Herzog Arnulf "der Böse" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Basileus   
Freitag, den 16. Mai 2014 um 19:42 Uhr

 

  

 

 

 

 

Das Forum Grenzwissen.de gab jüngst zwei Usern dieses Forums die Gelegenheit, die Vorgehensweise der Vertreter der offiziellen Geschichte an einem ganz konkreten, einfachen Beispiel zu demonstrieren. Dieses kann jeder sofort nachvollziehen. (Oftmals erfordert das Nachvollziehen solcher Beweise, von denen der interessierte Leser dort noch viel mehr findet, ein wenig vorherige Lektüre und Nachdenken, so daß sich viele Leser aus Gewohnheit auf denjenigen verlassen, der den Mainstream vertritt.)

Wir konnten dort beweisen: Die Vertreter der offiziellen Geschichte (darunter ein promovierter Mediävist und seit langem bekannter CK-Gegner) nehmen die Bewertung der Quellen und der Literatur ganz offensichtlich nur danach vor, wie es ihr Dogma, ihr Wunschergebnis vorgibt. Widersprechen die Quellen und die Literatur dem Wunschergebnis, wird neuerdings sogar eher problematische Tertiärliteratur (englische Wikipedia zur Geschichte des deutschen Mittelalters) den Quellen und der zuverlässigen Literatur vorgezogen. Je nach Wunschergebnis wird dabei zu einem bestimmten Thema jeweils die vollkommen entgegengesetzte Position eingenommen. Auf diese Art läßt sich nun aber fast jede beliebige Geschichte konstruieren.

 

Es geht um Herzog Arnulf I. von Bayern, genannt "der Böse" († 937), der schon einmal im Internet Gegenstand reger Diskussionen war. Schon damals drehte sich die Diskussion der Phantomzeit-Anhänger mit den Vertretern der offiziellen Geschichte um die Frage, ob Arnulf ostfränkischer Gegenkönig war oder nicht. Gegen das Wohlstrukturierte Mittelalter nehmen die Vertreter der offiziellen Geschichte nun die entgegengesetzte Position zur Argumentation gegen die Phantomzeit-These ein !

Die Phantomzeit-Anhänger hätten es gerne, daß Arnulf ostfränkischer Gegenkönig gewesen wäre, da sie irgendwo die Münzen, die mit "Arnulf" beschriftet sind, unterbringen müssen. Diese werden laut offizieller Geschichte König und Kaiser Arnulf von Kärnten (* um 850; † 899) zugeordnet, den es aber nach der Phantomzeit-These gar nicht gab.

Gegen die Phantomzeit-These vertritt die offizielle Geschichte die klare Position "Herzog Arnulf ist eindeutig nie Gegenkönig gewesen" (Zitat), mit dem Verweis auf anerkannte Literatur.

Gegen das Wohlstrukturierte Mittelalter (wo er die ansonsten klare Strukturierung stören würde) wird von der offiziellen Geschichte die Position vertreten, "Arnulf war Gegenkönig". Dies wird originellerweise mit dem Verweis auf die englische Wikipedia begründet, die in diesem Punkt der deutschen widerspricht.

 

Zunächst die Diskussion in der Newsgroup de.sci.geschichte (Danke für den Hinweis an Heinrich77 !):

 https://groups.google.com/forum/#!topic/de.sci.geschichte/JTZDY7YnvL0 

 

Der Beitrag des Users "Timo von Burg", ein Phantomzeit-Anhänger:

"Wie laesst sich ausschliessen, dass Arnulf der Boese die Muenzen praegen liess?

Von letzterem weiss man ja nicht einmal, ob er deutscher

Gegenkoenig oder gar bayerischer Koenig gewesen sein will,

geschweige denn, was fuer Muenzen er praegen liess. ..."

 

Die Antwort eines Vertreters der offiziellen Geschichte, des Users "Dr. Rainer Munziger", in der offensichtlich in diesen Kreisen üblichen Diktion, und der klaren Positionierung "Herzog Arnulf ist eindeutig nie Gegenkönig gewesen":

"Da schwafelt wieder einmal ein Zeitenspinner ganz unbeleckt von Kenntissen

und immer in der Hoffnung, dass keiner bemerkt, wie wenig Substanz hinter

der Polemik steckt.

[...]

Wieso soll man das denn nicht wissen? Herzog Arnulf ist eindeutig nie

Gegenkönig gewesen (dazu gehört übrigens eine Königswahl, die es für diesen

Arnulf nie gab!).

[...]"

 

Dann folgt ein interessanter Beitrag des Users "Timo von Burg", der auf weitere Literatur verweist: Seidel, Jochen: Die Geschichte der bayerischen und fränkischen Territorien im Mittelalter (Internet-Artikel http://archive.today/05KPq ).

Der Autor kann aber auch nicht bestätigen, daß Arnulf der Böse Gegenkönig war. Er gibt allerdings den Grund an, weshalb es einige für nicht unmöglich halten, und wo es ein ernsthaftes Problem dabei gibt (darüber hinaus gibt es weitere): eine Radierung im überlieferten Text.

