesundheitliche Probleme. Wie in seiner Kindheit bekommt er Anfälle von Ohnmacht. Am 18. Februar 1753 heiratet er die Schwester eines Edmund Maskeylyne in Madras. Die 17jährige Margaret kommt in Juni 1752 nach Madras, nachdem ihr Bruder die Ehe mit Robert Clive arrangiert hatte. Dies ist zu jener Zeit eine geläufige Praxis für minderbemittelte junge Frauen gewesen.

Der East India Company hat Robert Clive durch seine umtriebigen Machenschaften nicht nur „Gewinne“ eingefahren, sondern auch Besitzungen. Er ist eingeschnappt, daß der Oberbefehlshaber Stringer Lawrence in Madras seine Leistungen und Verdienste nicht einmal verbal anerkannt hat. Er will nach England zurück. Vor seiner Abreise äußert er sich auch über seine Enttäuschung. Mit nichts war er in Indien angekommen. Und 1753 kehrt der 28jährige mit Frau und mit einem Vermögen von £40000 nach Haus zurück. Ist das nichts? Wie er das Geld verdient hat? Einer seiner vielen Biographen, ein Inder Namens Nirad C. Chaudhuri, hat es uns 1975 so erklärt (S. 111):

„Es gab nichts Ungewöhnliches in der Tatsache, daß Clive in Indien Geld scheffelte. Zunächst war es völlig im Einklang mit der etablierten Praxis, und es war darin nicht Spektakuläres. Noch lange Zeit danach sollten junge Engländer aus der verarmten Mittelklasse und aber auch solche aus unvermögenden adeligen Familien nach Indien kommen, um dort Vermögen anzusammeln. Arthur Wellesley, der künftige Herzog von Wellington, ging schwer verschuldet 1796 nach Indien, und kam 1805 zurück, nicht nur von allen Schulden befreit, sondern auch mit etwa £43,000. Zu diesem Geld war er auf Wegen gekommen, die als völlig legitim galten. Dies tat auch Clive. Das von ihm angehäufte Vermögen von über £40,000 entstammte privatem Handel, Nebenverdiensten in seinem Amt als Verwalter und aus Geschenken oder Beutegeld, alles anerkannte Geldquellen für die Bediensteten der Company in Indien.”

Verstehe dies, wer will. Aber schreibt dieser Inder nicht wie ein waschechter britischer Christ? So schön verständnisvoll und alles verniedlichend?

Nirad C. Chaudhuri ist 1897 in Kishorganj, Bengalen geboren und geht dort zur Schule. Die ganze Familie zieht 1910 um nach Kalkutta. Seine Mutter mußte wegen Krebs behandelt werden. Die Familie reist 1913 zurück nach Kishorganj. Sein älterer Bruder und er bleiben in Kalkutta. Er lebt in Kalkutta bis März 1942, danach in Delhi. Nach dem 14. November 1927 hat er Kishorganj nicht mehr gesehen. Er ist 30 Jahre alt. Bis dahin hat er Missionsschulen, College und den Frust, die „postgraduierten“– Prüfung abgebrochen zu haben, hinter sich gebracht. Sein Jugendtraum, Professor zu werden, ist ausgeträumt. Er wird 1921 Angestellter im „Military Accounts Department“. Er hat sich zu einem belesenen, aber auch zu einem depressiven Einzelgänger entwickelt. In der europäischen Geisteswelt findet er sich gut zurecht. 1951, er ist schon 54 Jahre alt, erscheint sein erstes Buch: The Autobiography of an unknown Indian. Es trägt eine bemerkenswerte Widmung: „Dem Andenken der britischen Herrschaft in Indien, die uns den Status von Untertanen erteilte aber die Staatsbürgerschaft vorenthielt; worauf jedoch ein jeder von uns die Herausforderung ausrief: ‚civis britannicus sum‘, weil alles, was in uns gut und lebendig war, eben von derselben britischen Herrschaft erschaffen, gestaltet und belebt worden war (To the Memory of the British Empire in India which conferred subjecthood on us but withheld citizenship; to which yet every one of us threw out the Challenge: „Civis Britannicus Sum“ because all that was good and living within us was made, shaped, and quickened by the same British rule.).” Er bereist 1955 England und Frankreich. Die britische Regierung hat ihm ein großzügiges Stipendium gewährt und viele exklusive Archive geöffnet. Er hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht. Darunter auch die hier erwähnte Biographie: „Clive of India“.

So reizvoll auch ist, dieser Teil der Geschichte ohne Verklärungen weiter zu erzählen, wollen wir die „Indoeuropäer“ nicht aus den Augen verlieren, auch wenn die Begriffe wie „Indoeuropäer“, Arier, usw. in den Köpfen der europäischen Christen bis Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht entstanden sind.

Ende 1783 betritt Sir William Jones, ein skrupelloser Glücksritter, die Bühne in Kalkutta, mit dem erklärten Vorsatz die Geschichte neu zu schreiben. Er beginnt dies mit der Gründung der „Asiatick Society of Bengal“ bereits in 1784. Natürlich hatte kein Asiate Zutritt zur „Asiatick Society“. Er entdeckt die Sprache Sanskrit für Europäer, ohne sie je beherrscht zu haben. Er stirbt1794 in Kalkutta. „Indoeuropäer“, „Arier“, „Rasse“ und „Hindu“ kommen bei Sir William nicht vor. Das 18. Jahrhundert ist bald Geschichte.

Thomas Babington Macaulay, später auch Lord, legt 1835 ein erstes Programm für das kulturelle Klonen auf: „Wir kommen nun zu dem Kern der Angelegenheit. Wir haben Gelder, die nach Regierungsrichtlinien für die intellektuelle Erweiterung der Leute im Lande verwandt werden sollen. Die einfache Frage ist, wie kann dies am brauchbarsten geschehen? (...) Dies kann im Augenblick nur mittels einer Sprache geschehen, die nicht die Muttersprache der Leute ist. Welche Sprache kann dies denn sein? Eine Hälfte des Komitees ist überzeugt, Englisch muß sie sein. Die andere Hälfte empfiehlt nachdrücklich Arabisch und Sanscrit. Die ganze Frage scheint mir zu sein, welche Sprache ist es wirklich Wert, gelernt zu werden.

Ich habe kein Wissen, weder über Arabisch noch über Sanscrit. – Aber ich habe getan, was ich tun konnte, um zu einer korrekten Einschätzung dazu zu gelangen. Ich habe die berühmtesten Übersetzungen von Arabisch und Sanscrit gelesen. (...) Ich bin bereit, die Bewertung eines orientalistischen Lernens der Orientalisten selbst zu akzeptieren. Ich habe keinen von denen gefunden, der leugnen würde, daß ein einziges Regal einer guten europäischen Bibliothek wertvoller ist als die ganze Literatur der Eingeborenen in Indien und in Arabien. Die immanente Überlegenheit der westlichen Literatur ist, in der Tat, völlig akzeptiert. (...) In Indien ist Englisch die Sprache der herrschenden Klasse ... von allen Fremdsprachen wird die englische Sprache für die Eingeborenen am meistens brauchbar sein. (...) Wir sind nicht damit zufrieden, die Eingeborenen in dem Einfluß ihrer eigenen vererbten Vorurteile zu belassen. ... es ist möglich aus den Eingeborenen dieses Landes absolut gute englische Gelehrte zu machen. ... Wir müssen im Augenblick alles tun, um eine Klasse zu formieren, die Vermittler werden könnte zwischen uns und den Millionen von Menschen, über die wir herrschen; eine Klasse von Personen, Inder in Blut und Farbe, aber englisch im Geschmack, in den Meinungen, in den Moralvorstellungen und im Intellekt. Dieser Klasse können wir es überlassen, die einheimischen Sprachen des Landes zu verfeinern und mit wissenschaftlichen Begriffen, entliehen der westlichen Nomenklatur, anzureichern. Darüber hinaus sie schrittweise mit geeigneten Medien auszustatten, damit sie der großen Masse ihrer Bevölkerung Wissen vermitteln kann.“