"... doch findet sich in den Salzburger Annales Iuvavenses maximi für das Jahr 920

den folgenden Eintrag: Baiuvarii sponte se reddiderit arnnolfo duce et

regnare fecit regno tru ...

Wichtig sind die drei letzten Buchstaben, die als »teutonicorum« gelesen

wurden. Danach hätten also die Bayern ihren Herzog zum König erhoben. Würde

dies zutreffen, dann wäre Arnulf der erste Gegenkönig der deutschen Geschichte.

Aber: Genauere Untersuchungen haben gezeigt, daß an dieser Stelle mit größter

Sicherheit eine Radierung vorliegt. Leider ist nicht mehr zu rekontruieren,

welches Wort zuvor dort gestanden hat. Einige Vermutungen gehen in Richtung

»baiuvarorum«.

Die Frage bleibt also: War Arnulf ein Gegenkönig zu Heinrich I. oder strebte er

eine Art Sonderkönigreich Bayern (bestehend aus dem gesamten Alpenraum bis nach

Italien und den angrenzenden Gebieten) an? Sollte dieses

süddeutsch-italienische Königreich einen Gegenpol zum nord-mitteldeutschen

Königreich bilden? "

 

Die Phantomzeit-Anhänger können also nicht nachweisen, daß Arnulf der Böse tatsächlich ostfränkischer Gegenkönig war.

Daraufhin zitiert "Dr. Rainer Munziger" die offizielle Geschichtsschreibung ("Herzog Arnulf ist eindeutig nie Gegenkönig gewesen"):

"Ich darf zu dem Thema Gegenkönig Arnulf von Bayern mal die offizielle

Geschichtsschreibung zu Wort kommen lassen:

zitiert aus: Josef Kirmeier, Bayern und das Deutsche Reich

(10.-12.Jahrhundert), in Politische Geschichte Bayerns, Heft 9, Hefte zur

Bayerischen Geschichte und Kultur, Hsrg. Haus der Bayerischen Geschichte

1989, S.7 - 9

Zitatanfang

----

Nach dem Tod Ludwigs des Kindes (911), mit dem die ostfränkischen Karolinger

ausstarben, blieb die Einheit des ostfränkischen (deutschen) Reiches

gewahrt. Die Königswürde wurde von Vertretern des fränkischen, sächsischen

und bayerischen Adels an den Franken Konrad verliehen. Nach dessen Tod fiel

die Königswürde an den sächsischen Herzog Heinrich (918-936), wogegen der

bayerische Herzog Ar­nulf (907-937) eine Art Sonderkönigtum anstrebte, das

das Herzogtum Bayern und vielleicht einen Teil des fränkischen Territoriums

umfaßt haben dürfte. Arnulf setzte sich zwar gegen den sächsischen König

nicht durch, erreichte aber immerhin weitge­hende Unabhängigkeit von ihm, so

daß er eine eigenständige Kirchen- und Außen­politik verfolgen konnte.

--------

Zitatende"

 

Auch aus weiterer Literatur, z.B. dem bekannten "Lexikon des Mittelalters" läßt sich entnehmen, daß nicht nachgewiesen ist, daß Arnulf "der Böse" als ostfränkischer Gegenkönig zu Heinrich I. anzusehen ist.

All dies interessiert die Vertreter der offiziellen Geschichte nicht im Geringsten, wenn es darum geht, gegen Kritiker zu argumentieren.

 

Vor einigen Tagen im Forum Grenzwissen.de:

"Basileus: Für Herzog Arnulf “den Bösen“ von Bayern (gestorben 937) ist in der Geschichtswissenschaft nicht nachgewiesen, dass er Gegenkönig war.

Das ist aktueller Forschungsstand.

Arnulf "der Böse" wird daher von mir auch nicht berücksichtigt. Punkt !

Icculus [verweist auf Wikipedia]: Er ist aber in den Referenzlisten als Gegenkönig gekennzeichnet. In der deutschen als möglicher Gegenkönig, in der englischen und spanischen Version gleichrangig zu den anderen Gegenkönigen."

http://forum.grenzwissen.de/showpost.php?p=189982&postcount=413 

der die Antwort auf diesen meinen Beitrag war:

http://forum.grenzwissen.de/showpost.php?p=189977&postcount=408

 

Diese Aussage ("Arnulf der Böse war ostfränkischer Gegenkönig") wurde mehrfach wiederholt und es haben sich dieser Position andere Vertreter der offiziellen Geschichte angeschlossen, u.a. auch ein promovierter Mediävist und seit langem bekannter CK-Gegner. Trotz wiederholter Nachfragen wurden keine weiteren Gründe für diese vom Forschungsstand abweichende Meinung genannt.

Die vertretene Position hängt also bei denen davon ab, was das Wunschergebnis sein soll, selbst wenn es dem Stand der Wissenschaft widerspricht.

Es kommt sogar zu dem Paradoxon, daß die Kritiker die Daten der offiziellen Geschichte verwenden, und die Vertreter der offiziellen Geschichte diese Daten bestreiten müssen, um ihre Position verteidigen zu können !

 

 

 

 

 

 

 

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