In: (Speeches by Lord Macaulay with his Minute on Indian Education), ausgewählt, mit einer Einleitung und mit Anmerkungen durch G. M. Young, Oxford University Press, London 1935, S. 359). „Indoeuropäer“, „Arier“, „Rasse“ und „Hindu“ kommen noch nicht vor.

Thomas Babington Macaulay heuert im Dezember 1854 Friedrich Maximilian Müller an, alte indische Texte im christlichen Geist zu übersetzen. Auch für seine „neue Klasse“. Sie sollte es einfacher haben bei ihrer eventuellen späteren Suche nach ihren Wurzeln. Die East India Company finanziert die Übersetzung alter Sanskrittexte aus ihrem kolonialen Gewinn. Keiner hat bislang gefragt, warum. Und wo es keine Fragen gibt, gibt es auch keine Antworten. Die „Indoeuropäer“ sind schon erfunden. Die „Arische Rasse“ noch nicht. Friedrich Maximilian Müller überflutet als Max Müller den Markt mit indischen Weisheiten und mit indischen heiligen Texten. Übersetzungen aus dem Sanskrit sollen es gewesen sein. Er bringt den 3. Band „Rigveda“ (1856) und „Eine Geschichte der altertümlichen Sanskritliteratur“ (1859) heraus. Und er will auch das Lied über die „Arische Rasse“ in den Texten des Rigveda entdeckt haben.

Nur, er hatte nie die Gelegenheit, Sanskrit zu lernen. Er war nie in Varatavarsa. Und die Texte, die er übersetzt hat, sind in der vedischen Sprache verfaßt. Diesen kleinen Unterschied entdeckt 1874 Theodor Benfey als erster in Europa. Diese Kunde erreicht auch Friedrich Maximilian Müller. Von 1878 an hat auch er den Unterschied zwischen Sanskrit und der vedischen Sprache zugeben müssen, ohne Kenntnis beider Sprachen. Aber er hatte eben eine Mission. Am 9. Dezember 1867 schrieb er seiner Frau Georgina:

„Ich habe immer noch eine große Arbeit zu tun, und habe oft das Gefühl, daß ich eine ganze Menge mehr getan haben könnte, wenn ich das eine Ziel meines Lebens standhafter vor Augen gehabt hätte. Manchmal wünsche ich mir, Du würdest mir mehr helfen, dieses zu tun, und darauf bestehen, daß ich härter an den ‚Veden‘ arbeite, und an nichts anderem. Ich hoffe, daß ich dieses Werk vollenden werde, und bin überzeugt, obwohl ich nicht erleben werde, dieses zu sehen, daß diese meine Veröffentlichung und die Übersetzung des ‚Veda‘ von jenem Zeitpunkt an großen Einfluß auf das Schicksal Indiens und auf die Entwicklung von Millionen Seelen in jenem Land haben wird. Es ist die Wurzel ihrer Religion, und ich bin sicher, ihnen zu zeigen, was diese Wurzel ist, die der einzige Weg ist, um alles zu entwurzeln, was während der letzten 3,000 Jahre daraus entsprungen ist. Wenn einem diese Gedanken durch den Kopf gehen, bereut man die Stunden und Tage und Wochen, die man damit verbracht hat, in anderer Leute Häusern zu verweilen, und man hat das Gefühl, daß man sich mit den vielen Segnungen, die sich über einen ergossen haben, dazu aufmachen sollte und das tun, was Gottes Werk sein könnte.

Seine „Übersetzungen“ gelten noch heute unverändert. Und wie gesagt: Alles was uns Wert ist, verdanken wir der arischen Rasse.